Duisburg: 23 Ampeln leuchten wieder
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009Duisburg (RPO). Die Idee klang gut: Durch die nächtliche Abschaltung von Ampeln sollten Lärm und Abgase vermieden werden, der Verkehrsfluss verstetigt und Kosten gespart werden. Nach einem Jahr fällt eine Bilanz durchwachsen aus.
Im August 2007 begannen die Wirtschaftsbetriebe mit der Abschaltung. An 353 von insgesamt 520 Anlagen blieben die Lichter nachts dunkel, und zwar an Fußgängerüberwegen zwischen 20 und 6 Uhr, an den übrigen Kreuzungen und Einmündungen zwischen 23 und 5 Uhr.
In 23 Fällen wurde zwischenzeitlich wieder ein Rückzieher gemacht. Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) und die Feuerwehr setzten sich jeweils durch. Die DVG hatte moniert, dass die Beschleunigung der Straßenbahnen durch die fehlenden Vorrangschaltungen und die Zwangshalte verloren gingen.
Die Feuerwehr setzte durch, dass an Feuerwehrausfahrten und benachbarten Kreuzungen die Ampeln wieder eingeschaltet wurde. Das erlaube sichere und zügigere Rettungsfahrten und erspare vielfach den nächtlichen Einsatz des ruhestörenden Martinshorns. Inzwischen hat die Stadtverwaltung eine Zwischenbilanz vorgelegt. Wie ist sie ausgefallen?
Wie gehts's weiter?
Die Abschaltung ist nicht befristet worden. An Kreuzungen mit häufigeren Unfällen können die Ampeln aber wieder in Betrieb genommen werden. Nachdem sich die Bezirksvertretungen mit der Zwischenbilanz befasst haben, wird der Rat sie in seiner nächsten Sitzung am 28. September diskutiert. Der nächste Erfahrungsbericht soll 2011 vorgelegt werden.
Pro: Zurzeit sind 328 Ampelanlagen nachts abgeschaltet. Die Einsparung an Energiekosten wird auf rund 46 000 Euro jährlich beziffert. Weitere 50 Ampelanlagen sollen noch dazu kommen. Sie werden aus technischen Gründen erst dann umgeschaltet, wenn sie ohnehin neue Steuergeräte bekommen hätten. Weitere Energieeinsparungen kämen dann hinzu. Weitere 7500 Euro ließen sich einsparen, wenn die Nachabschaltung von 23 auf 22 Uhr vorgezogen würde. Dazu kommen Lärm- und Abgasminderungen, weil Autos nicht mehr unnötig warten müssen und weniger abgebremst und angefahren werden muss. Einen Einfluss auf illegale nächtliche Autorennen Jugendlicher hat die Nachtabschaltung nicht. Polizeisprecher Achim Blättermann: "Das beeindruckt die Raser nicht. Wenn es bei Tempo 50 grüne Welle gibt, dann vielleicht auch bei Tempo 90 oder 180."
Contra: Die Zahl der Unfälle ist gestiegen. In einer Polizeistatistik sind dreieinhalb Jahre ohne Nachtabschaltung mit einem Zeitraum von einem Jahr mit Nachtabschaltung verglichen worden. Danach gab es vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Juli 2007 drei Verkehrsunfälle mit Personenschäden und einen schwerwiegenden Verkehrsunfall mit Sachschaden. In den ersten zwölf Monaten der Nachtabschaltung wurden 21 Verkehrsunfälle mit Personenschaden (vier Schwer- und 35 Leichtverletzte) sowie 15 schwerwiegende Verkehrsunfälle mit Sachschaden verzeichnet. Zahlen für das vergangene Jahr wurden noch nicht genannt. Das wäre aber interessant, denn eine anfängliche Steigerung der Unfallzahlen war von Anfang an prognostiziert worden. In anderen Städten mit Nachtabschaltung (Mülheim, Essen Mettmann) waren die Unfallzahlen im ersten Jahr der Abschaltung ebenfalls gestiegen, um dann nach einer gewissen Eingewöhnung wieder zu sinken.
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