Duisburg: 70 Kilometer unterwegs mit Schafen
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010Duisburg (RPO). Ein Kommando erklingt, und Hirtenhund Dave flitzt los. In Windeseile umrundet der Border Collie die Schafherde von Maik Dünow. Dann folgen die Tiere ihrem Hirten aufs Wort – immer weiter die Emscher entlang.
Rund 70 Kilometer führt der Weg für den Schäfermeister und seine Herde im Rahmen des Hirtenzugs an dem Gewässer entlang. "Eigentlich wäre das die Strecke für meinen Chef Heinz-Peter Trockel gewesen", sagt der 36-Jährige. Trockel war einer der Initiatoren des Hirtenzuges, verstarb jedoch im November plötzlich. "Für mich stand fest, dass ich das für ihn machen muss", sagt Dünow. "Natürlich kommt so etwas wahrscheinlich nur einmal im Leben, und es ist auch eine Herausforderung", sagt der Schäfermeister über seine Teilnahme am Hirtenzug.
Bereits seine Ausbildung zum Schäfer hatte er im Betrieb von Heinz-Peter Trockel absolviert und auch seine Meisterprüfung gemacht. Nach dem Tod seines Chefs übernahm er den Betrieb, in dem er zuvor fast 20 Jahre gearbeitet hatte.
Wegen des steigenden Verwaltungsaufwands in seinem Beruf bleibt zu Maik Dünows Leidwesen immer weniger Zeit, die er mit seinen rund 800 Schafen verbringen kann. Umso mehr genießt er die Arbeit in der Natur. "Jeder Tag mit den Schafen ist ein schönes Erlebnis", sagt der Hirte über seine Woche mit den Tieren und setzt hinzu: "Ich hatte nie einen anderen Wunsch, als Schäfer zu werden. Mein Vater war schon Schäfer, und es gab für mich nie etwas anderes."
Dünow unterstreicht, dass seine Tiere nicht einfach nur nette Lieferanten für Wolle, sondern auch wichtig für die Landschaftspflege seien. "Ohne die Schafe wäre hier alles ein Wald von Büschen", sagt der Schäfermeister. Die Tiere halten das Gras kurz, sorgen für Dünger und stampfen auf den Deichen den Boden fest, so dass diese einen besseren Schutz vor Hochwasser bieten. "Und für die Touristen sind die Schafe auch was fürs Auge", meint Maik Dünow. Daher läuft der Hirtenzug auch unter dem Motto "Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben." Zum Erhalt der Kulturlandschaft tragen die Merinoschafe des 36-jährigen Schäfermeisters in Emmerich, Bottrop, Duisburg und Wesel bei.
Am Samstag wird Maik Dünow mit seinen Tieren wieder in Walsum sein. Dort findet dann im Rahmen des Hirtenzugs ein großes Fest statt, bei dem sich alles um Schafe drehen wird. "Wir haben mehr als 20 Stände mit Informationen und Produkten", sagt der Schäfermeister. Neben Schafskäse wird es dort auch Lammgrillwurst zu kosten geben. Auf die Kinder wartet ein Streichelzoo, und es gibt Vorführungen im Schafehüten und Wolle spinnen. Am Dienstag wird Maik Dünow den Hirtenstab, den alle Teilnehmer des Zuges auf ihrem Weg tragen, an seinen Kollegen Franz Eikermann übergeben, der dann mit seinen Schafen in Richtung holländischer Grenze ziehen wird.
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