MSV Duisburg: Neururer – der schlaue Fuchs
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 25.08.2009Auf dem Weg zum Spitzenteam erwartet der MSV-Trainer mit seiner Mannschaft am nächsten Montag Fortuna Düsseldorf. Dann hofft er, dass mit acht Punkten aus vier Spielen von einem guten Start die Rede ist.
Peter Neururer ist ein schlauer Fuchs. Der Kult-Trainer nutzt – egal wo – jede Möglichkeit gnadenlos aus, seinen höchst persönlichen Standpunkt zu lokalisieren. Dabei setzt der 54-Jährige sich selbst nicht unter Druck. Das hat er, finanziell sowieso, auch gar nicht nötig.
Dass der MSV ihm die Möglichkeit bot, nach langer Zeit der Arbeitslosigkeit wieder im Ballgeschäft zu sein – danke, MSV. Dass das Selbstverständnis des Porsche-Fahrers deshalb nicht gelitten hat, wissen alle, die mit ihm zu tun haben. Neururer ist ein Mann von hoher Einschätzung in die eigene Person, in die eigene Leistung. Und deshalb soll das Arbeitsfeld die erste Liga sein, die Rückkehr also dorthin, wo er nach eigener Auffassung auch hingehört.
Der Mann, seit zwei Jahrzehnten im Trainer-Geschäft, hat sich seit des Engagements beim MSV auch durch freundliche Fan-Nähe profiliert, wenn das überhaupt möglich ist. Die Arbeit, die er verrichtet, ist tadellos, sagen die Beteiligten unisono. Die sachgerechte Ansprache ans Kicker-Volk trifft den Kern der Dinge. Die Außendarstellung ist prächtig. Nicht umsonst war Neururer der gefeierte Star, der bei Angela Merkels Auftritt in den Seeterassen beste Werbung in eigner Sache betrieb. Die Bundeskanzlerin und der Fußball-Besessene. Die gedrehte Stimmung pro MSV passt zu einem wie ihn.
Neururer ist auch ein Mann des klaren Wortes. Nägel mit Köpfen, das ist die Devise. Sollte ihm in irgend einer Form Gegenwind ins Gesicht blasen, könnte er zur Tat schreiten. Mutig ist er nicht nur auf dem Platz, siehe das jüngste Beispiel auf St. Pauli. Wenn beispielsweise Walter Hellmich auf die Idee kommen sollte, Stürmer Sandro Wagner wegen des lieben Geldes zu verhökern, jetzt die Million zu kassieren, weil es im Sommer womöglich nichts mehr gibt, gäbe es vermutlich Zwist.
Wenn der Trainer-Fuchs sähe, dass die Mannschaft doch nicht ihren und seinen Ansprüchen gerecht würde, könnte es zur Scheidung kommen – wahrscheinlich schon vor dem Ende der Saison. Neururer ist Erstligist, keine Frage. Das zweite Glied mag er eigentlich nicht. Wenn es ihm gelänge, den MSV dorthin zu führen, wo der Verein nach Auffassung der Chef-Etage hingehört, wäre er mit einem Schlag wieder hoch interessant für andere Aufgaben.
Das alles ist noch überwiegend im Konjunktiv gehalten, aber es kann so geschehen. Vor dem Niederrheinderby gegen Fortuna Düsseldorf am kommenden Montagabend in der gewiss randvollen MSV-Arena befindet sich Neururer mit der Mannschaft auf dem steinigen Weg zur Zweitliga-Spitze. Was der Mannschaft noch fehlt, daran arbeiten alle. Neururer auch, um seinem persönlichen Anspruch gerecht zu werden.
Zwei Punkte fehlen nach drei Spieltagen zum Soll. Die wurden beim 2:2 gegen Energie Cottbus verpasst. Fortuna Düsseldorf ist im TV-Spiel der nächste Gegner. Peter Neururers Standardsatz findet dann wohl wieder Anwendung, ohne respektlos zu sein: "Im Heimspiel ein Pflichtsieg".
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