Dinslaken: Wenn die Unterhose glitzert
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 26.03.2007Dinslaken (RPO). Vier erfahrene Musicaldarsteller, ein Oscar-Preisträger als Moderator und die legendärsten Hits aus 19 verschiedenen Musicals ließen am Samstagabend die Stadthalle im „Musical Fieber“ versinken.
Große Gefühle
Neben den zahlreichen aufwirbelnden Auftritten hatten die Darsteller natürlich auch eine große Portion an Gefühlen im Gepäck. Vor einem kitschigen Sonnenuntergang-Panorama auf der Großbildleinwand kamen so die schönsten Stücke aus „Die Schöne und das Biest“, „Evita“ und „Elisabeth“ auf die Bühne.
Wenn die „Putzfrauen“ ihre gelben Gummihandschuhe in die Ecke werfen, beherzt auf die Bühne springen und mit ihrem Wischmopp eine Lambada-Stange für die Bandmitglieder improvisieren – dann grassiert das „Musical Fieber“ in der Kathrin-Türks-Halle. Wenn dann auch noch ein computeranimiertes Nilpferd auf der Großbildleinwand zu den Klängen der Titelmusik aus Disneys Musical „Der König der Löwen“ seinen, nennen wir ihn, „ausladenden“ Bauch im Takt schwingen lässt, gibt es auch für das zuvor noch etwas gemütliche Dinslakener Publikum kein Halten mehr. So geschehen bei der gut zweieinhalb-stündigen Aufführung des „Musical Fiebers“ am Samstagabend. Eine Revue der Superlative sollte es werden, die Highlights der erfolgreichsten Musicalproduktionen der Welt hatten die Veranstalter ihrem gespannten Publikum versprochen – und dieses Versprechen wurde, das zeichnete sich bereits nach dem ersten Musical-Block ab, doppelt und dreifach eingehalten.
Alles begann damit, dass ein etwas knötterig wirkender Hausmeister stolpernd die Bühne betrat. Sein Chef habe ihn gebeten, die Moderation zu übernehmen, druckste der im wahren Leben bereits mit einem „Oscar“ ausgezeichnete Schauspieler Klaus Tilsner in sein Headset-Mikrofon. Nun müsse er ein bisschen was zu den Stücken erzählen, erklärte er weiter und verlor sich sogleich in leidenschaftlichen Interpretationen über die Zeit des Mittelalters und der mutigen, tapferen Ritter. Für den bereits Musical-erprobten Teil des Publikums konnte das natürlich nur Eines bedeuteten: Die drei Muskeltiere aus der gleichnamigen Inszenierung stimmten die Zuschauer auf das bunt gemischte Repertoir ein.
Die Darsteller, die zum Teil schon in den Original-Aufführungen mitgespielt hatten, sangen sich von nun an durch das emotionsreiche Programm. Da verordnete zum Beispiel eine dauer-lächelnde Femke Soetenga, die zuletzt in Hamburg für „Tanz der Vampire“ auf der Bühne stand, bei den ABBA-Klassikern aus der erfolgreichen „Mamma Mia“-Aufführung ein konstantes Mitklatsch-Rezept für die bereits mit dem Musical-Fieber infizierten Zuschauer. Pochende Schläfen und plötzliche Hitzewallungen erreichten bei „“Time Warp“ aus der „Rocky Horror Show“ ihren Höhe- beziehungsweise Siedepunkt. Da nämlich enthüllte Sänger Randolph Rose eine hautenge, hauchdünne güldene Unterhose, die in der gewagten Kombination mit Glitzerweste und hoch geschnürten Boxerstiefeln einen extremen Grad an Originalität bewies – der wurde ihm sogleich vom Publikum mit viel Applaus attestiert. Bravo!
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