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Voerde: Voerde arbeitet an der Zukunft

VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 29.12.2009 - 12:05

Voerde (RPO). Voerde hat im jetzt zu Ende gehenden Jahr die Weichen für die Zukunft gestellt und wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht oder weiter an ihnen gearbeitet. Dazu gehören die Entwicklung der Innenstadt und das langfristig angelegte Projekt Voerde 2030.

Evonik-Steag plant den Bau eines Kohlehafens am Möllener Kraftwerk, um die Versorgung mit dem Brennstoff auf dem Wasserweg sicherzustellen. Das Vorhaben löste engagierte Diskussionen nicht nur bei Naturschützern aus. Foto: RPO
Evonik-Steag plant den Bau eines Kohlehafens am Möllener Kraftwerk, um die Versorgung mit dem Brennstoff auf dem Wasserweg sicherzustellen. Das Vorhaben löste engagierte Diskussionen nicht nur bei Naturschützern aus. Foto: RPO

Das Geld ist knapp und wird im nächsten Jahr noch knapper. Deshalb ist Voerde bei der Umsetzung seiner ambitionierten Projekte, welche die Kommune weiter nach vorn bringen sollen, auf Fördergelder vom Land angewiesen.

Die Innenstadt soll wieder attraktiver werden, der Gebäudekomplex am Rathausplatz auf Vordermann gebracht, das Parkdeck an der Friedrichsfelder Straße abgerissen werden und einem repräsentativen Neubau mit Geschäfts-, Wohn- und Büroräumen weichen, für den der Name Voerder Tor geprägt wurde. Doch lässt sich dies ehrgeizige Vorhaben nicht so schnell realisieren, wie es sich die Stadtzentrum Voerder Projekt GmbH und die Verwaltung gewünscht hatten. Unter dem zukunftsweisenden Motto „Lebendige Innenstadt Voerde” will die Stadt mit ihrem auf mehrere Jahre angelegten Projekt so richtig durchstarten, nachdem der Rat in seiner letzten Sitzung im auslaufenden Jahr grünes Licht für das Stadterneuerungsvorhaben gegeben hat.

Klare Prioritäten setzte die Kommune bei der Verwendung der Gelder, die ihr aus dem Konjunkturpaket II gewährt werden. Beschlossen wurde, die rund 3,8 Millionen Euro in vier Projekte zu investieren und die Mittel nicht nach dem Gieskannenprinzip zu verteilen. Der Löwenanteil von rund 2,5 Millionen Euro soll in den Neubau des nördlichen Traktes der Realschule Voerde fließen. Der Löschzug Spellen der Freiwilligen Feuerwehr erhält ein neues Gerätehaus, die katholische Kirchengemeinde Sankt Peter Spellen wird bei der energetischen Dach- und Fassadensanierung ihres Kindergartens unterstützt. Investiert wird weiterhin in die Sanierung der Stockumer Schule.

Ein Dorf verändert sich

Im Zuge der anstehenden Arbeiten am Deich in Götterswickerhamm, der saniert, erhöht und zu einem Drei-Zonen-Hochwasserschutzwall ausgebaut wird, verändert auch das Rheindorf sein Erscheinungsbild. Der Ort soll sich im Zuge der Umgestaltung neu positionieren und seine Stärken als Naherholungsgebiet und Touristenattraktion betonen. Zudem wird an die Anlage eines zentralen Platzes gedacht, um das Dorfleben zu fördern. Doch ohne Landesgelder lassen sich diese Pläne für Götterswickerhamm nicht realisieren, da die Kommune die Finanzierung allein nicht stemmen kann. Im Oktober fand der erste Spatenstich für die Sanierung des über 3300 Meter langen Deichteilstücks Mehrum II (Rheinkilometer 801 bis 805,7) an der so genannten Nato-Rampe statt.

Querelen im Deichverband

Interne Querelen und Streitigkeiten um die Durchführung der Erbentagswahl waren 2009 kennzeichnend für den Deichverband Mehrum. Einen Höhepunkt erreichte der Konflikt im März, als die angesetzte Mitgliederversammlung, in der gewählt werden sollte, wegen gravierender organisatorischer Mängel abgebrochen wurde. Deichgräf Hans-Dieter Langenfurth begründete seine damalige Entscheidung damit, dass die Identitätsfeststellung der Wahlberechtigten aufgrund der Vertreterregelung zu ungeahnten Schwierigkeiten geführt hatte.

Um diese Probleme bei der nächsten Wahl auszuschließen, sollten nur noch Verbandsmitglieder vertretungsberechtigt sein. Das sah die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Aufsichtsbehörde aber anders, teilte dies dem Deichverband auch schriftlich mit und setzte die dann für Anfang Oktober neu terminierte Wahl kurzfristig ab, weil der geänderte Wahlmodus einen Verstoß gegen das Wasserverbandsrecht darstellen würde.

Für hitzige Diskussionen sorgten die Pläne von Evonik-Steag, an ihrem Kraftwerksstandort in Möllen einen Kohlehafen zu bauen. Er soll die Versorgung des Kraftwerks mit Kohle auf dem Wasserweg sicherstellen. Ausgemacht wurde von Kritikern allerdings ein Konflikt zwischen Umwelt- und Industriepolitik. Bislang wird der benötigte Brennstoff per Bahn auf dem Schienenweg angeliefert. Der Voerder Rat gab ein grundsätzliches Bekenntnis für den Kraftwerksstandort und dessen Erhalt ab. Doch wurde die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde aufgefordert, alle möglichen Standortvarianten für den Hafen zu prüfen.

Spannend wurde es bei den Wahlen in Voerde. Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete und frühere Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Krüger erlebte seine größte politische Niederlage. Der studierte Jurist musste sich seiner christdemokratischen Gegenkandidatin Sabine Weiss aus Dinslaken geschlagen geben. Krüger unterlag und verlor damit seinen Platz im Deutschen Bundestag, da er nicht über die Reserveliste seiner Partei abgesichert war.

Bei der Bürgermeisterwahl hatte Amtsinhaber Leonhard Spitzer nur einen Gegenkandidaten: Florian Dohmen. Der Sozialdemokrat wollte auf den Chefsessel im Voerder Rathaus. Doch als am Wahlabend die Stimmen ausgezählt waren, hatte es für die Ablösung nicht gereicht. Mit knapp über 43 Prozent hatte der Genosse zwar durchaus ein respektables Ergebnis erreicht, doch sein erklärtes Ziel verfehlt, neuer Verwaltungschef zu werden. Florian Dohmen musste sich mit einem Platz im Stadtrat begnügen.

Doch den behielt er nicht lange. Nach einem anonymen Hinweis stellte die Voerder Verwaltung Ermittlungen an, ob Dohmen tatsächlich in Voerde lebe, wie es für ein Ratsmitglied Pflicht ist, oder dort nur auf dem Papier gemeldet sei. Die SPD ließ ihren unterlegenen Bürgermeisterkandidaten daraufhin wie eine heiße Kartoffel fallen. Dohmen, der gehofft hatte, in den Fraktionsvorstand zu kommen, wurde für kein Amt nominiert. Enttäuscht strich er daraufhin die Segel und erklärte seinen Rückzug aus dem Kommunalparlament.

Lange Gesichter gab es auch bei der CDU. Als die neue Fraktion ihren Vorstand wählte, führte dies zu einigen gravierenden personellen Veränderungen. Hans-Dieter Langenfurth löste Bert Mölleken als Fraktionsvorsitzender ab. Sein Stellvertreter wurde Georg Schneider, der damit Nachfolger von Walter Seelig wurde. Sein Amt als stellvertretender Bürgermeister hatte der Christdemokrat Rainer Herzig über viele Jahre mit Herzblut ausgefüllt. Doch die neue Fraktion nominierte ihn nicht nochmals. Statt seiner wurde der Stadtverbandsvorsitzende Heinrich Neukäter aufgestellt und später vom Rat gewählt. Freiwillig verzichteten die Unabhängigen Voerder Wähler (UVW) um Herbert Römer darauf, bei der Kommunalwahl 2009 anzutreten, da es ihnen nicht gelungen war, geeignete Bewerber für alle Wahlbezirke aufzustellen.

Grund zum Feiern gab es 2009 allerdings auch. Das Hermann-Breymann-Bad an der Allee besteht seit nunmehr 50 Jahren. Seither ist das Freibad zu einer Oase und einem Ort der Erholung für viele Voerder geworden.

Quelle: RP

 
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