Dinslaken: Schüler blicken in toten Winkel
VON HENNING RASCHE - zuletzt aktualisiert: 23.11.2011Dinslaken (RP). Bei einem Unfall mit einem Sattelschlepper kam 2007 in Dinslaken eine 14-jährige Radfahrerin ums Leben. Die Dekra setzt seitdem verstärkt ihren Lehr-Lkw ein. Schüler sollen die Gefahr des Straßenverkehrs erkennen lernen.
Für beide gab die Ampel grünes Licht. Für das Mädchen, das mit dem Fahrrad auf dem Radweg wartete und geradeaus fahren wollte, aber auch für den Lastwagenfahrer, der nach rechts abbiegen wollte.
Beide durften sie starten, als die Ampel an der Ziegelstraße auf Grün sprang. Doch der Fahrer des Sattelschleppers, der die Spur des Mädchens kreuzen musste, konnte die Schülerin nicht sehen. Zu hoch war sein Cockpit, zu schlecht die Sicht. Der Laster erfasste das Mädchen.
Gefahr im toten Winkel
Solche schrecklichen Ereignisse sind es, die Willi Noll und das Team vom Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein (Dekra) antreiben. Seit einigen Jahren fahren sie von Schule zu Schule und klären auf. Mit einem Lastwagen kommen sie auf Schulhöfe und zeigen Schülern, was ein Brummi-Fahrer im Straßenverkehr sehen kann und welcher Bereich für ihn im Verborgenen bleibt.
Die Dekra
Fakten Die Dekra wurde vor 86 Jahren als Deutscher-Kraftfahrzeug-Überwachungsverein gegründet. Sitz ist Stuttgart, der Jahresumsatz liegt über einer Milliarde Euro.
Aufgaben Zu den Hauptaufgaben der Dekra zählt die Abnahme der Haupt- und Abgasuntersuchung bei Kraftfahrzeugen.
Jürgen Bongardt hilft den Schülern beim Einsteigen in das hoch liegende Cockpit. Es folgt ein Blick auf die Straße. Spiegel und Stützen versperren die Sicht. Auf dem Schulhof der Realschule im Gustav-Heinemann-Schulzentrum haben die Männer von der Dekra mit Kreide aufgemalt, welche Teile der Straße zu sehen sind und welche im toten Winkel liegen. Auffallend viele schraffierte Felder sind zu erkennen.
Die sind für Fußgänger und Radfahrer besonders gefährlichen. Hier sieht sie der Mann am Steuer gar nicht. Elmar Sudeick ist zweiter Konrektor der Hiesfelder Realschule. Er freut sich über die Unterstützung der Dekra. "Gerade bei der Witterung in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, dass Schüler Verkehrserziehung bekommen."
Die Realschule bietet seit zwölf Jahren Schulungen an und testet, ob Schüler verkehrssicher sind. "In den vergangenen zehn Jahren sind die Durchfallquoten stark zurückgegangen", sagt Sudeick. Das sei auch der Arbeit der Dekra zu verdanken.
Ein Blick ins Cockpit des Lehr-Lkw der Dekra genügt, um sich der Gefahr bewusst zu werden. Fünf verschiedene Spiegel hängen an den Außenscheiben. Sie alle und die Straße muss der Fahrer im Blick halten. Nur dann hat er eine Chance.
Seit einem Unfall, der sich 2008 in den Niederlanden ereignete und dem von der Ziegelstraße ähnelt, ist für neu zugelassene Laster ein weiterer Spiegel Pflicht. Er hängt waagerecht über der Frontscheibe und zeigt dem Fahrer den Bereich unmittelbar vor seinem Cockpit an. "Die Leute denken, weil der Fahrer so hoch sitzt, kann er besonders gut sehen", klärt Willi Noll auf. "Dem ist aber nicht so."
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