Dinslaken: Theater holt Messias in die Kirche
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2008Dinslaken (RPO). Die evangelische Stadtkirche wird zum Garten Getsemani, Marco Pickart Álvaro zum Messias. Mit Eric-Emmanuel Schmitts Monolog „Letzte Nacht auf Erden“ macht die Burghofbühne das Gotteshaus in der Dinslakener Altstadt erneut zur Theaterbühne. Premiere ist am 7. November.
Felix Gattingers Inszenierung kommt mit wenigen Requisiten aus. Ein Podest, ein Tisch, ein Stuhl deuten das Zimmer an, das für Jeschua zum Ölberg wird. Hier wird er die letzte Nacht vor seiner Kreuzigung verbringen, wird über Liebe und Verrat nachdenken und über seinen Entschluss, Gutes zu tun. Er wird zweifeln, ob es richtig ist, sich für die Menschen töten zu lassen. Und er wird Angst vor seiner Entscheidung haben.
„Jeschua hat 50 Minuten Zeit dem Publikum zu beweisen, dass er der Messias ist, der von Gott Gesandte“, erklärt Gattinger, der sich selbst als „nicht gläubigen, aber religiösen Menschen“ bezeichnet. „Vielleicht“, sagt der Regisseur, „ist Jeschua aber auch nur ein junger Mann mit einer fixen Idee, ein Verrückter. Zu entscheiden haben das am Ende die Zuschauer.“
„Letzte Nacht auf Erden“ ist der erste Teil von Eric-Emmanuel Schmitts „Trilogie des Unsichtbaren“. Der französische Romancier und Dramatiker beschäftigt sich darin mit den Weltreligionen. Schmitts Auseinandersetzung mit dem Christentum markierte 1991/1992 seinen ersten internationalen Theatererfolg. In dem Stück geht es um die Menschlichkeit Jesu, „die verrückte Schönheit seiner Tat, seine Opferbereitschaft“, so der Autor.
Das Menschliche in Jesus
Auch Gattinger nähert sich nicht Christus, sondern dem Zimermannssohn Jesus von Nazareth an. Mit Marco Pickart Álvaro hat er einen Protagonisten gefunden, der die Figur füllt, indem er sich von überkommenen Erlöser-Darstellungen, wie man sie aus unzähligen Filmen und von Gemälden kennt, löst. „Ich will weg vom Klischee“, sagt der 31-Jährige. „Mich interessieren die Werte, die diese Figur verkörpert.“ Die Arbeit an Schmitts Monolog, der den Untertitel „Die Nacht der Ölbäume“ trägt, beschreiben Schauspieler und Regisseur als „schön und intensiv“. Es habe Tage gegeben, da hätten beide fünf Stunden lang durchgearbeitet – ohne Pause, ohne Kaffee ohne Zigarette.
War die Auseinandersetzung mit Jeschua aus Nazareth für Marco Pickart Álvaro auch ein Stück Annäherung an Jesus Christus, den Sohn Gottes? Der Schauspieler, schüttelt den Kopf. Er sei nicht religiös, er trenne die Figur, die er hier verkörpere klar von der des historischen Jesus.
Pfarrer Ronny Schneider freut sich über die erneute Zusammenarbeit mit der Burghofbühne. Zuletzt gastierte vor drei Jahren Eva Mattes mit „Schahrasad“ in der Stadtkirche. Noch länger zurück liegen die „Lesungen für den Frieden“, die die Burghofbühne anlässlich des Irakkrieges in dem Gotteshaus veranstaltete. Die Aufführung von „Letzte Nacht auf Erden“ ist für Pastor Schneider etwas Besonders.
Ein besonderes Geschenk
Ihm gefalle es, wie Jesus in dem Stück dargestellt werde. Sein Fremdsein komme hier wunderbar zum Ausdruck, die Art, wie er seine Familie vor den Kopf gestoßen und seine Jünger brüskiert und verunsichert habe. „Diese Aufführung ist für die Gemeinde und die Kirche ein besonderes Geschenk.“
„Letzte Nacht auf Erden“, Premiere: Freitag, 7. November, 20 Uhr, evangelische Stadtkirche Dinslaken. Karten gibt es für zwölf Euro (ermäßigt sieben Euro) im Bürgerbüro: Tel. 02064 66222.
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