MSV: So lief das Derby auf den Rängen
zuletzt aktualisiert: 01.09.2009 - 11:38Der heiße West-Schlager im Ruhrpott. Über 27.000 Zuschauer sorgten beim Zweitliga-Spiel zwischen dem MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf für eine bundesligareife Atmosphäre - nicht zuletzt dank der Anhänger aus der Landeshauptstadt.
7.000 Fortuna-Fans waren nach Duisburg gekommen und hatten ihre Mannschaft über 90 Minuten begeistert unterstützt - trotz einer verdienten 0:3-Niederlage. War das sogar wie ein Heimspiel für Düsseldorf? Wer hat das Duell auf den Rängen gewonnen? Vier Mitarbeiter unserer Redaktion verfolgten das Spiel von verschiedenen Orten aus - aus dem Fortuna-Block, aus der MSV-Kurve, von der Haupttribüne und vor dem Fernseher. Das sind ihre Eindrücke...
Philipp Stempel (MSV-Fan), MSV-Fanblock: "Endlich mal wieder ein Fußballfest. Enttäuschend höchstens die Resonanz aus Düsseldorf. Auf der Gerade gegenüber des MSV-Fanblocks sind riesige Löcher. 10.000 waren angekündigt, vielleicht 7000 werden es gewesen sein. Ich hatte mit mehr gerechnet. Wenn ich nach dem Spiel Fortuna-Fans sagen höre, das sei ja wohl ein Heimspiel für die Rot-Weißen gewesen, macht sich Verständnislosigkeit breit. Die beiden Längsgeraden und die Stehplatzgerade waren fest in blau-weißer Hand.
Trotzdem: Den Fortuna-Fans gebührt Respekt. In den ersten 30 Minuten habt Ihr zeitweise ordentlich Alarm gemacht. Nach den Gegentreffern habt Ihr Euch aber nur noch selbst gefeiert. Endlich mal wieder eine bundesligareife Kulisse in der MSV-Arena. Von der Stimmung im Stadion her war das für den MSV das Spiel des Jahres. Im Fanblock war nach dem 3:0 die Luft raus. Bis auf den Schluss. 'Steht auf, wenn Ihr Zebras seid!' - das war Gänsehaut, als das ganze Stadion sich erhob und applaudierte."
Manfred Kühnappel (MSV-Fan), Haupttribüne: "Von der Haupttribüne aus wanderte der Blick permanent nach rechts zum imposanten Fortuna-Fanblock. Wie die rund 7000 Düsseldorfer die Partie zum Heimspiel machten, das tat dem Duisburger Fan lange Zeit richtig weh und schüchterte den MSV tüchtig ein. Die Gastgeber kamen sich vor wie im falschen Film. Ausgezehrt nach Jahren der Abstinenz im Profifußball schrieen die Fortunen alles in Grund und Boden.
Der Schönheitsfehler: Die gigantische Euphoriewelle trug die Fortuna nicht zu Toren. Das wiederum spürten die Meidericher, allen voran der Rumäne Mihai Tararache, der mit seinem fulminanten 1:0 kurz vor der Pause für lähmendes Entsetzen im Gästeblock sorgte. Der Weg zum Sieg war damit geebnet. Denn die Zebras waren nach dem Wechsel erst mit dem Glück im Bunde, legten dann eiskalt nach und versetzten so ihren eigenen Anhang in Verzückung.
Plötzlich herrschte Partylaune auf den eigenen Rängen - mochte der Fortune noch so unermüdlich singen und singen und singen und singen und singen. Niemand nahm ihn mehr ernst. Der MSV-Fan sonnte sich derweil auf Platz drei, richtete es sich dort sogar gemütlich für zwei Wochen ein buchte im Kopf schonmal das Ticket für Kaiserslautern."
Tim Röhn (Fortuna-Fan), Fortuna-Fanblock: "Was für ein Abend! Das 0:3 war nebensächlich, denn die Fortuna-Anhänger veranstalteten über 90 Minuten - und noch eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff - eine einzige Party. Lautstarker Dauersupport, kein Nachlassen nach den Gegentoren, und von Duisburg trotzdem nichts zu hören - wir hatten ein Heimspiel!
Nur kurz nach den Toren konnte man vernehmen, dass überhaupt MSV-Fans da waren. Da wurde tatsächlich mal lautstark gefeiert, und für ein paar Augenblicke kamen die Fortunen nicht gegen die Stimmgewalt der 20.000 Duisburger an. Aber sonst? Entweder Fortuna ist supporttechnisch schon reif für den Europapokal oder der MSV gehört nicht in die 2. Liga. Kein Wunder, dass der ganze Fortuna-Block sang: 'Ihr seid leiser als Fortuna Köln...'
Und zur fantastischen Stimmung der Fortuna-Fans, die im TV rüberkam: Ja klar, das böse DSF hat die Außenmikros bestimmt alle vor den Fortuna-Block gestellt, um den MSV zu ärgern... Die sind so gemein."
Stephan Seeger (neutral), TV: "Frank Buschmanns war begeistert. 'Toll, was die Fortuna-Fans hier veranstalten', sagte der Kommentator in den letzten Minuten des Spiels. Und er hatte recht. Im Fernsehen waren nur die Fortuna-Fans zu hören, die MSV-Kurve blieb stumm. Als 'erstligareif' bezeichnete Buschmann die Atmosphäre im Stadion.
Auch Thomas Helmer zollte den mitgereisten Fans während des Gesprächs mit den Trainern Respekt. 'Da geht ja niemand nach Hause', sagte der Ex-Nationalspieler. Die Düsseldorfer gaben auch beim Auslaufen der Spieler noch ihr Liedgut zum Besten. Lediglich bei den Toren der Hausherren waren die in blau und weiß gekleideten Fans zu hören, den Rest der Partie bestimmten Gesänge aus Düsseldorf.
Schuld daran ist nach Meinung vieler MSV-Fans das DSF. Der TV-Sender habe die Mikrofone nur vor dem Gästeblock aufgebaut, schreibt ein User im Forum. Das wäre oft so bei Heimspielen der Duisburger."
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