Loveparade-Unglück: 100.000 Besucher zu Trauerfeier erwartet
VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Loveparade-Unglück (RPO). Bis zu 100.000 Besucher werden erwartet, die sich am Samstag die Übertragung der Trauerfeier auf Großleinwänden anschauen wollen und damit ihrer Betroffenheit und Anteilnahme Ausdruck verleihen.
Die Menge der Menschen, die es an den Ort der Katastrophe im Karl-Lehr-Tunnel zieht, wird immer größer. Sie kommen, um sich in das dort ausliegende Kondolenzbuch einzutragen, Blumen und Kerzen niederzulegen, wieder andere wollen einfach nur beten oder in Stille gedenken. Mittlerweile musste das dritte Kondolenzbuch ausgelegt werden, weil die ersten beiden bereits beschrieben sind.
Eintragen kann man sich mindestens noch bis zum kommenden Freitag, jeweils in der Zeit zwischen 9 Uhr und Mitternacht. Die Bücher sollen später im Landesarchiv aufbewahrt werden, sagte gestern Dr. Michael Willhardt vom Verein "Zukunftsstadtteil", die die Initiative zu dieser Aktion hatte.
An die Getöteten und Schwerverletzten erinnern und ihr Mitgefühl zum Ausdruck bringen werden auch die Teilnehmer der zahlreichen Trauerfeiern und -märsche, die für die kommenden Tage angekündigt sind. Die größte Beteiligung wird bei der Trauerfeier am Samstag in der Salvatorkirche erwartet, die auf Videoleinwänden am Burgplatz, im Innenhafen (und möglicherweise wegen des großen Interesses auch noch in der MSV-Arena) übertragen wird. "Es können 10 000, aber auch 100 000 Besucher sein", sagte gestern Polizeisprecher Ramon van der Maat.
In der Kirche selbst ist nur Platz für 550 Personen. Für die Sicherheit der Besucher wird während der Veranstaltung nicht die Duisburger Polizei zuständig sein. "Die Einsatzleitung wurde an die Polizei Essen abgegeben", so van der Maat und erklärt: "In der Stadt finden an diesem Tag zu viele andere Veranstaltungen statt, mit denen sich die örtliche Polizei befassen muss." Organisiert wird die Trauerfeier von der Düsseldorfer Staatskanzlei gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche. Gestern kamen die Verantwortlichen nach Duisburg, um vor Ort weitere Details zu klären. "Die Planungen haben erst am Dienstag begonnen", bat ein Sprecher der Evangelischen Kirche um Verständnis, noch keine Einzelheiten mitteilen zu können.
Sicher ist, dass Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, die etwa 45-minütige Feier leiten werden. "Der Gottesdienst wird wahrscheinlich zweigeteilt sein," sagte Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen. Präses und Bischofs werden die liturgischen teil bestreiten, danach reden Politiker, so zum Beispiel Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Ob auch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Bundespräsident Christian Wulff das Wort ergreifen werden, steht hingegen noch nicht fest.
Auch Angehörige der Opfer sind zu dem ökumenischen Gottesdienst eingeladen. Anschließend sollen sie in der Karmelkirche im Innenhafen seelsorgerisch betreut werden und dort versuchen, wieder zur Ruhe zu kommen. In der Überlegung ist auch, es hier zu einem Zusammentreffen der Angehörigen mit Bischof Overbeck, Präses Schneider, vielleicht auch mit Merkel, Wulff und Kraft kommen zu lassen.
Am heutigen Donnerstag beginnt um 10 Uhr eine privat-organisierte Demonstration vor dem Rathaus. Die Universität hat für den gleichen Tag für 18 Uhr zu einer ökumenischen Trauerfeier in das Mercatorhaus an der Lotharstraße eingeladen. Ebenfalls weitgehend privat organisiert ist ein für Samstag, 16 Uhr, geplanter Trauermarsch vom Ostausgang des Hauptbahnhofes zum Unglücksort im Karl-Lehr-Tunnel.
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