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Dinslaken: Theater in voller Fahrt

VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 12.01.2010 - 11:41

Dinslaken (RPO). Die "Rein-Raus-Revue" der Burghofbühne feierte Premiere in der Straßenbahn 903. Zu viel Musik und mit Ausblick aufs Ruhrgebiet begleiteten die Zuschauer Franzi auf ihrer Suche nach dem großen Glück. Endstation: Dinslaken.

Mit der Straßenbahn kann man wunderbar das Revier erkunden. Foto: RPO

Die Rein-Raus-Revue ist der Beitrag des Landestheaters Burghofbühne zur aktuellen Local-Hero-Woche im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres - "Rein" ins Ruhrgebiet und am Ende wieder "raus" an den schönen Niederrhein

Die Straßenbahn ist der natürliche Lebensraum der Sehnsüchte. Immer auf dem Sprung sind ihre Mitfahrer, steigen ein, um weg, im besten Fall irgendwann, irgendwo anzukommen. Doch bis dahin heißt es: träumen, tratschen, Ticket entwerten. Denn der Schaffner ist schon auf dem Sprung, bahnt sich seinen Weg durch das ruckelnde Gefährt, auf der Suche nach jenen, die nicht nur schwarz sehen, sondern auch fahren.

Heute jedoch hat Klaus (Erwin Kleinwechter) kein Glück. Auf seinem Kontrollgang durch die Wagen entdeckt er keine blinden Passagiere, dafür aber seine Tochter und seine Ehefrau. Die hat er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Damals packte den gelernten Versicherungssachbearbeiter die Leidenschaft zur Tram-Bahn, er flüchtete aus der Enge des bayerischen Kleinstadtidylls und zog ins Ruhrgebiet.

Info

Umsetzung

Helmer Die Rein-Raus-Revue ist der Beitrag des Landestheaters Burghofbühne zur aktuellen Local-Hero-Woche. "Rein" ins Ruhrgebiet und am Ende wieder "raus" an den schönen Niederrhein schickte Lars Helmer (Buch und Inszenierung) seine Darsteller.

Applaus Die Musikauswahl und -umsetzung traf Gerhard Kappelhoff, die Choreographie übernahm Joan Bähner, und besonders viel Applaus erntete Bahnfahrer Gerd Stempel für die Extraschicht im Namen der Kunst.

Franzi aus Bayern

Doch bis die drei wirklich aufeinander treffen, sind es noch ein paar Stationen. Die Zuschauer der Rein-Raus-Revue, die mit der Straßenbahnlinie 903 von Dinslaken nach Duisburg-Meiderich und wieder zurück tingelte, lernten zunächst Franzi (Stefanie Obermaier-Staltmeier) kennen. Das Mädchen ist schwer bepackt mit Rucksack und Landkarte, irrt durch die Bahn, wischt Gucklöcher auf die beschlagenen Scheiben, um den Namen der nächsten Haltestelle lesen zu können. Sie kommt aus Bayern, ist zum ersten Mal im Ruhrgebiet und hat nicht die leiseste Ahnung, wie sie ihren Vater im grauen Duisburg ausfindig machen soll. Ihre Rettung trägt Pudelmütze und isst Currywurst. Charlie (Carsten Caniglia) ist das, was man einen waschechten Ruhrpottler nennt: Gebürtiger Bochumer, Blaumann-Träger, loses Mundwerk. Im Pott sei es so, erklärt er der eingeschüchtert dreinblickenden Franzi, dass man sich entweder mag, "oder eben einen inne Fresse haut. Und hab ich dir inne Fresse gehauen?!" Nee. "Siehste."

Nach so viel Sympathieaustausch darf das Publikum dann beobachten und belauschen, wie Franzi und Charlie sich auf die Suche nach Vater Klaus machen, dabei mit dem rebellischen Maik (Marco Pickart Álvaro) aneinander geraten und auf Franzis Mutter Rosa (Tina-Nicole Kaiser) treffen, die sich aufgemacht hat, um mindestens ihre Tochter, vielleicht ja aber sogar ihren Mann wieder zurück ins idyllische Bayern zu lotsen.

Während draußen die weiß-graue Kulisse der Walsumer und Meidericher Straßen vorbeigleitet, wird drinnen herrlicher Schlager (Wencke Myhres "Mir geht's gut") und lokalpatriotischer Pop (Grönemeyers "Bochum") zum Besten gegeben, beschönigte Beschreibungen des Duisburger Nachtlebens geliefert und schlicht nach ein bisschen Liebe gesucht.

Jedoch, so viel Wahrhaftigkeit muss nach all der Lobhudelei auf die an diesem Nachmittag wirklich sehr trist aussehende Heimat der Zuschauer dann doch übrig bleiben: Am Ende bleibt Franzi bei Charlie in Dinslaken, ihr Vater in Duisburg, die Mutter geht zurück nach Bayern, wo nicht "ois grau ist", sondern der Schnee viel weißer. So sind sie eben, die Straßenbahnfahrten: Meistens bringen sie keine Veränderung, ab und zu ein paar gute Gedanken und ganz selten mal ein Happy End. Das ist im Fahrpreis eben nicht automatisch enthalten. Für die Schauspieler der Burghofbühne gab es aber trotzdem eins: In Form von minutenlangem Applaus eines gut unterhaltenen Tram-Publikums.

Mehr zur "Ruhr 2010" gibt es auf unserer Special-Seite zum Kulturhauptstadtjahr.

Quelle: RP

 
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