Duisburg: 70 Prozent Heizkosten sparen
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 05.12.2009Duisburg (RPO). Dr. Jörg Albert schleicht um die Häuser – aber nur in der Kälte und bei Dunkelheit. Der Ingenieur ist Thermografie-Experte und den Wärmelecks an Gebäuden auf der Spur. Denn die können ganz schön teuer sein.
Alberts ganzer Stolz sind seine Wärmebildkameras. "Die kosten jeweils so viel wie ein E-Klasse-Mercedes, sie sind aber auch sehr vielseitig", sagt er. In der DDR wurden sie zur Grenzsicherung eingesetzt, die Feuerwehr kann damit Glutnester ausmachen, bei Pferden kann genau festgestellt werden, wo der neue Sattel drückt. Feuerfestformen in der Stahlindustrie lassen sich in punkto Wärmeausbreitung analysieren, und selbst beim Profi-Tennis wurden eine Zeitlang Wärmebildkameras eingesetzt. Wo der Ball aufschlug, entstand Reibung – und so ließ sich nachvollziehen, ob er nun auf oder neben der Linie landete.
Die Hightechgeräte können schon minimale Temperaturunterschiede im Bild festhalten. Ein dunkles Blau steht für eine gute Wärmedämmung, in Abstufungen stehen rot, gelb oder gar weiß für mögliche Wärmelecks. "Eine gute Gebäudeisolierung kann die Heizkosten um bis zu 70 Prozent senken", so Albert.
Den Effekt kann der Ingenieur anhand von Wärmebildern eines Duisburger Reihenhauses eindrucksvoll belegen: Ein Mittelhaus erstrahlt in hellem Gelb, während die Nachbarhäuser links und rechts so tief dunkelblau sind, dass sie nur anhand der helleren Fenster zu erkennen sind. Auf Tageslichtfotos sieht das Mittelhaus dagegen aufgrund eines neuen Anstrichs sogar schmucker aus als die Nachbarhäuser. "Da kann man davon ausgehen, dass die Bewohner neben dem schlecht isolierten Haus nur 30 Prozent der Heizkosten zahlen, die die Bewohner des Mittelhauses zahlen müssen", erläutert Albert.
Die Nachfrage nach Thermografiebilder steigt proportional zu den Energiekosten. "Langfristig geht es da doch nur in eine Richtung: aufwärts", meint Albert. Wer sparen will, aber eigentlich nicht so gerne friert, dem hilft nur eine gut isolierte Immobilie. Dabei gilt es vor allem, Wärmelecks zu vermeiden. Die sind weder zu fühlen noch mit bloßem Auge sichtbar – die Thermografie macht's möglich. Allerdings nur im Dunkeln, und wenn die Temperaturen fünf Grad plus nicht überschreiten. Regnen darf es allerdings auch nicht.
Die typischen Wärmelecks sind an Fenstern, Türen, Lichtschächten oder Dächern. "Das gilt auch für die Stellen, an denen nachträglich eine neue Satellitenschüssel installiert wurde. Wenn die Dachisolierung anschließend nicht wieder genau in ihre ursprüngliche Position gebracht wird, ist eine kreisrundes Wärmeloch zu erkennen", sagt Albert.
Beton isoliert schlecht
Vielfach sind die Kunden überrascht, wenn sie mit der Auswertung der Thermografie ihres Hauses konfrontiert werden. "Das hängt häufig mit der Wärmeleitfähigkeit von Baumaterialien zusammen. Massive Fensterstürze sind oft gerade wegen ihrer Zusammensetzung problematisch. Beton und massive Kalksandsteine isolieren schlechter als Baustoffe mit Luftzwischenräumen."
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