Dinslaken: Stadtarchiv ins Johannahaus?
VON JÖRG WERNER - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Dinslaken (RPO). Zu einem Umzug des Stadtarchivs ins Ledigenheim wird es nicht kommen. Nun wird über eine andere Lösung geredet. Das Dinslakener Stadtarchiv könnte im Johannahaus der Vincentius-Gemeinde unterkommen.
Der Umzug des Stadtarchivs ins Johannahaus hätte sicher Charme. Die historische Bedeutung des Gemäuers, das noch dazu im Herzen der Altstadt und in unmittelbarere Nähe zum städtischen Museum Voswinckelshof liegt, passte hervorragend für die Unterbringung des „städtischen Gedächtnisses“. Doch noch handelt es sich bei dieser Lösung um ein völlig ungelegtes Ei.
Informelles Gespräch
Die Stadt bestätigte zwar, dass es ein Gespräch mit Vertretern der Kirchengemeinde gegeben habe. Dabei habe es sich aber um ein rein informelles Gespräch gehandelt, indem es darum gegangen sei, zu klären, ob der Umzug des Archivs an diesen Ort grundsätzlich vorstellbar ist.
Zwei Funktionen
In seiner Funktion als Vorsitzender der Stiftung Ledigenheim ist für Hans-Karl Bellinghausen das Thema „Stadtarchiv“ jetzt erledigt.
Das Thema könnte ihm allerdings trotzdem erhalten bleiben. Denn Bellinghausen ist auch im Kirchenvorstand der Sankt-Vincentius-Gemeinde.
Weitere Überlegungen sind noch nicht angestellt. Vorher müsse die Politik befragt werden. Auch von Seiten der Kirchengemeinde gibt es noch keine konkrete Entscheidung über die Zukunft des Johannahauses.
Pastor Theo van Doornick bestätigte zwar seinerseits, dass über das Johannahaus, wie über anderen Besitz der Gemeinde auch nachgedacht werde, Konkretes gebe es aber noch nicht zu berichten.
Vorgaben aus Münster
Hintergrund der Überlegungen in der Kirchengemeinde ist die Vorgabe des Bistums, wonach die Kirchengemeinden mindestens 20 Prozent der von ihnen bewirtschafteten Flächen aufgeben müssen. Diese Zahl, so van Doornick, sei aber auf die Gesamtgemeinde bezogen – also auch auf Sankt Johannes und Heilig Blut. Klar ist allerdings auch, dass die Bausubstanz des Johannahauses sanierungsbedürftig ist.
Ein Umzug des Stadtarchivs ins umgebaute Lohberger Ledigenheim ist dagegen kein Thema mehr. Der war bekanntlich zunächst daran gescheitert, dass Feuchtigkeit in den Kellerräumen Zweifel an der „Archivtauglichkeit“ des Ledigenheims hatte aufkommen lassen. Die Politik hatte daraufhin die Stiftung Ledigenheim als Eigentümer des Gebäudes aufgefordert, nachzuweisen, dass sich die Räume für die Unterbringung der wertvollen Archivalien eignen. Das ist inzwischen geschehen.
Wie Stiftungsvorstand Hans-Karl Bellinghausen gestern der Rheinischen Post sagte, hatte er einen Wissenschaftler der Uni Essen mit der Klärung dieser Frage beauftragt. Der sei zwar zu dem Ergebnis, dass auch die Kellerräume grundsätzlich für das Archiv geeignet seien, dennoch nimmt Bellinghausen von einer Vermietung an das Archiv Abstand.
Die Stadt, so der Stiftungsvorsitzende, fordere, dass der Eigentümer des Gebäudes die Tauglichkeit für Archivzwecke für alle Zukunft sicher stelle. Da dies aber nicht nur vom Zustand des Gebäudes abhänge, sondern auch wechselnden Verordnungen des Landes, könne er dieses Risiko für die Stiftung nicht eingehen, sagte Bellinghausen. Ein entsprechender Brief an Bürgermeisterin Sabine Weiss sei auf dem Weg. „Für mich ist die Angelegenheit Archiv passé“, erklärte Bellinghausen.
Damit ist eine Lösung für das Platzproblem des Stadtarchivs, das in seinen Räumen im Turm der Dinslakener Burg aus allen Nähten platzt, wieder in die Ferne gerückt. Ein neues Kapitel in der schon fast unendlichen Geschichte der Debatte über die Zukunft des Stadtarchivs ist aufgeschlagen.
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