Dinslaken: Sie brachen ihr Schweigen
VON ANNIKA MATHEIS - zuletzt aktualisiert: 24.03.2007Dinslaken (RPO). Zuhälterei, Prostitution, Menschenhandel – das sind die Vorwürfe. Gestern sagten die Angeklagten vor dem Duisburger Landgericht zum ersten Mal aus.
Es scheint, als ob die Verhandlung gegen die vier Angeklagten, einer von ihnen stammt aus Dinslaken, vor dem Duisburger Landgericht kein Ende nehmen will. Gestern kamen die Beschuldigten, ihre Verteidiger und auch die Kammer wieder einmal zusammen und verhandelten bis in den späten Nachmittag. Allerdingbrachen die Angeklagten, darunter eine Essenerin, ein Mann aus Oberhausen und einer aus Nürnberg ihr Schweigen.
Doch auch gestern brachte beispielsweise die Aussage des Oberhausener Türken wenig Licht ins Dunkel. Ihm wird Zuhälterei vorgeworfen. Außerdem wird der 46-Jährige beschuldigt, Prostituierte ausgebeutet zu haben. Das aber, was er dann gestern aussagte, passte wenig zu dem, was in der Anklageschrift steht. Der Mann schilderte die Zusammenhänge völlig anders: So sagte er beispielsweise aus, dass er nur „helfen“ wollte, für die 32-jährige Essenerin, die angeblich die Betreiberin der Table Dance-Bar in Oberhausen war, nur als Fahrer fungiert habe. Obwohl doch in der Anklageschrift stand, dass er selbst, zusammen mit einem der anderen Angeklagten, der Besitzer der Bar war.
Weitere Details
Gestern trat erstmals die junge Ukrainerin in den Zeugenstand, die ebenfalls als Nebenklägerin auftritt. Sie stellte – entgegen den Aussagen der Angeklagten (die gaben gestern während der Hauptverhandlung nur wenige Details preis) die Situation ganz anders dar.
So sagte sie beispielsweise, dass es sehr wohl weitere Räume im Hintergrund der Bar gab, in denen die Frauen mit den männlichen Gästen Geschlechtsverkehr gehabt hätten.
Einer der Angeklagten erwähnte noch nicht einmal die Räume. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 28. März, am Landgericht Duisburg fortgesetzt.
Tänzerin konnte nicht tanzen
Als es konkret um eines der Opfer ging, das nebenbei auch als Nebenklägerin auftritt, sah man den Angeklagten oft mit den Schultern zucken. Die junge Ukrainerin war vor knapp vier Jahren in die Table Dance Bar nach Oberhausen „vermittelt“ worden. Der Hauptangeklagte (er betreibt eine Modell-Agentur in Nürnberg) sorgte für den Kontakt.
Das Problem: Die junge Frau konnte laut Aussage des Angeklagten gar nicht tanzen. Mehrere Monate arbeitete sie in der Bar, jedoch nicht zur Zufriedenheit der Betreiber. So kam man auf die Idee, die Tänzerin wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. Die direkte Frage der Staatsanwaltschaft, ob sie in Oberhausen der Prostitution nachgegangen sei, beantwortete der 46-Jährige mit den Worten: „Kann möglich sein“ – und zuckte wieder mit den Schultern.
Schulterzucken
Dass es in der Bar auch abgetrennte Räume neben der Tanzfläche gab, machte der Angeklagte mit Hilfe einer Zeichnung deutlich. Die von ihm so genannten Separees nutzten die männlichen Gäste gerne, um mit den Tänzerinnen ungestört zu sein. Ob denn dort auch sexuelle Handlungen vorgenommen wurden? Die Antwort des Angeklagte kam prompt – ein weiteres Schulterzucken.
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