Bielefeld - Duisburg 0:2: MSV gibt Lebenszeichen von sich
zuletzt aktualisiert: 23.02.2008 - 18:05Bielefeld (RPO). Der MSV Duisburg hat das Tabellenende der Bundesliga verlassen und Arminia Bielefeld noch tiefer in den Abstiegsstrudel gezogen. In einem ganz schwachen Kellerduell siegte der MSV am 21. Spieltag auf der Alm verdient mit 2:0 (1:0).
Mit dem ersten Sieg 2008 überflügelten die Meidericher Energie Cottbus und den 1. FC Nürnberg, die am Sonntag aufeinandertreffen. Die Arminia, nach dem fünften Spieltag noch Tabellenzweiter, kassierte im fünften Pflichtspiel unter Trainer Michael Frontzeck die fünfte Niederlage und musste sich vom eigenen Anhang "Absteiger"-Rufe gefallen lassen.
Das erste Tor von Winter-Neuzugang Silvio Schröter (8.) und der siebte Saisontreffer von Manasseh Ishiaku (48.) bescherten den Gästen den ersten Auswärtssieg seit über vier Monaten. Bielefeld lieferte eine sportliche Bankrott-Erklärung und könnte am Sonntag erstmals seit April 2007 auf die Abstiegsränge rutschen.
Tumulte, öffentliche Demütigung und wüste Schimpftiraden: Einer sportlichen Bankrotterklärung von Arminia Bielefeld im Kellerduell folgte auf der Alm der endgültige Bruch zwischen Trainer Michael Frontzeck und den Fans.
Als der frühere Nationalspieler sich nach dem 0:2 (0:1) gegen den MSV Duisburg um 17.22 Uhr mutterseelenallein vom Mittelkreis aus in Richtung Kurve aufmachte, schlug ihm blanker Hass entgegen. Frontzeck machte nach zehn Metern kopfschüttelnd kehrt, spuckte aus und verschwand in der Kabine.
"Die Unmutsäußerungen sind doch normal, ich habe volles Verständnis für die Wut unserer Zuschauer. Ich war ja auch über unsere Leistung erschrocken", meinte Frontzeck nach seiner fünften Niederlage im fünften Pflichtspiel zwar. Doch die Intensität eines 90-minütigen Spießrutenlaufes auf der Bank war bemerkenswert.
"Ich habe diese aggressive Stimmung gegen Trainer und Sportdirektor hier so noch nicht erlebt, das war extrem", sagte Kapitän Mathias Hain. Während 50 aufgebrachte Fans sich gewaltsam Zutritt zum Kabinengang verschaffen wollten und mit den Fäusten gegen die Tür trommelten, rangen sich die Offiziellen ein halbherziges Bekenntnis zum Trainer ab, dessen Verpflichtung sich bislang als klarer Irrtum erwiesen hat.
"Ich gehe davon aus, dass er auch in Rostock auf der Bank sitzt", meinte Präsident Hans Hermann Schwick, Geschäftsführer Roland Kentsch sprach von einer "hypothetischen Frage": "Ich denke nicht in Konjunktiven."
Saftig, der ebenfalls zur Zielscheibe von Spottgesängen wurde ("Saftig auf den Zaun"), bezeichnete die Forderung nach personellen Konsequenzen lakonisch als "Dschungelcamp-Mentalität": "Einer muss raus, das ist viel zu einfach." Er gestand allerdings ein, "nach diesem Spiel keine Argumente" zu haben: "Wir haben uns auch schon über die möglichen Konsequenzen abgestimmt, diese betreffen jedoch vor allem unsere Mannschaft. Am Trainer wird nicht gerüttelt, und ich habe ja schließlich auch nicht gespielt."
Zumindest in Rostock, soviel scheint klar, wird Frontzeck auf der Arminia-Bank Platz nehmen. Doch der Druck steigt, und das Team liefert Woche für Woche keine Vertrauensbeweise. Saftig analysierte mit Leichenbittermiene: "Es war heute eine ganz schlimme Niederlage für uns. Wenn ich nicht mehr da wäre, würde es ja auch nicht besser laufen. Die Leistung ist nicht zu erklären, niemand hat heute gegen den Abstieg gekämpft."
Beim MSV dagegen herrschte nach dem wichtigen Sieg im "Sechs-Punkte-Spiel" grenzenlose Freude, Trainer Rudi Bommer und Klub-Boss Walter Hellmich fielen sich erleichtert in die Arme.
"Wir sind wieder dran. Wir leben noch", sagte Bommer zufrieden, nachdem die Zebras dank Toren von Silvio Schröter (8.) und Manasseh Ishiaku (48.) erstmals seit vier Monaten wieder auswärts gewonnen hatten. Nach dem Last-Minute-Tiefschlag gegen den VfB Stuttgart (2:3) vor einer Woche sandte der MSV ein deutliches Lebenszeichen und gab die "Rote Laterne" ab. Wilde Jubeltänze waren die Folge.
Bester Spieler einer desolaten Arminia-Elf war Kamper, bei den Gästen ragten Torschütze Ishiaku und Mihai Tararache heraus.
Statistik:
Bielefeld: Hain - Korzynietz, Gabriel (52. Eigler), Mijatovic, Schuler - Kauf, Kucera - Kamper, Böhme (67. Halfar) - Zuma, Wichniarek. - Trainer: Frontzeck
Duisburg: Starke - Weber, Fernando, Schlicke, Willi - Tararache, Grlic - Tiffert, Schröter (86. Georgiew) - Niculescu (90. Vrucina), Ishiaku (75. Mölders). - Trainer: Bommer
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 0:1 Schröter (8.), 0:2 Ishiaku (48.)
Zuschauer: 19.200
Beste Spieler: Kamper - Tararache, Ishiaku
Rote Karten: keine
Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karten: Korzynietz (2) - Tiffert (5)
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