Duisburg: Audimax freiwillig geräumt
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 21:00Duisburg (RPO). Die Proteste an der Universität Duisburg-Essen erreichten gestern Abend ihren vorläufigen Höhepunkt. Nachdem Uni-Rektor Prof. Ulrich Radtke die Räumung des besetzten Audimax angedroht hatte, gab es eine Spontan-Demo.
Die Stimmung war aufgeheizt, aber nicht explosiv. Als Rektor Prof. Ulrich Radtke um kurz nach 17.30 Uhr das Audimax betrat, gab es nur wenige Pfiffe. Die rund 200 Studierenden ließen Radtke ausreden. Nur vereinzelt gab es Sprechchöre ("Bildung für alle, und das umsonst!"). Radtke räumte ein, dass die Situation an der Uni "nicht befriedigend" sei. Schon in zwei Jahren hoffe er, dass in Duisburg ein neues Hörsaalzentrum mit 1000 Plätzen fertig gestellt sei. "Das ist dann das nächste Gebäude, das besetzt werden muss", konterte Robin Wilharm, Sprecher der Protestler.
Ansonsten gab es in vielen Punkten Übereinstimmungen zwischen Rektorat und Protestierenden: Die Verschulung der Bachelor- und Masterstudiengänge, die Raumsituation an der Uni und die mangelhafte finanzielle Ausstattung der deutschen Universitäten wurden von Radtke ebenfalls kritisiert. Nur in einer Frage gingen die Meinungen konträr auseinander: Radtke verteidigte die Studiengebühren – und wurde dafür ausgebuht.
Um kurz nach 18 Uhr forderte er die Studierenden auf, den großen Hörsaal zu verlassen. Ein "Widerstand" habe ansonsten auch strafrechtliche Konsequenzen. Der SPD-Landtagsabgeordnete und DGB-Regionsvorsitzende Rainer Bischoff erwirkte schließlich noch eine Stunde Aufschub zugunsten eines "Kulturprogramms".
Inzwischen war die Polizei mit einem Großaufgebot an der Uni. Nach einigen Diskussionen räumten die Studierenden das besetzte Audimax und formierten sich spontan zu einem lautstarken Demonstrationszug durch Duissern. Schon zuvor hatten Sprecher der Demonstranten ausdrücklich zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. "Das ist nicht das Ende. Wir sind nicht alleine, sondern Teil einer Bewegung", so Robin Wilharm. Er forderte ein Vetorecht für Studierende bei allen wichtigen universitären Entscheidungen: "Wenn die Hochschule nicht demokratisch ist, dann ist es auch unsere Gesellschaft nicht."
Hauptleidtragende der Proteste waren bisher die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften, weil sie vorrangig den großen Hörsaal nutzen. "Die Proteste werden fast ausschließlich auf dem Rücken der Wirtschaftswissenschaftler ausgetragen. Aus deren Reihen ist der Rektor daher auch mehrfach aufgefordert worden, die Besetzung zu beenden", erklärte Beate Kostka, Sprecherin der Uni.
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