MSV Duisburg: Als Zidanes Idol ein "Zebra" war
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 07:49Vor zehn Jahren wurde der Vertrag des Ausnahme-Fußballers Lubomir Moravcik beim MSV Duisburg nach nur vier Monaten aufgelöst. Der Slowake galt als Ausnahmekönner, überwarf sich aber mit Trainer Friedhelm Funkel und wechselte zu Celtic Glasgow.
Vor rund 15 Jahren, als Zinedine Zidane gerade dabei war, einer der herausragendsten Fußballer der Welt zu werden, beantwortete der Franzose die Frage nach seinem Vorbild eindeutig mit: „Lubomir Moravcik“. Das verwunderte damals nicht, denn der spätere Weltmeister Zidane spielte mit Moravcik in einer Liga und hatte die Leistungen des Ausnahmekönners ständig vor Augen. Moravcik galt als wahrer Ästhet am Ball.
Für Erstaunen sorgte, dass der Slowake mit den „Zauberfüßen“ vor zehn Jahren beim MSV Duisburg anheuerte. Das Missverständnis wurde allerdings nach knapp vier Monaten wieder korrigiert. Wenn unter Freunden des sehr gepflegten Fußballs das Gespräch auf Lubomir Moravcik kommt, dann schnalzen die meisten mit der Zunge.
Moravcik gilt bis heute als populärster Fußballspieler der Slowakei. 1992 wurde er zum tschechoslowakischen Fußballer des Jahres gewählt, noch 2001 wurde er slowakischer Fußballer des Jahres. Zählt man die 42 Spiele für die Tschechoslowakei mit, ist Moravcik mit 79 Einsätzen slowakischer Rekordnationalspieler. Und so einer sollte plötzlich den in der öffentlichen Wahrnehmung eher taubengrauen „Zebras“ Glanz verleihen?
In der Tat, denn der damalige Sportliche Leiter Gerd Merheim leitete diesen Mega-Coup im Sommer 1998 ein. Merheim reiste mehrfach zu Vertragsverhandlungen nach Paris und lockte den Slowaken vom französischen Erstligisten SC Bastia mit dem Anreiz beim MSV internatonal zu spielen, nach Duisburg.
Als DFB-Pokalfinalist hatten sich die Meidericher für den Europacup der Pokalsieger qualifiziert. Beim MSV, der einen Nachfolger für den zum VfB Stuttgart abgewanderten Michael Zeyer gesucht hatte, waren die Erwartungen entsprechend hoch - und Moravcik schien sie erfüllen zu können. Im ersten Saisonspiel führte er beim 2:1-Erfolg über Eintracht Frankfurt sogleich auf geniale Weise Regie. „Für einen Ausnahmekönner wie Lubomir muss du in der Mannschaft unbedingt einen Spieler abstellen, der ihm den Rücken freihält“, sagte MSV-Stürmer Uwe Spies voller Respekt.
Mit dieser Sichtweise mochte Trainer Friedhelm Funkel aber gar nicht übereinstimmen. Im kompakten MSV-System war kein Platz für Alleinunterhalter. Stattdessen forderte der Coach seinen Star auf, sich an der Defensivarbeit zu beteiligen. Derlei Befehle waren in der Welt des Slowaken aber nicht vorgesehen.
Nachdem ihn Funkel beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach am fünften Spieltag bereits zur Pause auswechselte und ihn für Europapokalmatch gegen KRC Genk überhaupt nicht berücksichtigte, schmollte Moravcik und schwänzte Anfang Oktober 1998 sogar unentschuldigt das Training. „Ich komme mit dem in der Bundesliga gespielten System nicht zurecht“, sagte Moravcik, der sonst nur wenig sprach, in diesem Fall aber auch eine Abmahnung in Kauf nahm.
Das angespannte Verhältnis zwischen Funkel und Moravcik war aber nicht mehr zu kitten. Der Trainer ignorierte fortan den Nationalspieler, der nicht mehr mit der Mannschaft trainieren durfte. „Profis haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten“, schimpfte Funkel, der sogleich den tschechischen EM-Teilnehmer Martin Frydek verpflichten ließ.
Moravcik forcierte indes einen Vereinswechsel. Ein mutmaßliches Angebot aus dem japanischen Osaka zerschlug sich zwar, doch am 27. Oktober 1998 wurde das Kapitel Moravcik beim MSV endgültig beendet. Der Slowake, der nur fünf Bundesliga-Einsätze für die Zebras bestritten hatte, wurde für eine geringe Ablöse zu Celtic Glasgow verkauft.
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