Hünxe: Waldschüler fit für den Beruf
VON HENNING RASCHE - zuletzt aktualisiert: 09.12.2011Hünxe (RP). Zum ersten Mal an einer Förderschule: Die Waldschule in Bucholtwelmen hat ein Projekt gestartet, das Schüler mit geistigen Behinderungen für den freien Arbeitsmarkt fit machen soll.
Zwölf junge Frauen und Männer stehen im Foyer der Hünxer Waldschule. Sie haben einen Kreis gebildet und starren wie gebannt auf das Zentrum ihrer Runde. Die Schüler halten Fäden in der Hand, die zusammenlaufen. An ihrem Ende hängt eine Art Triangel. Damit sollen die Schüler Holzklötze stapeln. Sie müssen sich so absprechen, dass jeder zur richtigen Zeit am richtigen Faden zieht, damit die Aufgabe gelingt.
Projekte wie diese sind bekannt. Sie dienen dazu, die Schlüsselqualifikation von Berufswerbern zu verbessern. Indem alle Schüler an den Strippen ziehen, sollen sie Teamfähigkeit erlernen. An einer Förderschule sind solche Projekte eher selten. "Man denkt, die geistig Behinderten, die gehen schon alle in eine Werkstatt", sagt Reiner Nitschke, Konrektor der Waldschule. "Doch das wollen die gar nicht unbedingt. Wir helfen ihnen jetzt, sich auch auf dem freien Arbeitsmarkt durchzusetzen."
Rahmenbedingungen
Nicht nur Externe helfen beim Projekt, sondern auch zwei Lehrerinnen der Waldschule. Sie setzten 140 Wochenstunden ihrer Arbeitszeit dafür ein. Gefördert wird das Projekt vom nordrhein-westfälischen Arbeits- und Schulministerium und von der Stiftung "Partner für Schule NRW". Die Kosten trägt die Bundesagentur für Arbeit.
Zehn Lerneinheiten
Einen Schüler gibt es, der nun ein einjähriges Praktikum in der freien Wirtschaft machen kann. Für Nitschke ist das ein Erfolg. "Zukunft fördern, vertiefte Berufsorientierung gestalten" – so heißt das Projekt, das von Ministerien und der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt wird und nun an der Hünxer Waldschule erstmals Einzug in einer Förderschule erhält. "Wir möchten unsere Schüler dabei unterstützen, ihre individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen. Hierbei leistet die neue vertiefte Berufsorientierung wichtige Hilfe, in dem sie die Reflexionsfähigkeit unserer Jugendlichen spürbar erhöht", erklärt Reiner Nitschke.
Das Bildungszentrum des Handels aus Recklinghausen hat eine Mitarbeiterin geschickt, die mit den Schülern das Projekt durchführt. Zehn Einheiten in vier Themenfeldern absolvieren die Schüler: Kompetenz, Profil, Reflexion und Kommunikation. Das im September begonnene Projekt endet zum Jahresende. "Wir würden uns sehr über eine Fortsetzung freuen", erklärt der Konrektor. Allerdings seien die Fördergelder, die zur Finanzierung des Projekts dringend notwendig sind, noch nicht freigegeben. Nitschke betont auch, dass die Veranstaltungen nicht im luftleeren Raum stünden.
"Die Schüler gehen nicht nach Hause und gut ist." Die Waldschule lege Wert auf die individuelle Betreuung. "Es gibt nach dem Abschluss noch Gespräche mit den Eltern und ausgearbeitete Mappen." Zuverlässigkeit sei ein wichtiger Aspekt. "Die Schüler lernen, dass sie nicht um 10 Uhr sagen können: Ich habe keinen Bock mehr." Währenddessen arbeiten die Mädchen und Jungen konzentriert weiter. Sie haben das Ziel, als Team einen hohen Turm aus Holzklötzen zu bauen.
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