Dinslaken: Zwischentöne aus dem Pott
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 24.11.2008Dinslaken (RPO). Im Lohberger Ledigenheim wurde der Literaturpreis Ruhr des Regionalverbands Ruhr (RVR) vergeben. Der Hauptpreis ging an Werner Streletz, die Förderpreise an Mario Jewanski und Sascha Reh.
„Es ist eine Auszeichnung für den Standort Lohberg, dass der Literaturpreis Ruhr hier verliehen wird“, sagte Bürgermeisterin Sabine Weiss . Und besser hätte man es mit der Wahl des Ortes kaum treffen können. Denn Hauptpreisträger Werner Streletz behandelt in seinem Roman „Kiosk kaputt“ den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Und wo wäre der deutlicher zu sehen, als direkt neben dem ehemaligen Zechengelände in Lohberg?
Ruhrpottlyriker
Dabei zeichnete die Jury den Kulturjournalisten aus Bochum nicht nur für den Roman mit dem mit 10 000 Euro dotierten Literaturpreis aus, sondern auch für sein bisheriges schriftstellerisches Werk. „Werner Strelitz wagte es als erster, Lyrik in der Sprache des Ruhrgebiets zu schreiben“, begründete Jurymitglied Ulli Langenbrinck die Entscheidung. Und tatsächlich bekommt der oft komödiantisch gebrauchte Ruhrpott-Dialekt in den Texten des Preisträgers eine nachdenkliche Färbung.
Literaturpreis Ruhr
Der vom Regionalverband Ruhr gestiftete Literaturpreis wird seit 1986 jährlich durch den Verein Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet verliehen. Der Hauptpreis wird dabei an einen verdienten Autor verliehen), während die beiden Förderpreise an Geschichten zu einem Thema gehen, das jeweils neu bestimmt wird.
Kaum weniger spannend die beiden Geschichten der Träger der mit 2555 Euro dotierten Förderpreise, die für satirische Geschichten zum Thema Familienspiel vergeben wurden. In „Verschiedene Verschiedene“ schildert Mario Jewanski aus Herne die Einblicke von Trauerredner Griebe ins Umfeld einer Familie. Schnell findet sich der Protagonist von einem Panoptikum grotesker Familienmitglieder umzingelt, und schließlich findet auch noch eine Beerdigung mit einer falschen Leiche statt. Mit teilweise recht schwarzem Humor geht der zweite Preisträger Sascha Reh aus Essen ans Werk. In seiner Geschichte „Das System Schablonski“ wird eine Familie, auf die fast wirklich jedes Negativklischee zutrifft (kettenrauchende Mutter, Vater Alkoholiker, Kinder schauen fern oder quälen Tiere), vom Familienberater kurzerhand durch eine Mischung aus Schauspielern und Waisenkindern ersetzt. Operation gelungen, Patienten beseitigt.
Musikalisches Zwischenspiel
Für ungewöhnliche Töne sorgte das Duo Accart aus Berlin mit zwei Akkordeons. Technisch versiert servierten sie Jazz vom Feinsten und schreckten dabei auch nicht davor zurück, bekannte Stücke wie das Titelthema der Harry-Potter-Filme in ein neues musikalisches Gewand zu kleiden. Ein ungewöhnlicher musikalischer Leckerbissen zur Abrundung des literarischen Menüs.
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