MSV Duisburg: Sandro, das System-Opfer
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009Obwohl Sandro Wagner im Kader der deutschen U 21 der einzige gelernte Stürmer ist, muss er sich bei der EM in Schweden mit der Reservistenrolle begnügen. Änis Ben-Hatira und Chinedu Ede ergeht es kaum besser.
Es ist Sandro Wagner anzusehen, dass er mit seiner persönlichen Bilanz bei der U21-Fußball-Europameisterschaft nicht wirklich zufrieden ist. Mit gesenktem Kopf hat er nach den Spielen die EM-Arenen im schwedischen Halmstad und Göteborg verlassen.
Zwar herrschte trotz des Halbfinaleinzugs der deutschen Junioren-Nationalmannschaft im gesamten Team gedrückte Stimmung, weil das Team spielerisch enttäuschte. Doch der Stürmer des MSV Duisburg schiebt zudem Reservisten-Frust. Er spielt kaum und hat keine Gelegenheit zu zeigen, dass er es besser als seine Kollegen kann. Lediglich in der Schlussphase des 2:0-Sieges über Finnland kam Wagner im zweiten Gruppenspiel zum Einsatz.
Gegen Spanien (0:0) und England (1:1) wartete er vergeblich auf ein Signal von Coach Horst Hrubesch. "Ich kann den Trainer verstehen, er hat viele gute Spieler und die Qual der Wahl", sagt Wagner, der den Teamgeist pflegt und nicht laut meckern will.
Seine Unzufriedenheit mag man ihm aber verzeihen. "Natürlich würde ich lieber spielen, ansonsten wäre ich hier wohl auch fehl am Platz", sagt er. Obwohl der Duisburger der einzige gelernte Angreifer in Hrubeschs Kader ist, steht er außen vor. Wagner wurde schlichtweg ein Opfer des Systems.
Hrubesch setzt auf eine Offensive mit Hang mit Flügelspiel und vertraut im Angriffszentrum auf die "ungelernten" Spitzen Ashkan Dejagah (VfL Wolfsburg) und Mesut Özil (Werder Bremen). "Wir wollen die Gegner unten rum ausspielen", meint der Coach.
Der schlacksige Wagner, dessen Stärke das Kopfballspiel ist, passt momentan nicht ins Konzept. "Sandro trainiert aber sehr gut, er ist eine Option", meint Hrubesch. Weil der Trainer zugleich ankündigte, dass es auch im Halbfinale morgen Abend (20.45 Uhr) in Helsingborg keine System-Änderung geben werde, muss Wagner aber wohl weiter zusehen.
"Meine Chancen auf einen Einsatz sind nicht gestiegen", glaubt er. Nach jedem Spiel soll er sich bei MSV-Trainer Peter Neururer telefonisch melden. Nach der EM wird dann besprochen, wie viel Extra-Urlaub der Stürmer erhält. Kommt die deutsche Mannschaft bis ins EM-Finale am 29. Juni in Malmö, wird Wagner wohl erst Mitte Juli wieder beim MSV einsteigen.
Nicht viel besser ergeht es in Schweden den beiden weiteren Vertretern des MSV-Trios, Änis Ben-Hatira und Chinedu Ede. Ben-Hatira rückte gegen England zwar in die Startformation, konnte auf der linken Seite aber wenige Akzente setzen und keine Eigenwerbung betreiben.
Sein Leihvertrag läuft zum 30. Juni aus, danach soll er vorerst zum Hamburger SV zurückkehren. Ob er noch mal in Duisburg erscheint, ist unklar. MSV-Sportdirektor hat noch keine Signale erhalten, dass der Leihvertrag verlängert wird.
Ede musste sich zu Beginn des Turniers mit Wadenproblemen herumschlagen und absolvierte mit den Physiotherapeuten viele Extraschichten. Mittlerweile ist der Mittelfeldspieler wieder in Training und hofft auf seine Chance. Zwei Möglichkeiten auf dem Weg zum Titel gibt es noch.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








