Duisburg: Alberto Giacometti: Die ägyptische Göttin
zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Duisburg (RPO). Im Wilhelm-Lehmbruck-Museum ist bis zum 18. April die Ausstellung "Alberto Giacometti – die Frau auf dem Wagen. Triumph und Tod" zu sehen. In einer kleinen Serie begleitet die RP diese international bedeutsame Schau. Autor ist der Kurator der Giacometti-Ausstellung und und stellvertretende Museumsdirektor, Dr. Gottlieb Leinz.
Der Fotograf Ernst Scheidegger besuchte erstmals um 1943/45 während seines Militäreinsatzes im schweizerischen Maloja/Kanton Graubünden das Atelier Giacomettis. Hier sah er die in Gips ausgeführte und bemalte "hohe Figur einer Frau mit eng anliegenden Armen auf einem fast quadratischen Sockel, einer Plattform mit gipsverschmierten Holzrädern".
Dies ist die im Mittelpunkt der Ausstellung stehende "Frau auf dem Wagen". Die erst um 1959 gemachten Fotos zeigen diese originale Aufstellung. Sie sind von größter Bedeutung , da sie genau jene Situation festhalten, die heute nicht mehr besteht. Denn das Gemälde ist Jahrzehnte später auf Veranlassung des Bruders Bruno Giacometti aus der Wand ausgesägt und verkauft worden. Die Ausstellung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum sucht nun den ursprünglichen Zustand zu rekonstruieren, indem erstmals wieder die originale Gipsfigur mit dem zugehörigen "Schatten", dem Bild auf der Wand, vereint wird.
Dieses programmatische Gemälde aus Farbe und Gips mit dem frontal ausgerichteten Frauenakt wird – so die neueste Forschung – zuerst auf die hölzerne Bretterwand des Ateliers in Lebensgröße ausgeführt worden sein, ehe Giacometti mit dem gleichen Gips seine Plastik modellierte und mit den gleichen Farben lebensvoll bemalte. Auf diese Weise gelang Giacometti endlich – jahrelang formte er nur Figuren und Köpfe im Miniaturformat – die Realisierung einer monumentalen dreidimensionalen Figur, als sei diese aus der Fläche der Bretterwand in den realen Raum herausgetreten.
Es war Isabel Lambert, eine Freundin und Künstlerin in Paris, die für diese Figur als Modell diente und die Giacometti schon Jahre zuvor als "Ägypterin" dargestellt hatte.
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