MSV Duisburg: "Eine Riesenenttäuschung"
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 09.11.2009Beim Trainer-Debüt von Milan Sasic stimmten vor allem das Ergebnis nicht und die Darbietung einer später völlig hilflosen Zebra-Mannschaft. Das 2:2-Remis nach klarer Führung zur Pause gegen den Tabellenletzten war sogar verdient.
Was kann man an einem solch herrlichen Herbsttag nicht alles unternehmen. Ein Spaziergang durch den farbenprächtigen Wald etwa würde sich anbieten. Oder bei bestem Wetter am verkaufsoffenen Sonntag in der City nach einem Schnäppchen suchen. Oder die totale Entspannung daheim mit Spekulatius und Kaffee finden. Jene knapp über 11 0000 Zuschauer in der Arena werden sich so etwas wohl gedacht haben. Der Frust, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, saß tief. Außer frischer Luft wurde nichts geboten, das erwähnenswert wäre. Im Gegenteil: Lautstarker Unmut, gellende Pfiffe und völliges Unverständnis begleiteten die Mannschaft gnadenlos bei ihrem Abgang, und das zu Recht. Der Form halber muss festgehalten werden, dass sich der MSV gegen den Tabellenletzten Rot-Weiß Ahlen nach überaus schwacher Halbzeit ein Unentschieden leistete, das die Enttäuschung überkochen ließ.
Ein Feuerwerk war von Beginn an nicht zu erkennen
Klar mit 2:0 geführt, den Gegner dominiert, aber schon da nicht überrannt, am Ende gähnendes Entsetzen über 45 Minuten nach der Pause, die schreckliche Fehler produzierten und zwei Ahlener Treffer, die arg in die Glieder gefahren waren. So vor allem dem neuen Trainer Milan Sasic, der mit erst leiser Stimme von "riesengroßer Enttäuschung" sprach, der dann ins Mikro donnerte, dass sich viel ändern müsse in naher Zukunft. Eigentlich alles, möchte man meinen.
So besonders der Kopfballtreffer des Schlusslichts, der zum 2:2 führte Sekunden vor dem kläglichen Ende. Es war eine westfälische Stafette in der Luft, und die Zebras schauten nur zu. Frank Fahrenhorst, Björn Schlicke oder der als rechter Verteidiger für den verletzten Bernd Korzynietz total überforderte Bruno Soares, sie alle messen einiges über 190 Zentimeter, aber die tapferen Ahlener waren es, die erfolgreich blieben.
Book: Das Unentschieden war für uns sehr verdient"
"Na klar, wer wie wir kurz vor dem Ende zum Ausgleich kommt, der hat Glück. Aber das 2:2 war gerecht und verdient für uns", meinte der Ex-MSVer Nils-Ole Book, und diese Analyse durfte getrost unterschrieben werden. Milan Sasic, der bei der 2:0-Führung zur Pause vom ersten Sieg träumen durfte, war angefressen. Unakzeptabel und später ohne Gegenwehr habe sich die Mannschaft präsentiert, "da gibt es keine Ausrede". Der Kroate hat jedenfalls erlebt, wie viel Arbeit auf ihn zukommt in den nächsten Wochen. Dass keiner der so genannten Führungsspieler Verantwortung übernommen habe, mache ihn betroffen, meinte der 51-Jährige erzürnt.
Dabei lief alles nach Wunsch. Caiubys 1:0 und Fahrenhorsts ausbauender Treffer nach jeweiliger Vorarbeit von Änis Ben Hatira ließen den Verdacht zu, dass es ein Schützenfest geben könnte. Solch einen Gegner wie Ahlen muss eine gute Mannschaft – pardon! – in alle Einzelteile zerlegen. Aber die schwachen Zebras schafften es nicht, zum entscheidenden Schlag auszuholen. Der Anschlusstreffer von Busch nach der Pause ließ das aufkommen, wovon RW-Trainer Christian Hock in der Kabine gesprochen hatte: "Wenn uns das 1:2 gelingt, ist vielleicht noch was möglich." Es verwunderte über alle Maßen, das der Mann recht behielt. Ein Anschlusstreffer des Gegners – und der MSV brach total zusammen. Wirkte ab da nervös und unsicher. Da wird die Vorstellungskraft strapaziert. Das kann nicht sein, da stimmt einiges nicht.
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