Duisburg: Anpassung nicht erwünscht
VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2009Duisburg (RPO). Laut einer Studie des Berlin-Instituts sind Zuwanderer im Durchschnitt schlecht gebildet. Ohne Bildung ist aber auch Integration kaum möglich. Kann man trotzdem sagen, dass sich viele Ausländer gar nicht integrieren wollen?
Manch einer mag behaupten, dass sich in Stadtteilen, in denen viele Migranten leben, etwa Marxloh, Bruckhausen oder Wanheim, Parallelgesellschaften gebildet haben. Die Einwohner dort sind meist Migranten aus der Türkei. Im Stadtteil Meiderich ist dagegen die Siedlung Hagenshof als Brennpunkt mit hauptsächlich russischen Bewohnern bekannt. Vielleicht sind gerade Stadtteile wie diese ausschlaggebend für das Vorurteil "Ausländer wollen sich gar nicht integrieren."
Die Studentin Anja Pasch findet jedoch, dass dieses Vorurteil Quatsch sei. Sie stammt aus der Ukraine und lebt heute zusammen mit ihrem deutschen Ehemann in einer Dreizimmerwohnung in Rumeln-Kaldenhausen.
Viel bei der Integration verpasst
Alles nur Vorurteile?
Laut eines aktuellen Berichts der Bundesregierung funktioniert die Integration der Migranten in Duisburg ziemlich schlecht.
"Die Ausländer sind daran aber selbst schuld", sagen die einen, "die Deutschen wollen uns nicht aufnehmen", sagen dagegen die anderen.
Das Zusammenleben wird oft durch Vorurteile erschwert. Oder sind es korrekte Einschätzungen? Die RP geht in dieser Serie dieser Frage nach und zeigt auf, wie es mit dem Zusammenleben klappt. Oder auch nicht!
Für sie hat Deutschland in punkto Integration auf jeden Fall einiges verpasst. "Erst 2005 bekannte sich Deutschland mit den Zuwanderergesetzen als Einwanderungsland. Damit wurden auch Sprachkurse und Unterricht zur deutschen Kultur und Politik eingerichtet", so die Studentin. Leider seien die Kurse aber nicht für die Migranten verpflichtend, die schon seit vielen Jahren in Deutschland lebten. Dabei ist Integration ohne ausreichende Bildung nahezu unmöglich, wie eine Studie des Berlin-Instituts belegt. Gleichzeitig seien Zuwanderer im Schnitt schlechter gebildet, häufiger arbeitslos und nehmen weniger am öffentlichen Leben teil.
Anna Pasch schrieb ihre Bachelorarbeit zur "Integration der Spätaussiedler als Querschnittsaufgabe der kommunalen Integrationspolitik". Heute fühlt sie sich in Deutschland zu Hause. Ihrer Meinung nach verwechselten viele Deutsche Integration mit Assimilierung, also der kompletten Anpassung an die deutsche Kultur: "Das finde ich nicht richtig, denn es ist schwer, seine Kultur und Religion einfach zu ändern – und es ist auch nicht nötig", findet sie
Anja Pasch selbst kam 2002 als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland. Zuvor hatte sie in der Ukraine Dolmetscherin studiert. Mit dem Auslandsaufenthalt wollte sie ihre Deutschkenntnisse aufbessern. Als sie jedoch ihren jetzigen Mann Stefan Pasch kennen lernte, entschloss sie sich zu bleiben – für immer. Momentan wartet die 27-Jährige auf ihre deutsche Staatsbürgerschaft. "Dann fühle ich mich endlich als richtige Deutsche", so die Duisburgerin.
Integration durch Sprache
Dass es in Duisburg einige Stadtteile gibt, in denen Menschen schlechter integriert zu sein scheinen und eigene Parallelgesellschaften bilden, glaubt auch Anja Pasch. "Integration fängt mit Sprache an. Wenn die Betreffenden Deutsch können, finden sie einen Job und Zugang zur deutschen Aufnahmegesellschaft." Eine kulturelle Assimilierung sei dann nicht nötig.
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