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Dinslaken: Schutzbrief-Fund: reines Glück und purer Zufall

VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010

Dinslaken (RPO). Die Begeisterung stand Gisela Marzin und Jürgen Grafen noch Tage nach dem Fund ins Gesicht geschrieben. Verständlich, gab die Leiterin des Stadtarchivs doch ehrlich zu, dass mit einer derartigen Entdeckung niemand rechnen konnte. Im Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv stießen Marzin und Graf auf einen Schutzbrief für die jüdische Familie Lifmann aus Dinslaken aus dem Jahre 1361. Damit ist das Dokument der älteste überlieferte Schutzbrief am Niederrhein. "Das war reines Glück und purer Zufall", sagt Marzin.

Erste Hinweise auf das historische Dokument fand Hobby-Geschichtsforscher Jürgen Grafen in Aufzeichnungen des jüdischen Historikers Dr. Yitzhak Fritz Baer aus dem Jahr 1922. In seinem Werk "Das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve" berichtete er von mehreren Schutzbriefen für jüdische Familien am Niederrhein. "Im Gegensatz zu vorherigen Informationen die wir gesammelt hatten, war klar, dass Baer seine Daten auch im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf gesammelt hat", erinnert sich Grafen. Und so machte er sich mit der Stadtarchivarin auf die Suche.

Fündig wurden beide in einer Sammlung mittelalterlicher Schriften, in der sie die Abschrift des Schutzbriefes für die Familie Lifmann fanden. Ihre Entdeckung brachten sie zu Pater Dr. Ludger Horstkötter aus der Abtei Hamborn, der das Dokument zunächst in eine frühneuhochdeutsche Fassung übertrug, ehe er eine Adaption ins heute geläufige Neuhochdeutsch vornahm.

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger war jedenfalls begeistert. "Dieser Fund zeigt, wie wichtig Archivarbeit ist. So verhindert man, dass man zu einer geschichtslosen Stadt wird." Eine Kopie der Abschrift des Schutzbriefes soll nach Auskunft Marzins im Museum Voswinckelshof in der Abteilung Judaika ausgestellt werden. Zudem will die Leiterin des Stadtarchivs mit der Stadt Kleve in Kontakt treten, für die das Fundstück auch von Bedeutung sein könnte. Außerdem soll weiter Literatur aufgearbeitet werden, um den Schutzbrief besser in die Geschichte der Stadt einordnen zu können.

Quelle: RP

 
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