Dinslaken: Starke Texte starker Frauen
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007Dinslaken (RPO). Erst im Unglück bekommt Stärke ein Gesicht. In den Momenten, in denen das Glück Atem holt, zeigten fünf der bedeutendsten Frauen unserer Geschichte ihre wahre Größe. Der Förderverein Herz-Jesu-Kirche porträtierte sie.
Der Beamer ist kaputt. Die Porträts von Rosa Luxemburg, Mascha Kaléko, Frida Kahlo, Anne Frank und Dorothee Sölle, die während des Lyrikabends „Starke Frauen“ des Fördervereins Herz-Jesu- Kirche im Hotel Galland an die Leinwand geworfen werden sollten, sind nun lediglich für die vorderen Reihen per Laptop-Bildschirm erkennbar. Doch dieses Malheur schadet dem Abend nicht – ganz im Gegenteil.
Kein Foto, viele Bilder im Kopf
Die Arbeiten, Briefe, Buchauszüge dieser so ausnahmslos faszinierenden Frauen sprechen für sich. Es bedarf keines Fotos, um sich die Tapferkeit in Anne Franks Gesicht vorzustellen, als sie ihre Lockenwickler und das Tagebuch in den Schulranzen packt und vor der Gestapo flüchtet. Und es bedarf auch keines ernsten schwarzweiß Porträts Rosa Luxemburgs, um zu begreifen, dass diese Frau eine Kämpferin war; wie sie dort aus einem Berliner Gefängnis Briefe an ihre Liebsten schrieb, in denen sie, trotz des eigenen Schicksals, Hoffnung verbreitete.
Frauenwahlrecht
Im Jahre 1891 wurde über das Frauenstudium im Reichstag verhandelt, 1908 gründeten erbitterte Gegner der Frauenbewegung den „Bund zur Bekämpfung der Emanzipation“. Als erstes europäisches Land gewährte Finnland mit seiner Landtagsordnung vom 1. Juni 1906 Frauen das Wahlrecht. In Deutschland gelang es mutigen Frauen am 19. Januar 1919 passives Wahlrecht zu erlangen.
Ungeachtet der detaillierten Überzeugungen, für die die zum 100. Geburtstags des Europäischen Frauenwahlrechts geehrten Frauen standen, ihre Stärke, Menschlichkeit und sympathischen Schwächen lassen sie allesamt unvergessen bleiben. „Manchmal muss man sich gegen etwas auflehnen, wenn man etwas verändern will.“ So begrüßte Fördervereinsvorsitzende Käthi Klein das Publikum und bedankte sich dafür, dass dieses die Fahrt ins Oberlohberger Hotel Galland auf sich genommen hatte.
Durch die Querelen zwischen Kirchenvorstand und Förderverein wurden an diesem Abend „Lyrik und Musik im November“ eben nicht in heiligen Hallen zelebriert. Der guten Stimmung von Publikum und den drei Akteuren der Burghofbühne tat dieser Schönheitsfehler keinen Abbruch. Bei Kerzenschein lauschten die Kulturfreunde den Stimmen Iris Kunz‘, Erwin Kleinwechters und Lars Helmers. Buchhändlerin Sigrid Buchheim machte durch verdichtete Biographien mit den vorgestellten Persönlichkeiten bekannt. Mit Mascha Kaléko, zum Beispiel. Sie blieb laut Marcel Reich-Ranicki „Zeit ihres Lebens überall eine Fremde“, auch wennderen neuartige Großstadtlyrik so vielen Menschen ein Gefühl von Heimat gab.
Verletzungen „wegmalen“
Oder mit der Malerin Frida Kahlo, die auf rund einem Drittel ihrer insgesamt 143 Bilder sich selbst porträtierte, weil sie die Verletzungen eines Busunfalls in der Jugend irgendwann „wegzumalen“ begann.
Facettenreiche Frauen, beklemmend, aber komisch dargestellt, tragisch und doch voller Hoffnung – und so schloss der Themenabend passend mit einer ebenfalls großen Frau. Inga Rumpf sang „Power und Peace“.
Wenn auch nur vom Band.
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