Hünxe: Tour de force: Vom Eis in die Wüste
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2007Hünxe (RPO). Von Alaska nach Mexiko mit dem Fahrrad – für die meisten ist allein der Gedanke ein Albtraum. Für Wolfgang Hofmann ist es das größte Abenteuer. Ein Kindheitstraum, den sich der 59-jährige Hünxer jetzt erfüllen will. 6500 Kilometer in 135 Tagen. Am nächsten Dienstag geht’s los.
Polarbären und Grizzlys, Gletscher und Kornfelder, der Yukon-River, die Rocky Mountains, die Sonne Kaliforniens – Wolfgang Hofmann bekommt die Bilder seit seinem zwölften Jahre nicht aus dem Kopf. Hans Domnick ist schuld. Der Mann hat Dokumentarfilmgeschichte geschrieben. Seine Kamerafahrten über „Die Traumstraßen der Welt“ weckten schon in den 50-er Jahren Reiselust. Wolfgang Hofmann erlebte die Tour von „Alaska bis Feuerland“ in einem Oberhausener Kino. Danach stand für ihn fest: „Die Strecke möchte ich auch mal fahren.“
Jetzt tut er es. Mit dem Fahrrad. Bis zur Südspitze Südamerikas wird er zwar nicht vordringen. Aber doch ein ganzes Stück in diese Richtung. Von Prudhoe Bay an der Nordküste Alaskas geht es hinunter nach Kanada, dann durch die Rocky Mountains nach Calgary, Vancouver, Victoria und schließlich nach San Diego an der Grenze Mexikos.
Sattelfest
Auch in den USA hat Wolfgang Hofmann schon einmal Grenzerfahrungen im Sattel gemacht. 2001 radelte er von New York die Atlantikküste hinunter bis South Carolina, zurück über North Carolina, Maryland nach Washington und durch Virginia zurück zur Küste. 2004 fuhr Hofmann mit dem Rad von Hünxe zum Nordkap.
Wolfgang Hofmann fährt mit kleinem Gepäck. Zelt, Schlafsack, Fotoapparat, Kocher, warme Kleidung, ein paar Lebensmittel, Kartenmaterial, Flickzeug, drei Ersatzschläuche. Verstaut wird das Ganze in Gepäcktaschen, zwei vorn, zwei hinten, eine am Lenker. Das Zelt kommt in den Seesack. „30 Kilo, mehr sind nicht drin“, sagt der Globetrotter. Schließlich muss er mit seinem„World Traveller“ der Firma Koga-Miyata, nicht nur Strecke machen. Er muss auch über Pässe klettern. „Brooks Range“ am Atigun-Pass in Alaska liegt auf 1400 Meter. Die Pässe in den Rockys sind noch höher. Da fließt der Schweiß gleich literweise – auch wenn man Herr über 27 Gänge ist.
Angst? Der Hünxer schüttelt den Kopf. Nein. Eher Respekt. Vor der Natur, der Strecke, den Tieren, auf die er treffen wird. Der 59-Jährige ist gut vorbereitet, geistig wie körperlich. Zwei Jahre lang hat er die Tour geplant, hat Kartenmaterial studiert, Bücher gelesen, hat mit Menschen gesprochen, die die Route schon einmal gefahren sind. Die einzelnen Etappen hat er genau berechnet. Rund 60 Kilometer will er pro Tag schaffen. Dafür hat er trainiert. In Hünxe und Umgebung. Jeden Tag 30 Kilometer. Manchmal auch mehr. Hofmann mutet sich viel zu. Überfordern will er sich nicht. „Ich bin keine 20 mehr. Und ich weiß dass ich an meine Grenzen stoßen werde.“
Er weiß aber auch um seinen festen Willen. Er ist ein Mann, der nicht gern umkehrt. Hat er ein Ziel ins Auge gefasst, will er es auch erreichen. Unbedingt. Das erfordert Selbstbewusstsein, Disziplin und Erfahrung. Davon hat der Hünxer eine ganze Menge. Radtouren der extremen Art sind seine Spezialität. Die längste führte ihn vor drei Jahren von Hünxe zum Nordkap. 5500 Kilometer in 70 Tagen. Ein Abenteuer, an das der Langstreckenradler, der früher als Markscheider bei der Ruhrkohle AG arbeitete, gern zurückdenkt. Diesmal wird’s schwieriger. Hofmann muss verschiedene Klimazonen durchradeln; er startet am Eismeer und fährt in die Wüste. Hunderte Meilen Kiespiste, Steigungen bis zu zwölf Grad, Regen, Gegenwind. Und am Abend ein kaltes Zelt, ein feuchter Schlafsack und ein knurrender Magen. Hofmann wird ihn mit Thunfisch und Nudeln zum Schweigen bringen. Dazu gibt’s Käse- oder Sahnesoße. Nicht gerade abwechslungsreich, aber ein sättigender Fitmacher mit vielen Kohlehydraten. Damit man im Sattel nicht schlapp macht.
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