Duisburg: Alles aus einer Hand
VON STEPHANIE KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 06.06.2008Duisburg (RPO). Es gibt ihn noch, den Tante-Emma-Laden. Ehepaar Bieletzki leitet ihn direkt an der Sudetenstraße. Die hauseigene Bäckerei führt Ehemann Johann Bieletzki. In seiner Backstube macht er fast alles noch per Hand.
Buchholz. Es gibt ihn noch, den Tante-Emma-Laden gleich nebenan. Versteckt zwischen Einfamilienhäusern führt Ehepaar Bieletzki seit mehr als 35 Jahre ihr Lebensmittelgeschäft samt Bäckerei an der Sudetenstraße.
Es ist ein überschaubares Geschäft mit allem Nötigen, das für den Alltag gebraucht wird: frisches Obst und Gemüse, Butter, Käse oder Wurst. Wer dort einkauft. kann auf nette Bedienung zählen. „Wir haben uns bewusst gegen ein großes Unternehmen entschieden“, erklärt Marianne Bieletzki. Sonst hätten sie niemals das familiäre Ambiente halten können. Und dabei ist es doch das, was das Lebensmittelgeschäft ausmacht. Die 56-Jährige ist eine Frau mit engmaschigem Gedächtnis. Fast alle Kunden spricht sie mit Namen an. Kommt jemand neu ins Geschäft, scheint es so, als würde sie ihre Festplatte neu aktivieren und die neugewonnene Dateninformation auf Lebzeit abspeichern. Gelernt hat Marianne Bieletzki das während ihrer Lehrzeit bei der Familie Bieletzki. Da arbeitete sie schon mit ihrem Mann zusammen.
1956 eröffnete Vater Johann Bieletzki eine Bäckerei an der Düsseldorfer Landstraße/ Ecke Römerstraße. Später zog der Bäckermeister an die Grazer Straße und wurde schließlich an der Sudentenstraße sesshaft. Dass sich die Bäckerei zu einem kleinen Lebensmittelgeschäft mauserte, war eher ein Selbstläufer. „Üblich war es schon immer, ein gewisses Sortiment anbieten zu können“, sagt Inhaber Johannes Bieletzki. Und das will der Bäcker aus Überzeugung auch heute noch. Bieletzki backt nach alter Tradition „noch auf der Herdplatte“, wie er sagt. Per Hand verziert, ist jedes einzelne Törtchen und Brötchen ein Unikat. Nur das Nötigste wird mit Maschinen erledigt: Teig kneten und in Portionen teilen. Die Kundschaft schätzt die liebevolle Zubereitung und hat nicht selten Extrawünsche. „Ich backe zu jedem Anlass“ – Hemden mit Krawatte aus Marzipan, Pferde aus Mürbeteig zur Reiterprüfung oder ein Kinderwagen aus Brotteig für die Geburt. Bieletzki lässt seiner Fantasie gern freien Lauf, ohne Schablone, sondern aus dem Kopf heraus.
Ehepaar Bieletzki hat sein Einkommen. Mehr bräuchte es nicht. Bescheiden geben sich die beiden, wenn es ums Ansehen geht. „Eigentlich wollen wir nur, dass unsere Kundschaft zufrieden ist“, stellt Marianne Bieletzki fest. Dafür steht sie mit ihrem Mann morgens um vier Uhr auf. Er wirft den Ofen an und sie fährt auf den Großmarkt, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Zur Spargelzeit fährt sie sogar bis nach Uedem und kauft die Stangen gestochen frisch.
Doch auch Bieletzkis merken: „Die Zeiten haben sich verändert.“ Gab es früher gerade mal vier Brötchensorten, hat der Bäckermeister heute bis zu 22 auf dem Backplan. Und durch die undurchsichtige Bürokratie müssen die beiden nicht selten abends länger arbeiten. Doch das bringt sie nicht aus der Fassung. Und so bleibt sogar noch Zeit, regelmäßig Schulklassen einzuladen, um den Kindern das Bäckerhandwerk zu zeigen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







