Dinslaken: Trabrennbahn als Arbeitgeber
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010Dinslaken (RPO). Von den Turbulenzen um den Dinslakener Rennverein ist die Bahn am Bärenkamp nicht nur als Imageträger der Stadt betroffen. Es hängen auch viele Jobs daran. Dintrab-Chef Theo Lettgen lässt aber hoffen.
Nach dem nicht nur für Laien unverständlichen Urteil des Bundesfinanzhofes, das wie berichtet das endgültige Aus des Dinslakener Trabrennvereins besiegelte, herrschte bei allen Beteiligten rund um die 800-Meter-Bahn am Bärenkamp am vorerst letzten Renntag große Betroffenheit.
Denn das Ende von Dintrab trifft nicht nur den Verein selbst, sondern auch viele Betriebe und Unternehmen, die eng mit der Trabrennbahn zusammengearbeitet haben.
Direkt betroffen sind vor allem die 105 Aushilfen, die der Trabrennverein zuletzt beschäftigte. Die Tätigkeiten gingen dabei über die Renntage hinaus. "Wir hatten Leute an den Totalisator-Kassen, eine eigene Putzkolonne, Aushilfen für die Stallreinigung und kleinere Handwerksarbeiten, Tierarzthilfen, Zielrichter, Bahnsprecher und noch viele mehr", erklärt Helga Steinberg, beim Trabrennverein in Sekretariat und Buchhaltung tätig.
Bilanz
Zufriedenstellend Trotz des schlechten Wetters und einiger fehlender Starter fiel die Bilanz am letzten Renntag an der Trabrennbahn mehr als zufriedenstellend aus.
Umsatz Insgesamt brachte der Renntag einen Umsatz von 119 002 Euro. Davon entfielen 45 298,50 Euro auf die Bahn, 73 703,50 Euro kamen von externen Wettanbietern in die Kasse. Auch die vorletzte Veranstaltung fiel mit einem Umsatz von 120 560 Euro gut aus.
Hinzu kommen zwei festangestellte Kräfte im Büro des Vereins sowie ein selbstständiger Hausmeister. So kam Dintrab laut Helga Steinberg monatlich auf eine Lohnsumme von 45 000 Euro, einschließlich Lohnsteuer und Sozialversicherung. "Ich arbeite seit 35 Jahren für die Trabrennbahn und bin gerade einfach nur traurig. Viele von uns sind seit den ersten Tagen dabei, hier haben sich echte Freundschaften entwickelt. Der Verein hat uns immer gut behandelt", sagte Axel Fuchs, der eine Totalisator-Kasse bedient.
Die Liste der Firmen, die das Aus des Vereins hart trifft, ist lang. Etwa Bison Medientechnik, die seit 1991 für die Rennverfilmung zuständig war, dazu die 144 Monitore lieferte und wartete, die allerorts an der Trabrennbahn aufgehängt sind und die Wetter mit den Live-Bildern der Rennen versorgten.
"Mit dem Trabrennverein verliere ich einen sehr zuverlässigen Partner, mit dem es immer gestimmt hat. Und die Stadt verliert mit der Bahn ein echtes Aushängeschild, das sie über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hat", betonte Firmeninhaber Gottfried Bison. Der Unternehmer bemängelt vor allem, dass sich die Entscheidungsträger, die diesen "Super-Gau" verhindern konnten, "einfach zu spät bewegt haben".
Ratlos zeigten sich am vorerst letzten Renntag die Angestellten der "Franz Schwarz Gastro Group", die für die Gastronomie an der Bahn zuständig waren. "Wir hängen derzeit etwas in der Luft, müssen abwarten, was passiert", erläuterte Ralf van Elten. Fünf Festangestellte und 31 Aushilfen sind bei Schwarz von dem Aus betroffen. Aber auch Hermann Oeckinghaus Sanitär, Elektro Eickhoff oder Gebäude Tenbusch, allesamt Dinslakener Unternehmen, verlieren einen wichtigen Auftraggeber.
Hoffnung darauf, dass es doch für alle Beteiligten wie gewohnt weitergeht, machte indes Theo Lettgen. Beim Vorsitzenden des insolventen Trabrennvereins schwang am vorerst letzten Renntag zwar jede Menge Wehmut mit, aber er zeigte sich kämpferisch. "Ich hoffe, dass wir schnell neu anfangen können", sagte Lettgen, schränkte jedoch direkt ein: "Aber nur, wenn mit der Stadt und dem Finanzamt alles klar ist."
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