Hünxe: Staunend durchs Schloss
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010Hünxe (RPO). Das Schloss Gartrop ist Hauptspielort der Hünxer Local-Hero-Woche. Beim Rundgang durch das liebevoll sanierte Schmuckkästchen der Gemeinde gibt es viel Schönes zu entdecken.
"Gehen Sie schon mal runter in die Küche; ich komme gleich nach." Schlossherr Dr. Peter Blumrath weist auf eine Holztüre unterhalb der Haupttreppe, die aussieht, als verberge sich hinter ihr eine kleine Vorratskammer. Er eilt hinaus, muss den Arbeitern, die gerade dabei sind, in der Vorburg weitere Hotelzimmer fertigzustellen, noch schnell irgendetwas sagen.
Die Türe lässt sich leicht öffnen, es geht im Halbrund auf kleinen Stufen hinab. Unten angekommen: Eine Gewölbeküche, etwas höher gelegen als Souterrain. Man schaut, so vor dem Teekasten stehend und nach der passenden Sorte Ausschau haltend, auf die mit Reif besetzten Felder Gartrops. Über den verschneiten Wiesen liegt ein feiner Nebel. Von hier drinnen, mit einer Tasse Orangentee in der Hand, ein urgemütlicher Anblick.
Hotel und Feuerwerk
Zimmer Mit den neuen Räumen in der Vorburg, die im Frühjahr fertiggestellt werden, können im Schloss-Hotel 21 Doppelzimmer gemietet werden. Der Spiegelsaal dient als Standesamt, in der Kapelle finden kirchliche Trauungen statt.
Finale Die Hünxer Local-Hero-Woche findet auf dem Schlossgelände ihren Abschluss: heute nach dem Konzert "Stilmix – Klangfunde" mit einem Feuerwerk und morgen zwischen 15 und 18 Uhr mit einer letzten Besuchsmöglichkeit der Otto-Pankok-Ausstellung.
Der Schlossherr kommt zurück. Trinkt ein Teechen mit, rekapituliert die Historie des Schlosses. Früher Wohnsitz alter Adelsgeschlechter, die wichtigen Einfluss auf die Politik im Kreis hatten. Später dann, als Blumrath es 2004 ersteigerte, eine große Baustelle. "Wir haben hier Container um Container rausgetragen. Als wir 2005 mit der Sanierung des Haupthauses begannen, war es wirklich ein Rohbau."
Blick an die Küchendecke: Das Gewölbe ist in einem hellen Rosa gestrichen. Noch oft an diesem Tag werden einem die Farben auffallen: Rosa – hätte man sich selbst nicht getraut. Architekt Martin Link leistete ganze Arbeit. Blumrath über ihn: "Er ist noch ein klassischer Architekt, aber eben auch kulturell breit aufgestellt. Wir haben das Schloss auf höchstem Niveau renoviert, aber sind, das ist das Glück, nicht ins Kitschige abgerutscht."
Ein Blick nach nebenan, dort befinden sich die neuen Speisesäle. Die meisten Möbel stammen aus der hauseigenen Schreinerei. Klassische, schöne Stücke mit antiker Note. Auf einem breiten Fenstersims stehen bestimmt 60 Teelichtgläser, alle in den Farben Pink und Rot. Klingt merkwürdig, sieht hier aber völlig logisch aus.
Die Teetasse ist leer, es geht ins Erdgeschoss. Da ist der Eingangsbereich, mit einer großen Glaskuppel überzogen, die in einer Höhe von zwölfeinhalb Metern einen Blick auf den Himmel frei gibt. "Im Sommer knallt hier die Sonne direkt auf den Boden." Da einfach mal hinlegen, das wär's doch. Die Bodenplatten aus Granit und Marmor wirken edel, erdrücken aber nicht.
Die erste Tür geht auf. "Das Herrenzimmer", sagt Dr. Peter Blumrath und man selbst, wie noch so oft bei diesem Rundgang: "Wahnsinn!" Das ist ein Phänomen, das einen im Schloss Gartrop ereilt: Man kann keine distanzierte Haltung zu den vielen Räumen einnehmen. Egal, welchen Stil man in den eigenen vier Wänden bevorzugt, die Stimmigkeit der Innenarchitektur ist so groß, die Detailverliebtheit so gut zu erkennen – es lässt sich einfach nichts "nicht schön" finden.
Das Herrenzimmer nun überrascht mit Wänden in Dunkellila. "Nicht gestrichen, sondern mit Stoff bespannt", sagt Blumrath. Tasten, drüberstreichen, probesitzen. So viel Schönheit muss man sich greifbar machen.
Im Damenzimmer nebenan, hier hellere Töne, sanfteres Licht, fällt im Moment des Eintretens eine Orchideen-Blüte zu Boden. Auf eine, kitschiger Gedanke, sehr würdevolle Weise. Man kann das auch an sich selbst beobachten. Mit eingezogenen Schultern durch diese Räume wandeln? Unmöglich. Spätestens im Spiegelzimmer strafft sich der Rücken. Es sind die Kleinigkeiten, die zum Stocken bringen: Kastenschlösser in den Türen aus dem alten Schiffsbau. "Wenn man die einmal hat, will man keine anderen mehr", sagt Blumrath und dass er dafür mit seinem Schreiner bis nach Belgien fahre.
Im oberen Stock: ein Bibliothekszimmer. In den Badezimmern, nicht nur hier, auch in den anderen Räumen auf dieser Etage und oben, unterm Dach: moderne Technik, klassischer Stil. Was muss das herrlich sein, in einer der freistehenden Badewannen zu versinken und über die mittlerweile stark vernebelten Schneewiesen zu schauen.
Es gibt so viele Räume zu entdecken. Die kleinen mit der gestreiften Tapete unterm Dach, die neuen Räume in der Vorburg, die erst im Frühjahr fertig sein werden. Jede Führung durch das Schloss wird immer zu kurz sein. Aber mal vorbei schauen und sich ansehen, mit welcher Würde, Schönheit und trotzdem Bodenständigkeit dieses Wahrzeichen Hünxe vertritt, sei hiermit wirklich jedem ans Herz gelegt.
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