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Dinslaken: Zwischen Erfolg und Krise

VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 31.12.2008

Dinslaken (RPO). Der Schacht Walsum machte dicht. Im Wirtschaftsjahr 2008, das unter der Finanzkrise gelitten hat, gab es aber auch etliche Anlässe, um zu feiern: Betriebseröffnungen und ein Firmengeburtstag. Der Voerder Windgetriebehersteller Winergy schrieb seine Erfolgsgeschichte weiter.

Der Dinslakener Traditionsbetrieb Steinhoff wurde 100 Jahre alt, feierte dies Jubiläum mit vielen Gästen und der Enthüllung der Skulptur.  Foto: RPO
Der Dinslakener Traditionsbetrieb Steinhoff wurde 100 Jahre alt, feierte dies Jubiläum mit vielen Gästen und der Enthüllung der Skulptur. Foto: RPO

DINSLAKEN/VOERDE/HÜNXE/WALSUM Die einen konnten es überhaupt nicht verstehen, die anderen empfanden es als ungeheure Erleichterung, als auf dem Bergwerk Walsum zur Jahresmitte die letzte Schicht gefahren wurde und die Zeche ihre Förderung endgültig einstellte. Während die Bergbautreuen angesichts des gigantischen Energiehungers der Weltwirtschaft auch der deutschen Steinkohle wieder gute Zukunftschancen einräumten, fiel den Bergbaugegnern ein Stein vom Herzen, als der Schacht dicht machte. Sie waren schon lange nicht mehr bereit, die Ewigkeitsschäden und das Gefährdungspotenzial durch den Kohleabbau kritiklos hinzunehmen und waren auf die Barrikaden gegangen. Mit der Schließung des Schachtes hatte die Bürgerinitiative Bergbaubetroffener (BiB) aus Voerde ein wesentliches Ziel erreicht. Das endgültige Aus für das Bergwerk bedeutete aber auch den Verlust von vielen Arbeitsplätzen.Vor der Schließung arbeiteten noch rund 1400 Menschen auf Walsum.

Für die Voerder Aluminium-Hütte von Corus hat sich ein Interessent gefunden. Für die Belegschaft heißt es nun abzuwarten, ob der Deal auch tatsächlich zustande kommt. Foto: RPO

100 Jahre Steinhoff

2008 war für den Dinslakener Kaltwalzenhersteller Steinhoff in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Jahr. Die Weltwirtschaft boomte, der Familienbetrieb konnte sich über volle Auftragsbücher freuen: ausgelastet bis 2010 hieß es. Da machte es gleich doppelten Spaß, das 100-jährige Bestehen des Unternehmens zu feiern. Der Betrieb putzte sich heraus, ließ sich zum Jubiläum eine Skulptur des Bruckhausener Künstlers Alfred Grimm anfertigen und lud Geschäftspartner, dem Unternehmen verbundene Freunde, die Mitarbeiter und deren Familien zur Geburtstagsparty ein. Dann kam die weltweite Finanzkrise und die Schreckensmeldungen überschlugen sich. Es dauerte nicht lange, da stornierten etliche Firmen angesichts des plötzlichen Konjunktureinbruchs umgehend ihre Aufträge bei Steinhoff.

Viele Kunden wollten gleich am Eröffnungstag in den neuen Edeka-Markt an der Gerhard-Malina-Straße. Foto: RPO

Die Bankenkrise führte dann auch dazu, dass sich der Baustart für den 125 000 Quadratmeter großen Logistikpark, den das Unternehmen Pro Logis im Industrie- und Gewerbepark Hünxe auf einem 22 Hektar großen Areal bauen will, verzögert.

Im zu Ende gehenden Jahr konnte Winergy in Voerde seine beeindruckende Erfolgsstory nahtlos fortschreiben und den Standort auf dem früheren Babcock-Gelände in Friedrichsfeld weiter ausbauen. Auf dem weltweiten Markt für Windkraftanlagen hat sich das Unternehmen inzwischen zur Nummer eins hochgearbeitet. Als Winergy im Jahre 1981 seine ersten Getriebe herstellte, hatten diese eine Leistung von 25 bis 300 Kilowatt. Die heute in Friedrichsfeld produzierten leistungsstärksten Anlagen sind auf sechs Megawatt ausgerichtet. Als Winergy im Oktober einen neuen Prüfstand mit einer Leistung von 8,5 Megawatt einweihte, kam Bundesumweltminister Werner Gabriel an den Niederrhein, um diese Anlage mit einem Investitionsvolumen von rund drei Millionen Euro in Betrieb zu nehmen. Die anhaltende Erfolgsgeschichte des Windturbinherstellers wertete der Gast aus Berlin als Zeichen dafür, „dass Klima- und Umweltschutz Arbeitsplätze schaffen“.

Schicht im Schacht. Von links: Peter Blaszyk, Betriebsratschef Michael Hörning und Werksleiter Hans-Dieter Kollecker. Foto: RPO

„Wir haben die Energie“ lautet das Motto der Dinslakener Stadtwerke. Und damit ihnen diese niemals ganz ausgeht, entschied das kommunale Versorgungsunternehmen, sich ein Stück unabhängiger von den großen Energielieferanten zu machen. So fiel der Entschluss, eine eigenes Kraftwerk zu bauen, das Energie auf der Basis von Holz produzieren sollte. Rund 10,5 Millionen Euro investierten die Stadtwerke in ihr Frischholz-Heizkraftwerk, das auf dem Betriebsgelände an der Gerhard-Malina-Straße gebaut wurde und im März durch Christa Thoben, nordrhein-westfälische Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, eingeweiht wurde. Seither werden dort auf umweltfreundliche Art und Weise Ökostrom erzeugt und grüne Wärme gewonnen, die für die Versorgung von 3000 Haushalten ausreichen. Jährlich sollen 18,7 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom und 65,6 Millionen kWh Wärme erzeugt werden.

Und noch ein Neubau entstand an der Gerhard-Malina-Straße, genau gegenüber vom Technischen Rathaus, dort, wo früher der Geschäfts- und Sporthallentrakt stand. Die Familien Uwe und Hermann Bienemann eröffneten dort im Dezember ein modernes Edeka-Center mit Getränkemarkt, Bäckerei, Café und Blumenshop. Der Super-Markt ist 3200 Quadratmeter groß, die Verkaufsfläche beträgt 2200 Quadratmeter. Das Sortiment umfasst über 30 000 Artikel. Mit der Eröffnung des neuen Geschäftes, in den 100 Mitarbeiter tätig sind, wurde der ebenfalls von Bienemann betriebene Edeka-Markt an der Hünxer Straße geschlossen.

Für die Aluminium Hütte in Emmelsum sucht Corus seit langem einen Käufer. Im November gab der Konzern bekannt, dass die in London ansässige Investment-Gruppe Klesch Interesse an dem Voerder Werk habe. Beide Unternehmen unterzeichneten eine unverbindliche Absichtserklärung über den Verkauf durch Corus und die Übernahme durch Klesch. Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten und hängt auch von internen Beteiligungsprozessen ab. Bereits im Dezember 2007 hatte die American Industrial Acquisition Corporation (AIAC) ihr Interesse angemeldet, die Voerder Schmelzhütte zu kaufen – daraus ist dann allerdings nichts geworden. Wieder heißt es für die Belegschaft in Emmelsum abzuwarten.

Quelle: RP

 
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