Duisburg: 25 Jahre Schimanski
VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 23.03.2007Duisburg (RPO). Götz George kehrte einmal zurück: Zum 25-jährigen Fernsehjubiläum von Kommissar Horst Schimanski besuchte der 68-jährige Schauspieler den Drehort von „Duisburg-Ruhrort“, seinem ersten „Tatort“.
Seinen Auftritt hätte Götz George nicht spektakulärer wählen können: Mit ausgebreiteten Armen und allein auf dem Bug des Polizeibootes WSP 8 im Wind stehend legte der berühmteste Fernsehkommissar des Ruhrgebiets in Duisburg-Ruhrort an – 25 Jahre nachdem der Stadtteil sogar mit einer eigenen Folge bedacht wurde. George kam im Original-Schimanski-Outfit. Einzig der Bart musste angeklebt werden. Natürlich trug er jene grau-beige „Schmuddeljacke“, in der er bereits zwischen 1981 und 1991 in 29 „Tatort“-Folgen als unkonventioneller Kommissar die Gemüter der Nation erregte, ehe er den Dienst quittierte, um 1997 wieder als Kommissar außer Dienst auf Verbrecherjagd zu gehen.
Götz George
Person Er wurde am 23. Juli 1938 in Berlin als Sohn des Schauspieler-Ehepaares Heinrich George und Bertha Drews geboren.
Erfolge „Der Totmacher“, „Solo für Klarienette“ und „Schtonk“; für letzteren erhielt er den bayrischen Fernsehpreis.
Zum 25-jährigen Fernsehjubiläum von Horst Schimanski ist George gern „in den Pott“ gekommen. Obwohl er in seiner Rolle nicht immer geliebt wurde. „Schimanski war für damalige Verhältnisse eben etwas völlig Neues. Er verkörperte den Einzug des Proletariats“, erklärt Programmdirektor Ulrich Deppendorf. Es sei ihm gelungen, Bürgerlichkeit und Freiheit mit Humor zu paaren. Allerdings polarisierte er auch – gerade in Duisburg.
Der ehemalige Oberbürgermeister Josef Krings erinnert sich: „Ich war gegenüber Schimanski gespalten. Das ist wie beim Muschelessen. Entweder man liebt es, oder man lehnt es ab.“ Erst als zwei echte Kommissare aus Frankreich nach dem berühmten „Schimi“ fragten, änderte er seine Meinung.
Nun war der ehemalige Oberbürgermeister zu Georges Jubiläumsfeier gekommen, um sich zu bedanken. Er habe viel für die Stadt und deren Ansehen getan. Schimi sei zwar „immer noch ein Prolet“, aber er habe den Wandel Duisburgs mitvollzogen. Der Kommissar ist politischer geworden. Trotz allem bleibt seine Art zu ermitteln unverwechselbar. Er steht für Courage, Bodenständigkeit und Menschlichkeit. Schimanski ist das soziale Gewissen der Deutschen; einer, der sich seine große Klappe und seine Gefühle nicht verbieten lässt. Wenn es die Ermittlungen verlangen, betrinkt er sich schon mal mit streikenden Stahlarbeitern und auch eine Schlägerei scheut er nicht.
Wie viel George mit Schimanski gemeinsam hat, hat er nicht verraten. Der 68-Jährige bezeichnet sich selbst als stillen Zeitgenossen. Einer, der es hasst, in voll besetzten U-Bahnen zu fahren, der Menschenmassen meidet. Einer, der die Einsamkeit liebt und Tage, an denen er nicht viel reden muss. Das Bedürfnis nach Einsamkeit soll auch der Grund gewesen sein, warum George sich nach Jahren als Theaterschauspieler für die „anonymere Variante“ Film und Fernsehen entschied. Er mag es nicht, wenn die Leute ihn anstarren und kommentieren „ist der alt geworden“. Deshalb zog er es bei der Premiere des neuen Schimanskis, der am 22. April um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen sein wird, auch vor, in der letzten Reihe zu sitzen.
An Abschied denkt Götz George jedoch nicht. Auch wenn er nicht mehr so hitzköpfig agiere und über Kühlerhauben rolle wie noch vor einigen Jahren. „Ich bin eben älter geworden“, sagt der Schauspieler. „Aber ich werde so lange weitermachen, wie man mich lässt und wie ich von den Leuten geliebt werde.“
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