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Duisburg: „Asoziale“ in der NS-Zeit

VON PETER KORTE - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009

Duisburg (RPO). Wanderausstellung vom 6. bis 18. Januar in der Salvatorkirche zeigt Dokumentation über vier Duisburger, die in Konzentrationslagern umkamen. Spezielles Thema: Die Rolle der Diakonie.

Information zu der ab Dienstag laufenden Ausstellung gaben gestern (v.<span style="font-size:40%;"> </span>l.) Sieghard Schilling, Pfarrer Martin Winterberg und Roland Meier in der Salvatorkirche.  Foto: RPO
Information zu der ab Dienstag laufenden Ausstellung gaben gestern (v.<span style="font-size:40%;"> </span>l.) Sieghard Schilling, Pfarrer Martin Winterberg und Roland Meier in der Salvatorkirche. Foto: RPO

Die 19-jährige Karoline G. wurde 1941 aufgrund eines Antrags des Duisburger Gesundheitsamtes in Vorbeugehaft genommen, weil sie sich wochenlang wohnungslos „herumtrieb“ und derart „verwarlost“ gewesen sein soll, dass sie eine „Gefahr für andere Jugendliche war“. Nach einer ersten Verwarnung kam sie als „Asoziale“ in Vorbeugehaft und über das Konzentrationslager Ravensbrück nach Auschwitz. Dort starb die junge Duisburger 1942. E

in „Fall“ von dreien, die in der Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ dokumentiert sind. Sie erinnert an das Schicksal so genannter „Asozialer“ in der NS-Diktatur. In der Vorab-Präsentation gestern in der Salvatorkirche führte Sieghard Schilling, Geschäftsführer der Diakoniewerk Duisburg GmbH, aus, dass es auch heute wichtig sei, mit Ausstellungen und Themen wie diesem gegen die Vorurteilsbildung anzukämpfen.

„Penner“ oder „Asi“ seien schließlich Begriffe, die auch heute noch unter (jungen) Menschen kursierten. Die Diakonie in der evangelischen Kirche habe sich erstmals dieses Themas angenommen, um nicht zuletzt auch das Wirken der Kirche(n) in der nationalsozialistischen Zeit zu beleuchten. Die Kirchen hätten seinerzeit positive wie negative Beispiele gegeben.

Info

Dokumentation

Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Alt-Duisburg präsentiert das Diakoniewerk Duisburg die Dokumentation vom 6. bis 18. Januar in der Salvatorkirche.

Zur Ausstellungseröffnung am 6. Januar um 11 Uhr spricht Prof. Dr. Wolfgang Ayaß, Historiker, Universität Kassel, zum Thema „Wohnungslose im Nationalsozialismus“.

Ein thematischer Gottesdienst beginnt am Sonntag, 11. Januar, um 10 Uhr.

Um die Rolle der Diakonie zur Zeit des Nationalsozialismus geht es in einem Vortrag von Dr. Uwe Kaminsky, Historiker der Universität Bochum, am 11. Januar um 17 Uhr. Es schließlich eine Talkrunde an.

Öffnungszeiten: dienstag bis samstags 9 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Zu der Ausstellung gibt es das Begleitheft „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ von Wolfgang Ayaß.

„Unproduktive“ Menschen

Auf großen Stellwänden der Wanderausstellung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. wird dokumentiert, wie es Wohnungslosen im Dritten Reich erging. Von der ersten Bettlerrazzia 1933 über die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938 bis zur planmäßigen Ermordung der Juden lässt sich eine gemeinsame Linie in der Vernichtungspolitik des NS-Regimes ziehen.

Bettelei und Landstreicherei waren Delikte des Strafgesetzbuches seit 1871. Mit der Weltwirtschaftskrise war die Zahl der Bettler, Landstreicher, Vagabunden und Nichtsesshaften sprunghaft angestiegen. Der NS-Herrschaft waren solch „unproduktive“ Menschen ein Dorn im Auge. Die Arbeitshäuser, Spezialgefängnisse für Bettler und Landstreicher füllten sich seit 1933 immer mehr.

Über 10 000 Menschen starben

Die ersten Wohnungslosen und Bettler wurden schon bald in Arbeitshäuser und auch Konzentrationslager eingewiesen. Eine der Begründungen: Ein Kampf der Rassenhygiene gegen die Minderwertigen. Bis zum Zusammenbruch starben über 10 000 „Bettler“ und „Asoziale“ in den Konzentrationslagern.

Mit Philipp S., Wilhelm P., Karoline G. und Gertrud J. wird mit vier Duisburgern in der Ausstellung dargestellt, wie ihr „Abstieg“ vonstatten ging – bis zu ihrem Tod in Konzentrationslagern. In Duisburg gibt es heute offiziell keine Obdachlosen, wohl aber, so Roland Meier, Fachbereichsleiter Wohnungslosenhilfe beim Diakoniewerk Duisburg, zehn bis 15 Menschen, die in Zelten oder Parks schlafen.

Quelle: RP

 
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