Duisburg: Angst vor der Blechlawine
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 23.08.2007Duisburg (RPO). 600 Parkplätze sollen in der Tiefgarage des „Berufkollegs Mitte“ entstehen. Reicht das?
Die Anwohner der Pappenstraße finden kaum Platz zum Abstellen ihrer Autos. Die Mitarbeiter des „Hauses der Wirtschaftsförderung“ nehmen die Straße, wie auch andere Nebenstraßen in Beschlag. Bald soll neben dem glasigen Foster-Bau das neue „Berufskolleg Mitte“ entstehen, in dem pro Tag etwa 3100 Schüler ein- und ausgehen (wir berichteten).
Damit diese das Viertel nicht komplett zuparken, will die Stadt eine 600 Autos fassende Tiefgarage und Anwohnerparkzonen einrichten. 600 Parkplätze für 3100 Schüler? Das scheint recht wenig, auch wenn die Zahl sich über den Tag verteilt.
Zumal das Einzugsgebiet des „Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs“ (FALB) und des bestehenden „Berufskollegs Mitte“, die gemeinsam in dem neuen Gebäudekomplex untergebracht werden sollen, von der holländischen Grenze bis nach Mönchengladbach reicht. Außerdem werden Aula und Turnhalle auch für außerschulische Veranstaltungen gebraucht.
Theoretisch 1200 Stellplätze
Nach einer Modellrechnung des Planungsbüros Richter-Richard, das das Verkehrsgutachten zu dem Schulneubau an der Mülheimer Straße erstellt hat, benötigt die Schule 1200 Stellflächen, wenn alle, die motorisiert zur Schule kommen möchten, dies auch tun. Wolfgang Greiner, Stellvertretender Direktor des „Berufskollegs Mitte“ bestätigt, dass viele seiner Schüler mit dem Auto kommen. „An unserem jetzigen Standort gibt es allerdings nur Lehrerparkplätze, nicht mehr als 80 oder 90. Die Schüler parken in den umliegenden Straßen.“
Für die Beschränkung auf 600 Parkplätze plädiert das Planungsbüro, um die Schüler zur Nutzung des ÖPNV zu bewegen. „Das funktioniert“, sagt Jan Schüth von Richard-Richter, „wenn die Anwohnerparkzonen regelmäßig kontrolliert werden“.
„Exzellentes Modell“
Der Schulleiter des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs, Wolfgang Kempken, empfindet 600 Stellplätze gar nicht als Beschränkung, er ist von der „hohen Anzahl“ positiv überrascht. „Momentan kommen nicht mehr als 200 Schüler und Lehrer mit dem eigenen Wagen. Die Planung reicht also völlig aus.“ Kempken zeigte sich angetan von dem Vorschlag der Gutachter, die Parkplätze dauerhaft an Schüler zu vergeben, die über eine schlechte Nahverkehrsanbindung verfügen. „Das ist ein exzellentes Modell!“
Den Versuch, durch ein geringeres Parkplatzangebot, den Öffentlichen Personennahverkehr zu fördern, unternahm bereits die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung in Großenbaum.
Das Fazit von Leiter Elmar Zimmermann fällt positiv aus. „Mehr als 40 Prozent der Schüler kommen mit der S-Bahn. Das liegt an unserer optimalen Lage.“ Er ist nicht sicher, ob ebenso viele mit dem Bus kämen.
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