MSV Duisburg: MSV: Qualitäts-Mangel
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Die 40.000 Zuschauer hatten ihren Spaß. Genüsslich schauten sich die Fortuna-Fans im ausverkauften Haus in der Halbzeit des wenig aufregenden Spiels in der Esprit-Arena auf den Leinwänden verlangsamt jene Szene aus der 17. Minute an, als dem armen Tom Starke der harmlose Schuss von Andreas Lambertz genau auf Mann durch die Beine kullerte.
Drei Mal war sie in Zeitlupe zu sehen, und immer wieder höhnte das Publikum. Ausgerechnet Starke! Erst der Aussetzer von Kristoffer Andersen im zu lasch geführten "Duell", dann der Torhüter, der zu den Besten seines Fachs zählt. Eine schlimme, vielleicht die Situation treffende Sekunde. Aber: Wer in zehn Spielen hält wie ein Weltmeister, ist auch nicht vor einem solchen Blackout gefeit.
Das Fortuna-Führungstor war ein Tiefschlag für den MSV
Aber dass es ausgerechnet in der Landeshauptstadt passieren musste, war fatal. Das war gleichsam der Ko. für den MSV und passte nahtlos zum Geschehen des hochstilisierten Spiels, das längst nicht alle Erwartungen erfüllte und eher in den Bereich der Mittelmäßigkeit mit teilweise haarsträubenden Fehlern abrutschte. Box-Weltmeister Wladimir Klitschko stand als Glücksbringer Pate und läutete als "Fortuna-Fan" die Werbetour für seinen WM-Kampf in der Landeshauptstadt ein.
Das Lambertz-Tor kam einen Tiefschlaf gleich für die Zebras, die in der ersten Halbzeit völlig von der Rolle waren und dort weitermachten, wo sie zur Pause des St. Pauli-Heimspiels aufgehört hatten. Der MSV am Boden! Die Mannschaft hat die ersten beiden (von vier) Spitzenspielen verloren. Absolut verdient verloren. Wenn auch die Hamburger in der letzten Woche die klar bessere Elf war und spielerisch turmhoch überlegen, so war auch das gestrige Spiel in Düsseldorf von einem Qualitätsunterschied geprägt.
Die Zebras hatten Mängel ohne Ende in ihrem Spiel. Zweikampfschwach, ohne Feuer, individuell einfach zu schlecht – so kann der Aufstieg abgehakt werden. Und wenn man dann noch solch einen Treffer zum 0:2 kassiert, der dem Trainer beinahe das Lachen ins Gesicht getrieben hätte, dann werden eklatante Schwachpunkte sichtbar.
Schwacher Björn Schlicke von Martin Harnik ausgetanzt
Wie Björn Schlicke vom Torschützen Martin Harnik ausgetanzt wurde, war gleichsam das Duell zwischen David und Goliath. Nur dass Harnik kein "Riese" ist, höchstens ein Zweitligastürmer ist, der wendig und fit ist im Kopf. Das reicht allemal aus, um Schlicke zu düpieren. In der Pause blieb er in der Kabine.
Aber nicht nur der frühere Kapitän enttäuschte auf der ganzen Linie. Kein Zebras vermochte zu überzeugen, am allerwenigsten Adam Bodzek, der auch noch mit Gelb/Rot bestraft wurde. Zweikampfschwächen, fehlendes läuferisches Vermögen, Passungenauigkeit, mangelnde Übersicht und Harmlosigkeit im Sturm – insgesamt das war der MSV.
Spritzig wirkte die Mannschaft auf keinen Fall. Und von Siegeswillen getragen war sie auch nicht. Eher blutleer. Und das lässt für die Aufgaben gegen Kaiserslautern und in Bielefeld schlimme Befürchtungen aufkommen.
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