MSV Duisburg: Neururer: "Katastrophe"
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Der MSV-Trainer war nach dem Pokal-Aus seiner Mannschaft fassungslos darüber, dass sie in allen Belangen unterlegen war. Die Rote Karte für Caiuby und die fünf gegnerischen Treffer kamen einem Offenbarungseid gleich.
Der Schock sitzt tief. Wie kann eine Mannschaft ein derart für den gesamten Verein so wichtiges Ziel so fahrlässig aus den Augen verlieren wie sie es an jenem schwarzen Dienstag beim Pokal-Achtelfinalspiel in Augsburg getan hat? Wie kann es sein, dass ein völlig indisponiertes Team in allen Belangen derart chancenlos überfordert war gegen einen in der Liga nur um einen Punkt besseren Gegner? Wie kann es sein, dass ausgerechnet Tom Starke fünf Mal hinter sich greifen musste und trotzdem noch der Beste war in einer Mannschaft, in der es überwiegend nur Versager gab? Tempo mit immer wieder forcierter Laufstärke, Zweikampf-Härte, taktisches Geschick beim Ausnutzen gravierender Defensiv-Schwächen, vor allem über die Außenpositionen, besonders die präsentierte Leidenschaft und der unbändige Wille zum Sieg waren die Elemente, die für den FCA ungefährdet den Ausschlag gaben.
Augsburg konnte schon zur Halbzeit deutlich führen
Da kam es überraschend, dass Trainer Peter Neururer mit dem Geschehen der ersten Halbzeit noch einigermaßen zufrieden war ("über die zweite Hälfte müssen wir erst gar nicht reden, das war eine Katastrophe"). Denn Augsburg konnte schon zum Pausenpfiff leicht mit 3:0 führen. Dass der bis in die Haarspitzen engagierte Gegner durch das Eigentor von Sören Larsen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum Führungstor kam, war Pech. Aber wieso konnte der vorausgehende Kopfballschütze Sandor Torghelle so frei in Aktion geraten? Das war kein Pech, das war ein dicker Zuordnungs-Fehler von vielen. Beim zweiten, vierten und fünften Treffer stand die Duisburger "Abwehr" mit individuellen Fehlerquellen geradezu einladend Spalier.
Caiubys Bewährungsfrist ist wohl abgelaufen
"Wir sind hinten schwindelig gespielt worden", räumte Neururer ein, der anfügte, dass "wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können". Das bedeutet personelle Konsequenzen. Eine davon wird die sein, dass Caiubys Bewährungsfrist nach seinem schon schwachen Spiel gegen Rostock abgelaufen ist. Die Rote Karte war eine grobe Undiszipliniertheit. Sie war, schlicht festgestellt, eine Dummheit besonderer Prägung. Aber die Schwäche kann beileibe nicht nur auf den Brasilianer reduziert werden. Kapitän Björn Schlicke brachte auf den Punkt, was Sache war. "Wir haben total versagt."
Was ist mit dem Trainer, der die Mannschaft vorbereitete auf das so wichtige Cupspiel, in dem immerhin auch mehr als eine Million Euro auf dem Zettel stand, und die alles "vergessen" hatte, was abgesprochen war? Neururer, der sich hoch empfindlich dagegen verwahrt, ratlos zu sein, wird sich auch hinterfragen müssen, ob er die Mannschaft noch erreicht. Der strapazierte Begriff der Ratlosigkeit kann auch so ausgelegt werden, dass ein Trainer versucht, die Mannschaft richtig einzustellen und dann erleben muss, wie sie die Vorgabe nicht umsetzt. Oder nicht heißspornig genug ist, sie um jeden Preis umsetzen zu wollen. Oder nicht hören will, was der Chef sagt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








