Dinslaken: Zechentheater in der Schwarzkaue
VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 12.12.2009Dinslaken (RPO). Der Lohberger Regisseur Adnan Köse hat für die Ruhr.2010 sein Theaterstück "Unter Tage" inszeniert. Er kooperiert mit dem deutsch-türkischen Arkadas-Theater in Köln. Für fünf Aufführungen wird die Schwarzkaue des Schachts provisorisch als Bühne und Zuschauerraum hergerichtet.
dinslaken-Lohberg Auf dem Fußweg der Kumpel zwischen Lohnhalle und Schwarzkaue steht auf roten Schildern, dass die Zeche – dem Gebot der reibungslosen Arbeitsabläufe geschuldet – ehedem kein Ort der Kreativität, des Querdenkens war. "Aufgang darf nur als Aufgang genutzt werden" und "Abgang darf nur als Abgang genutzt werden" prangt es in den Treppenhäusern, in denen sich die Arbeiter früher nicht in die Quere kommen sollten. Aber ihre Zeit ist vorbei, seit der Schacht 2005 zumachte. Jetzt nutzen Kreative die Schwarzkaue als Spielstätte für ein Theaterstück zur Ruhr.2010. Was der Lohberger Regisseur und Autor Adnan Köse dort zusammen mit dem Kölner Arkadas-Theater zeigen wird, stellte er gestern vor Ort vor.
Aufführung
Termine 13. bis 16. Januar 2010 täglich ab 20 Uhr; 17. Januar ab 15 Uhr.
Eintrittskarten Tickets kosten 18 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr; erhältlich unter www.nrw-ticket.de, in allen Ticket-Online-Vorverkaufsstellen und im Bürgerbüro Stadtmitte (Tel. 02064 66222).
Zukunftsträchtiges erkennbar
Das Vier-Personen-Stück heißt "Unter Tage". Köse, Sohn eines türkischen Bergmanns auf Lohberg, war selber noch kurz eingefahren, ehe er seinem Schicksal eine Wendung zum Kulturschaffen gab. Köse hat den Text geschrieben und wollte es bei einer Aufführung belassen, 2003 auf dem Zechengelände. "Ich wollte schon damals das Augenmerk darauf lenken, was mal werden würde aus dem Schacht. Doch erst jetzt ist Zukunftsträchtiges zu erkennen. Deshalb führen wird ,Unter Tage' nun doch wieder auf", sagte Köse. Das Arkadas-Theater zeigt es auch in seiner festen Spielstätte in Köln, neun Vorstellungen sind bereits ausverkauft, eine zusätzliche ist deshalb geplant.
In Lohberg wird "Unter Tage" in der Schwarzkaue gezeigt, wo die Bergleute früher ihre kohlenstaubige Kluft bis zur nächsten Schicht in Stahlkörben unter die Decke zogen. Eine weitere Beschreibung dieser heute finsteren, vor lauter Ketten, Haken und langen Schatten spukhaft wirkenden Halle, gut zwölf Meter hoch, steht auf Warnschildern an weiß gekachelten Säulen nachzulesen: "Der Raum ist weitgehend so SCHWARZ wie der Name! Bitte achten Sie auf Ihre Kleidung, Ihre Hände, etc."
Ein Ratschlag von Thomas Pieperhoff, städtischer Beauftragter für die Ruhr.2010, ans Publikum der fünf Aufführungen – je 230 Zuschauer passen hinein: "Bitte nicht in Stöckelschuhen anreisen und warme Garderobe anziehen." Decken werden gestellt. Bloß auf zwei Prozent des Zechengeländes liegen noch intakte Versorgungsleitungen, Licht in der Schwarzkaue ist schon Luxus, geheizt wird nicht. Mehr Logistik lohnt sich nicht, denn die Kaue wird bald abgerissen.
Ein Theaterstück lebt wieder auf in einem dem Untergang geweihten Raum: Diese Kontraste, die den Widerstreit zwischen Leben und Tod veranschaulichen, interessieren Köse. Sie spiegeln sich auch in der Handlung von "Unter Tage" wider: Drei Freunde, darunter zwei Brüder, werden vom Zechensterben in einen schicksalhaften Strudel gezogen. Eine Familiengeschichte als Sinnbild für eine stetig aus dem Untergang sich erneuernde Welt. Bezogen auf Bergbau und Zeche Lohberg sagte Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien: "Nicht nur Rückbau, sondern auch Aufbruch." Darauf Köse: "Genau diese Botschaft des Wandels wird im Schlussbild meiner Inszenierung zu erkennen sein. Wie dieses Bild aussehen wird, verrate ich natürlich nicht."
Mehr Berichte zur Ruhr.2010 unter www.rp-online.de/dinslaken
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