Dinslaken: Tischlern auf Französisch
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010Dinslaken (RPO). Auszubildende der Werkstatt 21 und der Holzwerkstatt Olaf Törkel nehmen an einem Austauschprogramm teil. Zurzeit haben sie französische Lehrlinge zu Besuch, im Oktober geht es für drei Wochen ins Nachbarland.
Über die Grenzen schauen und die Mentalität der französischen Nachbarn kennen lernen – dieses Ziel verfolgt das Azubi-Austauschprogramm "Berufsbildung ohne Grenzen". Dabei geht es im Kern aber nicht um Dinge aus dem alltäglichen Leben, sondern eher darum, fachliche Einblicke in die Arbeit in einem anderen Land zu bekommen. Über 500 Tischlereien aus ihrem Bezirk schrieb die Handwerkskammer Düsseldorf wegen dieses Projektes an, 15 nehmen an der Aktion teil. Mit dabei die Dinslakener Unternehmen Werkstatt 21 und Holzwerkstatt Olaf Törkel.
Mehr Motivation
Aktuell haben die beiden Betriebe jeweils einen französischen Auszubildenden zu Gast, im Oktober schicken sie selbst jeweils einen Azubi für drei Wochen nach Frankreich. "Ich verspreche mir von dem Projekt eine höhere Motivation bei unserer Auszubildenden. Es ist eine schöne Möglichkeit, um etwas Neues kennen zu lernen, neue Ideen zu erhalten", erläutert Stefan Müller-Theisen, einer der beiden Inhaber der Werkstatt 21 an der Thyssenstraße 123. "Darum geht es uns auch. Die Azubis sollen sehen, wie die Arbeit in einem anderen Land funktioniert. Außerdem reifen sie durch einen Austausch, bekommen ein anderes Selbstbewusstsein", ergänzt Nina Jansen, Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer Düsseldorf.
Das Programm
Idee In Kooperation entwickelten der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) das Programm "Berufsbildung ohne Grenzen".
Förderung BMAS und der Europäische Sozialfonds unterstützen das Projekt finanziell.
Start Das Programm begann am 16. Februar 2009 und endet voraussichtlich am 31. Dezember 2012.
Hilfe Das Projekt, das sich an Azubis aus dem zweiten und dritten Lehrjahr richtet, wird von 35 Mobilitätsberatern begleitet.
Ähnliche Erwartungen knüpft Holzwerkstatt-Inhaber Olaf Törkel an den Austausch: "Vielleicht öffnet das ja auch die Augen für neue Ideen. Man hat manchmal Scheuklappen auf, wenn man etwas über Jahre macht und es gut funktioniert."
Die Erwartungen der Azubis decken sich mit denen ihrer Chefs und der Handwerkskammer. Britta Raschke ist bereits voller Vorfreude. "Ich kann das schon jetzt jedem empfehlen. Mein Austausch-Azubi ist super, wir haben viel Spaß. Ich freue mich auf die Arbeit in Frankreich", erklärt die 21-Jährige, die im zweiten Lehrjahr ist und nach Beendigung ihrer Ausbildung ohnehin gerne für einige Zeit im Ausland arbeiten möchte. Daher dient der Austausch auch als Härtetest. Französisch spricht Britta Raschke ebenso wenig wie Uwe Lörks von der Holzwerkstatt Olaf Törkel an der Otto-Lilienthal-Straße 14 a. Sorge bereitet dies aber keinem der beiden Lehrlinge. "Das geht in einem Kauderwelsch aus Englisch, Händen und Füßen. Aber wir bekommen auch noch einen Sprachkursus von der Handwerkskammer", sagt der 19-Jährige, ebenfalls im zweiten Lehrjahr. In der ersten Woche in Frankreich geht es für das Duo nach La Rochelle an die Atlantikküste, wo die 15-köpfige Gruppe auf den Aufenthalt vorbereitet wird. Danach reist Britta Raschke nach Châtellerault in der Nähe von Poitiers, für Lörks geht es nach Niort.
Sehr zufrieden zeigen sich die beiden Franzosen, die derzeit in Dinslaken ihrer Arbeit nachgehen. Der 17-jährige Alexandre Gabard lobt vor allem die Gastfreundlichkeit von Britta Raschke. Aber auch die Arbeit in der neuen Umgebung bereitet ihm viel Freude.
Kein strenger Chef
"In Frankreich ist der Chef viel strenger, außerdem gibt es nur eine lange Pause von 12 bis 14 Uhr. Hier finde ich es besser, dass es zwischendurch kleine Pausen gibt. Die Arbeitsinhalte sind bislang aber beinahe gleich", sagt Gabard. Auch beim 20-jährigen Ludovic Moll läuft in der Holzwerkstatt "alles sehr gut". Allerdings war er überrascht, dass die Maße denen in der Heimat ähneln.
"Ich dachte, dass wir riesige Türen und Fenster bauen", berichtet er. Die Arbeit selbst sei in Deutschland ruhiger. "Die Leute nehmen sich mehr Zeit, das ist eine ganz andere Arbeitsweise als bei uns." Da die beiden Franzosen ebenfalls Probleme mit der Sprache haben, werden sie von einem Dolmetscher begleitet.
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