Dinslaken: Unterwegs mit dem Nachtwächter
VON NASTARAN AMIRHAJI - zuletzt aktualisiert: 06.10.2007Dinslaken (RPO). Heinrich Denkhaus ging mit 19 Kindern im Alter von acht bis elf Jahren zur Dämmerstunde auf Altstadt-Erkundung. Die spezielle Führung begann am Rittertor und ging mit spannenden Geschichten an der Gartenschule zu Ende.
Heinrich Denkhaus
Heinrich Denkhaus bietet seit August 2006 in Dinslaken als Nachtwächter Führungen an. Die Führungen, meist für Erwachsene, finden in regelmäßigen Abständen von Oktober bis März und während der Din-Tage statt. Am 17.Oktober wird Heinrich Denkhaus voraussichtlich den 1000 Teilnehmer begrüßen.
„Hört Ihr Leut und lasst euch sagen unsre Glock hat sechs geschlagen“, ruft Nachtwächter Heinrich Denkhaus um Punkt 18 Uhr vor dem Rittertor in Dinslaken. Die 19 Kinder um ihn herum zucken zusammen, und auf einmal ist es ganz still. „Löscht das Feuer und das Licht, damit der Brand geschiehet nicht“ sind seine nächsten Worte an die Zuhörer. Er ist in ein schwarzes Nachtwächter-Gewand gekleidet und hat einen langen grauen Bart. „Warum sollen denn überhaupt die Lichter ausgelöscht werden?“ richtet er seine Frage an die Kinder. „Ja damit kein Brand passiert“, lautet eine Antwort aus der hinteren Reihe. Und schon sind die Jungen und Mädchen, die die von den Stadtwerken Dinslaken gesponsorte Nachtwächtertour mitmachen, mittendrin in Dinslakens Vergangenheit.
Im Mittelalter auf Hexenjagd
Und die war manchmal ganz schön brutal. So etwa im Mittelalter, als auch in Dinslaken Hexen gejagt wurden. „Bei den Hexen wurden früher peinliche Befragungen gemacht. Weiß jemand, was das bedeutet?“ fragt der Nachtwächter. Schnell meldet sich Pauline Melters. „Das nennt man heute Foltern“, antwortet die Achtjährige.
„Wo sind wir denn jetzt?“ fragt Heinrich Denkhaus zwanzig Minuten später. „Am Altmaaaaaarkt“, rufen die Kinder im Chor. Mit anschaulichen Geschichten erzählt er den Kindern vieles von früher und die Jungen und Mädchen bekommen von ihm sogar Schokoladenmünzen zum Naschen zugesteckt. Nicht ohne Grund werden die Silbertaler ausgeteilt: „Auf der Rückseite der Münze ist ein Ritter drauf, so sah das Geld früher aus“, weiß Jonathan Blatt (9).
An der Wöllepumpstation kommt der Nachtwächter auch auf die damalige Energie- und Wasserversorgung zu sprechen. „Seit 104 Jahren haben wir in Dinslaken Wasser. Es gab früher zwölf solcher Pumpen“, zeigt er auf die Wasserpumpe. „Aber nur eine ist übrig geblieben: die Wöllepump.“
Mit Beginn der Dämmerung wird die Truppe zum ehemaligen Eppinghovener Tor und Walsumer Tor geführt. „Insgesamt hatte Dinslaken fünf Stadttore“, informiert der Nachtwächter die Kinder. Der Rundgang wird nach einer Stunde spannender Führung an der Gartenschule beendet. „Ich fand die Führung gut. Die Geschichten waren interessant“, findet der neunjährige Johannes Fischer.
Heinrich Denkhaus hatte bei dieser seltenen Kinderführung ein Ziel: „Ich möchte bei den Kindern bewirken, dass sie sich mit der Geschichte Dinslakens auseinander setzen.“
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