MSV Duisburg: Spiel mit Trauerflor
VON HERMANN KEWITZ - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 15:28Keine Musik, keine Anfeuerung, keine Gesänge - nur Beifall, freundlich und plätschernd. Die Atmosphäre beim 1:1 (1:1) zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Bochum, einem durchaus wichtigen Test gegen einen Klassenkameraden, war eingefärbt von der Tragödie am Samstag.
Es hätte der Gedenkminute und der Worte von MSV-Kapitän Ivo Grlic, der im Namen aller Klubs aus dem Revier - Schalke, Dortmund und Essen eingeschlossen seine Betroffenheit zum Ausdruck brachte, gar nicht gebraucht. Deutlich zu spüren war: Dieses Spiel vor 4145 Zuschauern in der Arena ist anders. Und dann doch wieder nicht.
Auf dem Platz während der 90 Minuten präsentierten sich die Teams, wie man es erwarten durfte: professionell um den Ball bemüht. Erwartet auch, dass der Gast, geführt von Friedhelm Funkel die präziseren Zwischenspiele anbot. Torhüter David Yelldell konnte früh den Konkurrenzkampf gegen Marcel Herzog mit einer Rettungstat gegen Paul Freier eröffnen. In der 19. Minute war Yelldell dann machtlos.
Olivier Veigneau hatte Freier im Strafraum gefoult. Der Nordkoreaner Jong Tae-Se schob den fälligen Elfmeter cool ins rechte Eck. Der Mann, der bei der Hymne seines Landes während der WM weinte, traf lächelnd zur Führung für den Gast. Der MSV - mit Burakcan Kunt für Probespieler Tino Lagator in der gegenüber dem Spiel in St. Truiden kaum veränderten Startelf - hatte deutliche Mühe mit der Abwehr des Gastes. Und kam doch zum Ausgleich. Srdjan Baljak verwandelte elegant eine Vorlage von Kunt mit linken Außenrist in einen Heber, dem Philipp Heerwagen im VfL-Tor staunend nachschaute.
Bis auf Weiteres tat sich wenig vor den Toren und Milan Sasic beklagte nachher: „Wir haben zu viel Respekt vor dem Aufstiegsfavoriten gezeigt.“ Allzu oft habe seine Jungschar den Ball quer gespielt, statt den Weg nach vorn zu suchen. Sasic: „Das hat mir nicht gefallen.“ Trotzdem: Mit Beifall - freundlich plätschernd - ging’s zum Pausentee. Im zweiten Durchgang sorgte dann Olcay Sahan dafür, dass der Puls etwas schneller schlug, als er freistehend einen von Yilmaz sauber servierten Ball neben das Tor köpfte.
Der MSV arbeitete stetig, bewies Willen und bei eingeschränkter Torgefahr einen Funken Spielfreude. So hielten die Hausherren einen VfL Bochum, der seine Aufstiegsqualitäten entweder noch finden muss oder sie dem Zebra nicht zeigen wollte, in Schach. Der zur Pause eingewechselte Marcel Herzog war erst in der 75. Minute bei einem Schuss von Dedic mehr gefragt. Der Zuspruch von den Rängen verwandelte sich so mitunter von plätschernd in aufmunternd. Verdient.
Hätte Julian Koch in der 84. Minute nach einem Freistoß von Benjamin Kern präziser geköpft - die Fans hätten vielleicht ganz ihre respektvolle Zurückhaltung aufgegeben. Am Rande: Peter Neururer war erstmals nach seiner Rauswurd wieder in der Arena.
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