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Dinslaken: Wenn Tankwarte tanzen

VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2008

Dinslaken (RPO). Das Leben ist ein Karussell, die Liebe ein seltsames Spiel. Und im Theater wird zu wenig gelacht. Die Burghofbühne schafft Abhilfe. Zum Start in die Saison hat Lars Helmer neuen Zuckerguss über eine alte Liebesschnulze gestrichen: „Die Drei von der Tankstelle“. Bei der Premiere gab’s Beifall.

Drei Tankwarte im Frack: (v.l.) Ulrich Meyer-Horsch, Andreas Mayer und Leif Schele.   Foto: RPO
Drei Tankwarte im Frack: (v.l.) Ulrich Meyer-Horsch, Andreas Mayer und Leif Schele. Foto: RPO

Drei Junggesellen verlieben sich gleichzeitig in ein hübsches Töchterchen aus reichem Hause. Der Stoff ist dünn, reichte aber locker aus, um „Die Drei von der Tankstelle“ für die UFA zum erfolgreichsten Tonfilm der frühen 30er Jahre zu machen. Was damals gut ankam, kann heute nicht schlecht sein, hat sich Lars Helmer gesagt und mit leichter Hand eine musikalische Komödie voll bonbonsüßer Schlagerseligkeit auf die Bühne geworfen.

Nostalgische Zapfsäule

Helmer setzt auf Nostalgie und vordergründige Reize. In Kay Anthonys von unaufdringlichem Ocker dominiertem Einheitsbühnenbild – die Wände sind lediglich durch schlichte Quadrate strukturiert – sticht eine kobaltblaue Aral-Zapfsäule aus Großvaters Zeiten sofort ins Auge. Auch das dickbodige Bügeleisen, mit dem Willi (Ulrich Meyer-Horsch) in der Tankwart-WG die Wäsche plättet und das Kurbeltelefon, mit dem Konsul Kosmann (Anton Schieffer) nach Amerika telefoniert, um über „Kurbelwells und Reeeshorsses“ zu radebrechen, sind probate Mittel, um den verstaubten Charme der 30-er Jahre herbeizuzaubern.

Der Rest ist Musik. Die Live-Band mit Christian Nagel (Klavier), Nils Imhorst (Bass) und Tobi Lessnow (Schlagzeug) sitzt links vor der Bühne. Sie hat gut zu tun. Die Handlung ist banal genug, um sie auch in knappen Textblöcken so zu erzählen, dass der Zuschauer nichts vermisst. Helmer gibt tüchtig Gas. Die beiden Schwingtüren links und rechts auf der Bühne sind ständig in Bewegung. Im gefühlten Minutentakt tritt jemand auf oder geht ab, um zu tanken, zu flirten, herumzualbern oder – wie Erwin Kleinwechter – der bayerischen Schwankkultur zu huldigen. Vor allem aber geht es immer wieder darum, einen dieser fröhlichen, unbeschwerten, vor Optimismus triefenden Gute-Laune-Schlager zu singen, mit denen vor 80 Jahren Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oscar Karlweis bewiesen, was sie doch für tolle Kerle sind. Das Lied vom „guten Freund, der das Schönste ist, was es gibt auf der Welt“ lässt im Publikum Klatschbereitschaft erkennen. Es geht mit. Zu gern wäre der ein oder in diese lebensbejahenden Zeilen lauthals schallernd eingefallen.

Hans (Andreas Mayer), Kurt (Leif Scheele) und Willi (Ulrich Meyer-Horsch) geben ihr Bestes. Nicht nur beim Singen. Sie treiben allerlei Firlefanz miteinander, schubsen und poltern, kalauern, rauchen, prügeln sich und besprühen einander mit Lavendel. Und wie dicke Freunde so sind, tanzen sie selbstverständlich auch zusammen, in Stepp- und in gewöhnlichen Schuhen, in Frack und Zylinder. Mal mit und mal ohne die schöne Lilian (Iris Kunz), die vor allem dadurch auffällt, dass sie all die bunten Fummel aus Bernadette Webers Schneiderei auf der Bühne spazieren führt. Das mit dem Singen – die Kunz muss auch hier ran – gelingt ihr in den oberen Tonlagen nur bedingt. Macht aber gar nichts. Auch Anton Schieffer kann nicht singen, dafür ist sein Konsul Kosmann der heimliche Star des Abends, was ihm einige Extra-Lacher bringt und auch beim Schlussapplaus deutlich hörbar wird. Nach der Pause erklärt Lars Helmer die Leichtigkeit des Seins in noch bunteren Bildern. Die Bühne ist jetzt mit rotem Tuch ausgeschlagen. Links prunkt eine kleine Sektbar, rechts lockt die Sitzgruppe, und in der Mitte tanzen zwei Miezen mit Mützen. Die Herren tragen Frack, die Damen lang. Willkommen im Nachtclub. Musik! Alkohol!

Enthemmte Hühner

Die Drei von der Tankstelle lassen sich vollaufen. Der Rum haut um. Die Schlager, die folgen, auch. Club-Besitzerin Edith (Martina Mann) sieht „alles immer nur marineblau“. Die Herren bekennen völlig enthemmt: „Ich wollt ich wär ein Huhn“. Dazu werfen Katharina Leisinger und Joan Bähner – verkleidet als gelbe Plüschhennen – rhythmisch und kess die Schlegel. Am ist Ende alles gut. Willi bekommt seine Lilian. Kurt und Hans die Tänzerinnen. Der Konsul seine Edith. Schon spielt die Band „Das gibt‘s nur einmal“. Ein ebenso kurzweiliger wie harmlos-heiterer Theaterabend klingt aus. Dem Publikum hat er gefallen. Langer, kräftiger Applaus

Quelle: RP

 
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