MSV Duisburg: Charakterfest am Kiez
VON HERMANN KEWITZ - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009Der MSV zeigte beim 2:2 auf St. Pauli trotz des zweifachen Rückstandes Standfestigkeit. Zum Aufstiegsfavoriten fehlt es aber noch an spröder Sachlichkeit. Erfreulich: Beide Stürmer trafen.
In Rufweite von Deutschlands sündigster Meile bewies der MSV Moral und Charakterfestigkeit. Beim 2:2 (1:2) gegen den FC St. Pauli zeichnete sich die Elf von Peter Neururer durch Standfestigkeit aus. Zweimal gerieten die Zebras von 22554 Zuschauern am Kiez in Rückstand. Zweimal holte die Mannschaft den Rückstand wieder auf.
Nach dem 0:1 per Elfmeter durch Bruns war es Dorge Kouemaha, der dem drohenden Unheil buchstäblich die Stirn bot. Dann legte Taki nur sanft begleitet von Mihai Tararache für die Hausherren nach. Sandro Wagner, inzwischen Inbegriff treffender Zuverlässigkeit, glich im zweiten Durchgang aus. Dazwischen hatte sich St. Paulis Takyi mit einem bösen Nicker gegen Adam Bodzek selbst aus dem Spiel genommen und sehr berechtigt die Gelb-Rote Karte kassiert.
Beide Mannschaften haben sich gut entwickelt
Trainer Peter Neururer sprach gar von einem "Spektakel, das nicht mehr zu toppen ist". Und er sagte, dass sich beide Mannschaften seit der letzten Saison weiterentwickelt hätten. Der MSV hat die Zweite Liga zur Spaßgesellschaft entdeckt und zu einem Freizeitpark gemacht. Wie schon gegen Cottbus ging es rauf und runter sowie extrem unterhaltsam zu.
Freilich, im Fußball gibt es keine Sonderpunkte für künstlerischen Ausdruck. Die Bewertungsskala legt nüchterne Maßstäbe an. Und da beginnt sich die Freude am sonnigen Kick zu trüben. Neururer bekannte offen, dass er auf drei Punkte beim Gastspiel in St. Pauli aus war. Es gab nur einen. Kapitän Björn Schlicke sprach von "dummen Gegentoren". Ähnliches war schon nach dem 2:2 gegen Cottbus zu hören. Auch da hatte Neururer von einer verpassten Chance auf einen Sieg gesprochen.
"Kai-Uwe" hätte noch mehr auflegen können
Über 55 Minuten spielte der Gast aus Duisburg mit einem Mann mehr. Mit dem Personalüberhang hätte sich mehr erwirtschaften lassen als ein Zähler. Torhüter Tom Starke hätte sich gewünscht, dass seine Vorderleute zielstrebiger den Weg zum Sieg gesucht hätten. Immerhin, Caibuy hatte eine große Kopfballchance und hätte mit etwas mehr Spielverständnis zu weiteren Möglichkeiten auflegen können als der zum Ausgleich per spektakulärem Fallrückzieher.
Der MSV beherrschte die Partie nach der Pause. Kapitän Björn Schlicke warnte derweil: "Wenn du zu viel riskierst, bist du offen für Konter." Angesichts der Defizite in der Abwehr ein enormes Risiko, wie sich handfest zeigte: Naki stürmte direkt nach dem Wechsel allein aufs Duisburger Tor zu und konnte von Schlicke in letzter Minute gestoppt werden.Auf der Heimreise verfestigte sich der Eindruck: Als Moral-Apostel und Unterhaltungskünstler sind die Zebras schon weit vorn. Zum Aufstiegsfavoriten fehlt es an spröder Sachlichkeit.
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