Duisburg: Angeklagter mit neuer Version
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 18.09.2009Duisburg (RPO). Der Prozess um die Schüsse auf einen heute 24-jährigen Bochumer im Revierpark im Oktober 2008 wurde gestern fortgesetzt. Der Angeklagte erklärte, nicht er, sondern ein Bekannter namens "Ahmed" habe damals geschossen.
Gleich drei Mal hatte Mustafa B. bei Vernehmungen bei der Polizei und der Haftrichterin erklärt, dass er die Schüsse auf den damals 23-jährigen Bochumer abgegeben habe. Gestern schilderte er vor Gericht eine andere Version. Nicht er, sondern ein Bekannter namens Ahmed habe geschossen. Er habe ihm daraufhin die Waffe abgenommen und zusammen mit Munition in der Wohnung seiner Lebensgefährtin aufbewahrt. Als er wenige Tage nach den Schüssen im Revierpark festgenommen wurde, hatte er kurz vorher noch die Tatwaffe aus dem Fenster geworfen.
Motiv ist noch unklar
Einige Mühe hatte der Vorsitzende Richter gestern, dem Angeklagten einen exakten Ablauf des Tathergangs zu entlocken. Fest steht zumindest, dass Mustafa B. über einen SMS-Chat im TV-Videotext Kontakt zum späteren Opfer aufnahm. Dazu hatte er sich als Frau türkischer Abstammung ausgegeben und in dem Text ein nächtliches Treffen im Revierpark vereinbart. Zuvor habe er wegen Zahnschmerzen fast eine ganze Flasche Raki getrunken.
Statt einer jungen Türkin traf der ebenfalls türkischstämmige Bochumer aber im Revierpark nur auf einen vermeintlichen Jogger, mit dem er ins Gespräch kam. Warum es am Ende dazu kam, dass das damals 23-jährige Opfer einen Kopfschuss und einen Schuss in den Rücken bekam, blieb gestern noch weitgehend unklar. "Es war, als wenn mir jemand eine Flasche über den Kopf gehauen hätte", schilderte der Bochumer seine Eindrücke. "Ich dachte, was ist das denn für ein Psychopath?".
In Panik sei er dann zu seinem Auto gerannt, als er von hinten noch einmal in den Rücken geschossen wurde. Erst als er mit dem Auto weggefahren war, stellt er fest, dass er blutüberströmt war. Daraufhin rief der Elektroniker, der bei ThyssenKrupp in Bochum arbeitet, die Polizei an.
Mustafa B erklärte, er habe bisher nichts von dem tatsächlichen Schützen Ahmed gesagt, weil dieser ihn bedroht habe.
Der Angeklagte war bereits dreimal verheiratet. Beim ersten Mal habe es sich um eine "Scheinehe" mit einer Kusine gehandelt, die zweite Ehe sei geschieden worden, als sich bei einem Vaterschaftstest herausstellte, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Seine dritte Frau, eine Deutsche, lernte er bei einem Urlaub in Antalya kennen. 2002 siedelte er mit ihr nach Deutschland über. Die Trennung folgte etwa drei Jahre später. Seine neue Lebensgefährtin hatte er ebenfalls per SMS-Chat kennengelernt.
Der Prozess wird fortgesetzt.
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