Duisburg: 450 Frauen lassen Dampf ab
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 22.02.2008Duisburg (RPO). Die Warnstreiks der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gingen gestern in die nächste Runde. 60 der 75 städtischen Kitas blieben geschlossen. Auf dem Burgplatz versammelten sich die Erzieherinnen zu einer Kundgebung.
„Alles wird teurer – wir auch“ skandieren die rund 450 Erzieherinnen, die sich pünktlich um 10 Uhr vor dem Rathaus eingefunden haben. Gisela Hafer-Lengkeit, Sprecherin der Fachgruppe Erzieherinnen bei Verdi, lässt ihrem Unmut freien Lauf. Einen ganzen Katalog von Beschwerden hat sie im Gepäck: „Nach vier Jahren Ausbildung beträgt das Einstiegsgehalt einer Erzieherin gerade einmal 1300 Euro netto. So viel verdient auch eine Reinigungskraft, die schon etwas länger dabei ist. Wir wollen den Anschluss an die allgemeine Gehaltsentwicklung“, ruft sie der Menge zu – und erntet dafür viel Applaus.
Zudem, beschwert sie sich, seien die Aufstiegsmöglichkeiten mit dem jüngsten Tarifabschluss schlechter geworden. Bestimmte Einkommensstufen könnten junge Kollegen heute gar nicht mehr erreichen. Und die meisten von ihnen bekämen ohnehin nur noch zeitlich befristete Verträge. „Die Menschen werden dauergeparkt. Eine Lebensplanung ist da gar nicht mehr möglich.“ Jana Geselbracht nickt. Die 22-Jährige hat in der Kindertagestätte an der Düsseldorfer Straße nur einen Jahresvertrag bekommen. „Meine Zukunft ist völlig ungewiss. Ich weiß einfach nicht, wie es danach weiter geht. Planen kann man da gar nicht“, sagt sie.
Aber auch für die Erzieherinnen, die schon ein wenig länger im Geschäft sind, gibt es Tücken. Will jemand etwa den Arbeitgeber wechseln oder im selben Haus eine neue Stelle antreten, muss er aufpassen: „Selbst wenn es eine höhere Stelle ist, kann es passieren, dass er weniger verdient“, erklärt Birgit Ersoy, stellvertretende Leiterin der Kita Schumannstraße. Der Grund: Man wird in der Erfahrungsstufe zurückgestuft. Würde sie sich auf die Stelle ihrer Chefin bewerben, bekäme sie zunächst einmal weniger Geld. „Für so manchen, der das nicht wusste, gab es schon ein böses Erwachen.“
Chronischer Personalmangel
Elisabeth Wefers, die die Kindertagesstätte Am Hochheider Busch leitet, stimmt ihr zu: „Viele qualifizierte Kollegen bewerben sich daher erst gar nicht auf höhere Positionen mit mehr Verantwortung“, sagt sie. So sei es immer schwieriger, gute Leiterinnen und Stellvertreterinnen zu finden. Daran leide natürlich auch die Qualität der ganzen Einrichtung.
Zur Sprache kamen gestern vor dem Rathaus auch noch ganz andere Probleme – so etwa der chronische Personalmangel und die daraus resultierende Mehrarbeit für die Erzieherinnen. „Gleichzeitig steigen die Ansprüche ständig“, betont Gisela Hafer-Lengkeit. So brächten etwa die neuen Familienzentren viele zusätzliche Aufgaben mit sich.
Außerdem könne es nicht sein, dass Männer mit einer vergleichbaren Ausbildung im öffentlichen Dienst um ein Vielfaches mehr verdienten als Frauen. „Das ist Diskriminierung. Daran muss sich dringend etwas ändern“, fordert die Verdi-Sprecherin. „All das zusammen bringt das Fass wirklich zum überlaufen.“
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