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Dinslaken: Zu wenig Seelsorger für Kita

VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010

Dinslaken (RPO). Der Kirchenvorstand von Sankt Vincentius nennt einen Mangel an Priestern und Seelsorgern als Grund für das Aus der Eppinghovener Kita. Eltern wundern sich: Die Betreuung sei gut, obwohl der Pastor schon jetzt kaum präsent sei.

Mitglieder des Elternrats werben mit einem Transparent für einen Kindergarten in Eppinghoven. Ein Flugblatt für alle Haushalte ist in Vorbereitung.  Foto: RPO
Mitglieder des Elternrats werben mit einem Transparent für einen Kindergarten in Eppinghoven. Ein Flugblatt für alle Haushalte ist in Vorbereitung. Foto: RPO

Der Kirchenvorstand von Sankt Vincentius hat die Eltern des katholischen Kindergartens Sankt Johannes Eppinghoven in einem Brief vor vollendete Tatsachen gestellt: Laut Pastor Theo van Doornick hat der Kirchenvorstand in einer außerordentlichen Sitzung in dieser Woche das Ende der Kita nun förmlich beschlossen.

Demnach wird sie zum Ende des Kindergartenjahrs 2011/2012 auslaufen. Ungeklärt, das ist dem Elternbrief zu entnehmen, ist allerdings: wie der Betrieb bis 2012 weiterlaufen soll; wie dann die Übernahme von Eppinghovener Kindern in andere Kitas vonstatten gehen soll; was aus den Erzieherinnen des Kindergartens Sankt Johannes werden soll.

In seiner schriftlichen Begründung erwähnt der Kirchenvorstand als Motivation den Erlös aus dem Verkauf des Kita-Gründstücks, welcher dem Gemeindehaushalt zugute komme. Das Verwaltungsgremium betont zudem insbesondere Probleme, die aus dem geschrumpften Bestand an Priestern und Seelsorgern erwächst: "Es gilt auch hier: ,Qualität statt Quantität' oder ,Weniger ist Mehr'. Bei rückläufigen Gläubigenzahlen und vor allem deutlich geringerer Anzahl an Priestern und Seelsorgern würde die Kirchengemeinde ihrem Anspruch an christlicher Trägerschaft nicht mehr gerecht werden." Darüber hinaus heißt es: "Die gewünschte Intensität und Qualität erfordert eine Beschränkung katholischer Trägerschaftsverantwortung auf das künftig Machbare."

Info

Suche nach Lösungen

Waldorfschule Kita-Elternrat und Schulvorstand stehen in Gesprächen über eine gemeinsame Initiative für einen Kindergarten-Neubau auf dem Grundstück der Waldorfschule (RP berichtete). Beide Gremien prüfen nun die Machbarkeit und kommen in drei bis vier Wochen zu einem weiteren Treffen zusammen.

Unterschriften Für den Erhalt eines Kindergartens in Eppinghoven hat der Elternrat bereits 525 Unterschriften gesammelt. Sobald sich eine tragfähige Lösung ergibt, will der Elternrat mit der Liste bei der Stadt um Unterstützung bitten.

www.kindergarten-eppinghoven.de

Der Elternrat der Kita Sankt Johannes hat auf den Brief des Kirchenvorstands mit einer eigenen Stellungnahme reagiert. Provokant bemerken die Eltern: Es sei schon jetzt nicht möglich, dass die Kinder "wenigstens einmal in der Woche mit dem Pastor Lieder singen oder Geschichten erzählen. Wo liegt also der seelsorgerische Aufwand?" Sehr zufrieden hingegen äußern die Eltern sich über die Erzieherinnen, "die den katholischen Glauben an unsere Kinder weitergeben und das qualitativ wertvoll".

Den Elternrat macht auch fassungslos, dass der Kirchenvorstand keinen Bedarf für einen Kindergarten in Eppinghoven sieht und sich dabei auf Angaben der Stadt beruft. Einen Fürsprecher haben die Eltern in Thomas Groß, CDU-Politiker im Jugendhilfeausschuss: "Eppinghoven hat einen Bedarf an Kindergartenplätzen, das geht aus dem aktuellen Kindergartenbedarfsplan der Stadt hervor. Ich hoffe, dass die Gemeinde doch noch zu einem anderen Entschluss kommt." Aber auch die Politik sei gut beraten, so Groß weiter, den Kita-Standort Eppinghoven zu sichern. Andernfalls würde die Infrastruktur des Ortsteils stark geschwächt.

Der Kirchenvorstand erwähnt in seinem Brief die Vorgabe des Bistums, in Sankt Vincentius nicht mehr als zwei Kindergärten mit maximal sechs Gruppen zu betreiben; diese Kita sind Heilig Blut und Marienheim. Außerdem verteidigt sich der Vorstand dafür, kein Kirchengrundstück für einen Kita-Neubau mit einem anderen Träger anzubieten: "Das Verfügungsrecht über die Grundstücke obliegt dem Bistum."

Dieser Hinweis auf Münster überzeugt den Elternrat nicht: "Wir können nicht verstehen, warum der Kirchenvorstand nicht in ein Projekt ,investiert', das eine große Nachhaltigkeit für die katholische Kirche mit sich bringen würde." Es sei erschreckend, dass finanzielle Gesichtspunkte über den menschlichen stünden.

Quelle: RP

 
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