Duisburg: Aus der Opferrolle zum Vorbild
VON JESSICA NARLOCH - zuletzt aktualisiert: 06.05.2010Duisburg (RPO). Im April holte SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft die Duisburgerin Zülfiye Kaykin in ihr Zukunftsteam. Die gebürtige Türkin möchte jetzt nicht nur für Marxloh, sondern in ganz NRW Integrationspolitik betreiben.
Sie ist 41 Jahre alt, Mutter von zwei Söhnen im Alter von neun und 13 Jahren, gelernte Einzelhandelskauffrau und seit April Mitglied im Zukunftsteam von SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft: Zülfiye Kaykin. Obwohl in der Türkei geboren, ist die Marxloherin fest in Duisburg verwurzelt. "Ich lebe seit 33 Jahren in dieser Stadt. Ich bin damals nach der dritten Klasse mit meinen Eltern aus der Türkei hierher gekommen und nicht mehr gegangen", erklärt sie.
Die engagierte ehemalige Geschäftsführerin der DITIB Bildungs- und Begegnungsstätte der Merkez Moschee in Marxloh ist seit 1994 Mitglied der SPD und hofft nun auf einen Sieg ihrer Partei bei den Landtagswahlen. Die Beweggründe der Duisburgerin, sich aktiv politisch zu engagieren, sind heute die selben wie zu Beginn ihres Engagements: "Ich möchte den Teamgeist wecken, auch wenn das jetzt sehr romantisch klingt."
Auszeichnungen
Zülfiye Kaykin erhielt 2004 in Duisburg den Preis für Toleranz und Zivilcourage. 2007 bekam sie von Bundespräsident Horst Köhler den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihren Einsatz für die Verständigung von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe.
Ihre Stärken liegen dabei klar in der Integrationspolitik, die sie mit viel Hingabe betreibt. "Die Migranten müssen raus aus der Opferrolle und in die Rolle von Vorbildern", sagt sie. "Junge Menschen müssen motiviert werden und sehen, dass auch sie etwas erreichen können."
Auch Zülfiye Kaykin gilt als Vorbild, schließlich hat sie als Frau mit Migrationshintergrund einiges bewegt und gezeigt, dass in den politischen Strukturen des Landes Nordrhein-Westfalen auch Platz für Migranten ist.
"Ich möchte das Thema Integration in den Köpfen verankern. Der Erfolg gebührt dabei nicht einem Einzelnen. Ein türkisches Sprichwort sagt: Jemand muss in der Küche stehen, und egal ob in der Küche oder auf der Bühne, Hauptsache, unsere Aussagen kommen an", sagt sie bescheiden.
Wie sich ihr Leben nach den Landtagswahlen verändern wird und ob sie Integrationsministerin wird, dazu kann sie noch nichts sagen: "Wer welche Rolle übernimmt und was meine Aufgaben sein werden, sollte die SPD gewinnen, das besprechen wir dann noch." Eines ist für sie allerdings klar: "Ich bleibe der Integrationsdebatte treu und werde mich weiterhin als Ehrenamtliche beim DITIB engagieren." Damit möchte sie den Blick auf das Thema nicht verlieren, denn, und das merkt man, es ist ihr viel zu wichtig.
Weg vom Fernseher
Das Thema Integration spielt nicht nur in ihrem politischen, sondern auch in ihrem persönlichen Leben eine wichtige Rolle. Es sei zum Beispiel wichtig, dass Kinder vom Fernseher weg kommen und in die Vereine gehen, um nicht nur Gesundheit, sondern auch Sprache und Sozialkompetenz, gerade auch interkulturell, zu fördern. "Auch meine Söhne kennen das Vereinsleben. Mein Ältester hat Tennis gespielt, der Jüngere Fußball", berichtet sie. Ihre Familie ist somit bereits voll in Duisburg integriert.
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