Duisburg: 6000 Stahlarbeiter protestieren
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010 - 18:27Mehr als 6000 Stahlarbeiter haben am Donnerstag im Landschaftspark gegen die Spekulation mit Rohstoffen wie Eisenerz und Kohle demonstriert. Die IG Metall sieht dadurch jeden dritten Arbeitsplatz in der Industrie gefährdet.
„Das war ein guter Auftakt. Ich hoffe, die Botschaft, die heute von hierausgegangen ist, kommt in der Politik an“, sagte Dieter Kroll, Arbeitsdirektor von ThyssenKrupp Steel Europe nach der Kundgebung. Zuvor hatten rund 6000 Beschäftigte in der Stahlindustrie gegen Rohstoffspekulationen demonstriert und einen europäischen Rohstoff- und Energiegipfel gefordert. „Es geht schließlich um unsere Arbeitsplätze“, erklärte Duisburgs IG Metall-Chef Jürgen Dzudzek. Auch in Duisburg sieht die IG Metall langfristig jeden dritten Arbeitsplatz in der Stahlindustrie gefährdet.
Hintergrund sind Spekulationen und Preisabsprachen der drei Eisenerzkonzerne Vale (Brasilien) sowie BHP Billiton und Rio Tinto (beide Australien), die zusammen rund 70 Prozent des Weltmarktes kontrollieren. Willi Segerath, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Steel, bezifferte den Preisanstieg beim Eisenerz auf 453 Prozent in den vergangenen sieben Jahren. Nun drohe eine neue Preisexplosion um weitere 130 Prozent. Die Rohstoffkosten machten rund 70 Prozent des Preises pro Tonne Stahl aus – die Lohnkosten lediglich zehn Prozent. „Deshalb geht unser Appell an Politik und Wirtschaft gleichermaßen: Handelt endlich, das Casino für die Börsenzocker muss geschlossen werden!“ Bertin Eichler vom Bundesvorstand der IG Metall forderte einen europäischen Rohstoff- und Energiegipfel und verlangte neue Regeln für die Finanzmärkte.
Umsonst arbeiten
„Wir könnten umsonst arbeiten – die Unternehmen würden trotzdem noch rote Zahlen schreiben“, meinte Ulrich Kimpel, Betriebsratsvorsitzender von HKM. Die Beschäftigten aus Hüttenheim hatten neben den Stahlarbeitern aus Hamborn und Beeckerwerth die kürzeste Anreise. Dagegen waren die Mitarbeiter von Saarstahl Völklingen und der Dillinger Hütte bereits am Morgen um 6 Uhr losgefahren, um pünktlich um fünf vor zwölf im Landschaftspark zu sein. Neben den Saarländern waren auch Stahlarbeiter aus Salzgitter und Peine und von Arcelor Mittal aus Bremen vertreten. Dazu kamen Beschäftigte der Thyssen-Standorte Bochum, Dortmund, Siegen und Finnentrop, aus Rasselstein, Andernach und Neuwied, aus Gelsenkirchen, aus Krefeld und Dillenburg. Mit Bussen waren die Demonstranten nach Duisburg gefahren. Die Sorge um den Arbeitsplatz stand vielen ins Gesicht geschrieben. Einer von ihnen ist Heinrich Fries. Der 53-Jährige arbeitet seit 38 Jahren bei ThyssenKrupp. „Ich habe echte Angst um meinen Arbeitsplatz, sonst wäre ich nicht hier. Ich will meinen aufgebauten Wohlstand behalten und nicht von Hartz IV leben müssen“, erklärte er.
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