Duisburg: Akademiekonzert: Wien, Ruhrort, Paris
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 15.12.2011Duisburg (RP). Ausverkauft war das Auditorium der Franz Haniel-Akademie in Ruhrort jetzt beim ersten Haniel Akademie-Konzert der Saison. Denn es traten nicht nur fünf Bläser der Duisburger Philharmoniker auf, sondern auch der 1965 in Wien geborene Pianist (und Dirigent) Stefan Vladar, Duisburgs derzeitiger "Artist in Residence".
Das schlüssige und attraktive Programm wurde beim diesjährigen Bläserworkshop an der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Kunst im italienischen Montepulciano erarbeitet, eine Woche im Mai. Dozenten waren Renate Greiss-Arnim, Professorin für Flöte an der Musikhochschule Karlsruhe, und Stefan Vladar. Die Gesellschaft der Freunde der Duisburger Philharmoniker unterstützte damit bereits zum zweiten Mal einen Workshop in der toskanischen Fortbildungsstätte. Man merkte, dass der Abend besonders intensiv durchdacht und geprobt war.
Er schlug einen Bogen vom alten Österreich nach Frankreich. Dafür stand schon das Quintett Es-Dur op. 88 Nr. 2 (1813) von Antonín Reicha, denn dieser Komponist wurde in Prag geboren, im selben Jahr 1770 wie Ludwig van Beethoven, mit dem er sich in Wien anfreundete, beim gemeinsamen Studium bei Wolfgang Amadeus Mozarts Konkurrenten Antonio Salieri.
Später ging Reicha nach Paris, wo er an der Oper gute Bläser vorfand und so die Gattung des Bläserquintetts begründete. Das hier aufgeführte seiner 24 betreffenden Werke zeigt eine sympathische Nähe zu Mozarts "Zauberflöte" und doch viel Eigenes. Der stellvertretende Solo-Flötist Martin Kühn, die stellvertretende Solo-Oboistin Imke Alers, der stellvertretende Solo-Klarinettist Andreas Oberaigner, der stellvertretende Solo-Hornist Nicolai Frey und der langjährige Fagottist Anselm Janissen legten es in bemerkenswerter Klarheit dar.
Ganz natürlich folgte darauf Beethovens Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott Es-Dur op. 16 (1796). Stefan Vladar verband sich mit den vier philharmonischen Bläsern zu einem eng verzahnten Ensemble, das auch den schärferen Akzenten dieser Musik durchaus Raum gab.
Nach der Pause konnte sich Martin Kühn, der einst bei Renate Greiss-Arnim in Karlsruhe studierte, mit Franz Schuberts Introduktion und Variationen über das eigene Lied "Trockne Blumen" für Flöte und Klavier op. posth. 160 D 802 (1824) besonders virtuos profilieren. Und mit dem heiteren Sextett (1932, revidiert 1939/40) von Francis Poulenc gaben die Musiker noch ein geschliffenes Finale.
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