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Dinslaken: Türkei will die Fördertürme

VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 22.11.2008

Dinslaken (RPO). Die Tage der beiden Fördertürme auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Lohberg sind offenbar gezählt. Für die Stahlkolosse gibt es in der Türkei einen Käufer. Neuer Einsatzort: Schwarzmeerküste.

Für Önder Acikgöz haben die Fördertürme Symbolcharakter. Foto: RPO
Für Önder Acikgöz haben die Fördertürme Symbolcharakter. Foto: RPO

In Lohberg schlug die Nachricht  ein wie eine Bombe. „Das haut mich um“, sagte Dr. Inge Litschke, Historikerin und Autorin aus Lohberg. „Ich bin empört. Die Türme sind Dinslakens Wahrzeichen. Anderswo setzen sie Landmarken, hier gehen sie genau andersrum vor. Ich finde das unmöglich.“ Auch Heinz Brandt, Vorsitzender des Forums Lohberg, überraschte die Meldung. Ihn ärgert, dass hier im Eiltempo Fakten geschaffen werden sollen, ohne vorher die Bürger zu informieren. „Die Türme sind ein Symbol Lohbergs. Sie haben Signalwirkung. Das kann man nicht einfach wegreißen.“ Das Forum Lohberg hofft, dass es noch eine Chance gibt, wenigstens den vorderen, großen Förderturm zu erhalten. „Wir wollen dafür kämpfen“, sagt Brandt. „Aber wir sind ein Stück rat- und hilflos.“

Info

Industriearchitektur

1910 wurde das Fördergerüst über dem Schacht Lohberg-1 errichtet, 1913 über dem Schacht 2.

In den 1950er Jahren wurden vor allem die übertägigen Anlagen unter Beteiligung des Industriearchitekten Fritz Schupp ausgebaut. In den Jahren 1955 / 1956 entstand der neue Förderturm für den Schacht Lohberg-2, der zu dieser Zeit mit einer Höhe von 70,5 Metern als höchstes Schachtgerüst im gesamten Ruhrgebiet galt. Als besonders gelungen gilt die Strebepfeilergestaltung.

Bekannteste Arbeit Schupps ist die Schachtanlage der Zeche Zollverein 12, seit Dezember 2001 Weltkulturerbe der UNESCO.

Dinslaken für Erhalt

Entschieden ist in der Sache noch nichts. Die Positionen sind allerdings klar. Dinslaken und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Fachbehörde sprechen sich für den Erhalt der Lohberger Wahrzeichen aus, die RAG als Grundstückseigentümerin möchte sich von den stählernen Türmen trennen. Wie RAG Immobilien gestern mitteilte, sollen die Kolosse künftig an der Schwarzmeerküste zum Einsatz kommen.

Die Stahlkolosse und der Grund und Boden darunter unterliegen dem Bergrecht, denn die Wasserhaltung muss gesichert werden. Auch deshalb ist eine alternative Nutzung durch Dritte beispielsweise als Aussichtsplattform kaum denkbar, von den Kosten gar nicht zu reden. Für das Einrüsten, für die Grundierung gegen Rost und einen neuen Anstrich würde leicht eine halbe Million Euro und mehr draufgehen. Ob die Vermarktung des Areals – seit kurzem ist Lohberg als denkbarer Standort für den „Gesundheitscampus NRW“ im Gespräch – ohne Türme einfacher wäre, bleibt dahingestellt.

Die Stadtspitze als Untere Denkmalbehörde sieht sich in einer „vertrackten Situation“, wie Pressesprecher Horst Dickhäuser gestern erklärte. Denn die unter Denkmalschutz stehenden Schachtgerüste sind ein den Ortsteil prägendes Markenzeichen und zugleich ein Symbol für die wirtschaftliche Entwicklung Dinslakens, die rund 100 Jahre mit der Kohle verknüpft war.

Für Horst Dwenger, SPD-Ratsherr und Lohberger Urgestein, ist die Diskussion um Erhalt oder Abriss und Verkauf der Fördertürme vor allem eine Kostenfrage. Die Unterhaltung sei zu teuer. Also soll sich die Stadt von den Türmen trennen. Es gebe ja noch andere Fördertürme in der Region.

Ähnlich nüchtern argumentiert sein Fraktionskollege Jörg Buhren-Ortmann, langjähriger Betriebsratsvorsitzender der Schachtanlage Lohberg. Die RAG wolle sich die Türme nicht ans Bein binden, die Stadt Dinslaken könne es nicht. Bei einem Investitionsbedarf von 30 Millionen Euro allein in 2009 verbiete sich das von selbst. Das Wehklagen um den Verlust eines Lohberger Wahrzeichens kann Buhren-Ortmann nicht nachvollziehen. „Der gesamte Bergbau ist verloren. Wenn sich eine Region nicht zum Bergbau bekennt, hat sie auch deren Wahrzeichen nicht verdient.“

Abbruchgenehmigung

Die RAG hat bei der Landesregierung den Antrag gestellt, die Türme abreißen zu dürfen. Jetzt muss das NRW-Ministerium für Bauen und Verkehr als oberste Denkmalbehörde darüber entscheiden. Minister Oliver Wittke könnte die Stadt anweisen, die Abbruchgenehmigung zu erteilen.

Quelle: RP

 
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