Duisburg: Auf Tristan folgt Courasche
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007Duisburg (RPO). Gestern stellte Jürgen Flimm mit seinem engeren Team die Duisburger Produktionen zur dritten Triennale-Staffel vor. Die beiden Premieren im Landschaftspark sind ausverkauft. Karten gibt es noch für die nachfolgenden Termine.
Triennale-Intendant Jürgen Flimm ist ein „alter Fuchs“, wenn es um die Präsentation großer Festivalprogramme geht. Jene Mischung aus Lobpreisung, Untertreibung, bodenständigem Witz und sanfter Ironie kommt gut an. So auch bei der Pressekonferenz gestern im Landschaftspark. Flimm hatte Grund zur guten Laune. Schließlich konnte Triennale-Geschäftsführer Jürgen Krings stolz verkünden, dass bereits jetzt 80 Prozent aller 50 000 regulären Eintrittskarten verkauft seien. Für „Corpus Delicti“, „Die Soldaten“, „Casta Diva“ und „Claus Peymann kauft sich eine Hose“ (Letzteres freute Flimm besonders) gibt es mittlerweile keine Vorverkaufskarten mehr. Und auch die beiden Duisburger Triennale-Premieren in der Gebläsehalle sind ausverkauft. Allerdings kann man noch Karten für die weiteren Duisburger Aufführungen bekommen.
Willy Decker, international bekannter Opernregisseur, hat die Inszenierung von Frank Martins selten gespieltem Werk „Le vin herbé – Der Zaubertrank“ übernommen. Das Stück, so sagte Decker voller Begeisterung, sei vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Martin habe den Tristan-und-Isolde-Stoff durch und durch ungewöhnlich behandelt. Anstelle eines „normalen“ Librettos griff der Schweizer Komponist auf drei Kapitel des Romans „Tristan und Isolde“ von Joseph Bédier zurück. Man könne kaum sagen, ob es sich um ein Oratorium oder um ein Musikdrama handelt. Das 1941 vollendete Werk sei irgendwie „heimatlos“; man wisse nicht, ob es in ein Theater oder eine Kirche gehöre. Die Duisburger Gebläsehalle sei für ihn als Regisseur ein geradezu idealer Ort, weil er hier genau jene experimentier-orientierte Atmosphäre finde, die er suche. „Le vin herbé“ sei „kein Mainstream“. Die Musik, von Schönberg beeinflusst, aber dennoch tonalen Gesetzen gehorchend, sei ungemein sinnlich.
Um die zweite Duisburger Produktion habe es einen „Sturm im Wasserglas“ (Flimm) gegeben, weil die „Courasche“ der Schauspielerin Veronika Ferres „zu unanständig“ war. Immerhin habe die spektakuläre Absage dazu geführt, Wilhelm Genazinos Stück, das bei der Triennale uraufgeführt wird, noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieser erneute Durchgang habe dazu geführt, so Regisseurin Stephanie Mohr gestern, dass die Figur der Courasche nun von drei Schauspielerinnen gespielt wird (vorgesehen waren ursprünglich nur zwei). Weitere Kompromisse habe es aber nicht gegeben, so Stephanie Mohr. „Courasche“ (nach Grimmelshausen) werde in drei Zeiten präsentiert: Gestern, heute, morgen. Mehr war nicht zu erfahren. Interessant war gestern der Blick aufs Bühnenbild. Das besteht aus Tausenden Altkleidern, die wie Schützengräben gestapelt sind.
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