Dinslaken: Sensibilität ist gefragt
VON HENDRIK GAASTERLAND - zuletzt aktualisiert: 14.11.2007Dinslaken (RPO). Bereits im vierten Schuljahr beschäftigen sich die Jungen und Mädchen der Gartenschule im Unterricht mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Erstmals wurde die Ausstellung im Voswinckelshof besucht, um den Kindern das Vergangene zu erklären.
Buch von Tilde Michels
Seit mehreren Jahren greift die Gartenschule das Thema Nationalsozialismus auf. Die Kinder lesen in der vierten Klasse die Lektüre „Freundschaft für immer und ewig“ von Tilde Michels und beschäftigen sich in einer Projektreihe mit der Machtergreifung, gesellschaftlichen Veränderung, jüdischem Leben, Verfolgung und dem Widerstand in Dinslaken.
Die Vorgehensweise bei der Verbreitung von rechtem Gedankengut wird immer dreister. Nicht nur über das Internet oder bei organisierten Musikveranstaltungen wird versucht, Jugendliche zu beeinfussen, sondern auch Verteilaktionen von CDs mit fremdenfeindlichen Texten auf Schülhöfen sind keine Seltenheit mehr. Die Grundschule an der Gartenschule hat diese Problematik erkannt und greift in ihrem Unterricht die Thematik Nationalsozialismus bereits in der vierten Klasse auf. „Wir wollen nicht die Schrecklichkeit des Krieges zeigen, sondern den Kindern erklären, was damals passiert ist“, sagte Lehrerin Anne Schubert, die dafür mit ihrer Klasse 4a das Museum Voswinckelshof besuchte.
„Eine Herausforderung“
In der Vorbereitung zu diesem Exkurs traf sich die Lehrerin mit Museumspädagogin Cordula Hamelmann. Für sie ist es das erste Mal, dass sie eine solche Führung mit einem vierten Schuljahr macht, und deshalb suchte Hamelmann vorweg den Informationsaustausch mit Schubert. „Das Thema ist ja bei dem jungen Alter der Kinder ganz sensibel zu behandeln. Deshalb war es auch eine Herausforderung für mich und ich musste zunächst mich über den Kenntnisstand informieren“, meinte die Museumspädagogin.
Als dann die Klasse vor ihr im Voswickelshof auf dem Boden hockte und den behutsamen Erklärungen zur Nazi-Zeit lauschte, waren jede Bedenken verflogen. „Hitler hat die Juden zum Sündenbock gemacht, obwohl die gar nichts gemacht haben“, oder „Hitler war Österreicher und wollte nur blonde und blauäugige Deutsche haben, obwohl er selbst braune Augen und schwarze Haare hatte – das ist komisch“, zeigten gleich von Beginn an, dass der Nachwuchs durchaus Vorkenntnisse im Elternhaus oder im Unterricht gesammelt hatte. „Das Hintergrundwissen variiert aber von Jahrgang zu Jahrgang“, erklärt Schubert, ehe es auf den Rundgang durch die Dinslakener Innenstadt auf der Erforschung nach jüdischen Spuren ging.
Orte des Gedenkens
Mit alten schwarzweiß Fotos ausgestattet führte Hamelmann die Gruppe zum Gedenkstein des jüdischen Waisenhauses, zur Gedenktafel der am 11. November 1938 abgebrannten Synagoge, an den Rand des alten Friedhofs in der Mitte des heutigen Kreisverkehrs in der Stadtmitte und abschließend an das Mahnmahl von Künstler Alfred Grimm. Noch einmal nahm die Pädagogin sich viel Zeit für die Erläuterungen der Symbole und beantwortete die vielen Fragen der Kinder, bevor sie die Gruppe verabschiedete: „Die Erinnerung daran ist ganz wichtig. Ihr wisst jetzt darüber Bescheid und wenn es einmal jemand vergisst, müsst ihr ihn daran erinnern, wie schrecklich es war, damit sich das nicht wiederholen darf.“
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