Dinslaken: Trauern im Erinnerungscafé
VON NASTARAN AMIRHAJI - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012Dinslaken (RP). Angehörige von Verstorbenen sollen künftig im Erinnerungscafé auf der Wiesenstraße Unterstützung bekommen. Zur Eröffnung kamen bereits einige Betroffene und nahmen die Hilfe in Anspruch.
Einen lieben Menschen zu verlieren, ist schwer. "Bei uns geht es darum, das Schwere erträglich zu machen", sagt Inge Kunz bei der Eröffnung des Erinnerungscafés, Die ehemalige Bundesvorsitzende des Vereins "Omega – mit dem Sterben leben" bietet von nun an gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Regionalgruppe Dinslaken in den Räumen der Tagespflege "Hand in Hand" Hilfe für Trauernde an.
Zur Eröffnung des Cafés sind überwiegend Frauen gekommen und haben sich in einem Stuhlkreis versamelt. Ein unterhaltsames und interessantes Rahmenprogramm mit zum Thema passenden Kurzgeschichten und Musik sorgen auf Anhieb für Wohlfühlstimmung.
Der Buchautor Georg Schwikart hält für gewöhnlich Trauerreden. Seine Erlebnisse hat er in Form von Kurzgeschichten niedergeschrieben und teilt diese aus seinem Buch "Niemand geht ohne Spuren" nun mit den Besuchern des Cafés. So erzählt er die Geschichte eines Mannes, der verstarb und keine Angehörigen hinterließ. "Diese Rede wird kein Glanzstück", dachte er sich wegen der mangelnden Informationen. Am Friedhof jedoch dann die Überraschung: "An die 50 Personen warteten an seinem Grab", erzählt er. "Sie waren alle Arbeitskollegen des Mannes", sagt er, und so konnte er schließlich doch eine gelungene Grabrede halten.
Im Wechsel mit dem Pianisten Jan Girndt, der melancholische Stücke spielt, erzählt der Autor seine Geschichten. Sie decken alle vorstellbaren Bereiche des Leidens ab: Alleinstehende, Krebskranke, kleine Kinder oder Menschen, "die aus der Mitte des Lebens herausgerissen wurden", wie er betroffen sagt.
Elke Grinker ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und gehört zu den Betreuerinnen des Cafés. Gemeinsam mit ihren Kollegen wird sie künftig ehrenamtlich vor Ort sein, wenn Menschen ihre Hilfe benötigen. "Ich wurde schon früh mit dem Tod konfrontiert. Ich wusste nicht, wohin mit der Trauer", erzählt sie. Die Hilfe, die sie einst selbst hätte nach dem Tod ihres Mannes brauchen können, möchte sie nun anderen Betroffenen anbieten. Egal ob sich ein Angehöriger jemanden zum Reden wünscht oder jemanden, bei dem er weinen kann, im Erinnerungscafé ist jeder willkommen. "Wir sind sehr offen. Es gibt auch Gruppen, in denen viel gelacht wird", erzählt Georg Schwikart.
Unter den Zuhörern befinden sich auch einige Menschen, die erst kürzlich Angehörige verloren haben und sich nun im Erinnerungscafé Unterstützung holen. Während die Musik den Raum erfüllt, scheinen sie in Erinnerungen zu verfallen, schauen bedrückt zu Boden und zeigen sich am Ende dennoch etwas erleichtert. Darüber, dass hier Menschen sind, mit denen sie ihr Leid teilen können und, weil sie bewusst Zeit zum Nachdenken bekommen haben. Denn Trauern, so die Mitarbeiter der Omega-Regionalgruppe, geht überwiegend über das Erinnern.
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